Brunnthal weist Vorrangflächen für Windkraft aus

Rotoren im Hofoldinger Forst ab 2014?

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Die Matrix der energetischen Zukunftstechnologie Windkraft voll im Blick und sogar auf der Stirn: Michael Mackenroth von der Bürgerbeteiligungsgesellschaft will auch in Brunnthal Zeichen setzen (mehr in untenstehendem Beitrag).

60 Bürgerinnen und Bürger waren am vergangenen Mittwoch in die Brunnthaler Grundschule gekommen um Aktuelles  über den anstehenden energetischen Wandel im Ort zu erfahren. Die Zukunft der Windkraft und ihrer bis zu 170 Meter hohen, windmühlenartigen Gebilde stand auf der Tagesordnung. 

Der wohl entscheidende Satz kam dabei von  Bürgermeister Stefan Kern (CSU): „Bereits 2014 könnte sich in Brunnthal das erste Windrad drehen“, rechnete der Rathauschef nach der Detailfrage eines Bürgers hoch. Auch wenn derzeit noch vieles im Dickicht der Gutachter steckt:  Die veränderte  Silhouette wird klarer erkennbar.

Auch wo man sich in Zukunft auf ein geändertes Landschaftsbild am Horizont gewöhnen muss, wird langsam aber sicher klarer ersichtlich. Rund 900 Hektar Gelände und damit rund 20 Prozent der Brunnthaler Gesamtortsfläche kommen grundsätzlich für sogenannte Konzentrationsflächen von Windrädern in Frage – doch vor allem ein Standort kristallisiert sich immer mehr  als potentielle Heimstatt der örtlichen Windkraft-Planungen heraus. Westlich und südwestlich von Hofolding im Forstgebiet nahe der Autobahn A8  sind die Chancen wohl am größten, bis zu sechs der wuchtigen Windradaufbauten zu platzieren. 

Vier der sechs geprüften Konzentrationsflächen liegen im Forst. Vom (Planungs-)Tisch ist dagegen ein rund 17 Hektar großes Gebiet im Nordwesten von Otterloh – weil dieses in die Wasserschutzzone des Nachbarn Taufkirchen eingreift. Höchst fraglich auch, ob ein ebenso großes Flächenstück zwischen Brunnthal und Kirchstochach in der Rodungsinsel platziert wird. Nicht nur, weil dort Biotopflächen verlaufen – gerne würde die Gemeinde auch nach diversen Protesten  ihren Anwohnern die Windriesen zwischen diesen Ortsteilen ersparen. 

„Wir haben rund  400 Hektar für einen dort geänderten Flächennutzungsplan angeboten“, so Kern. „Das dürfte bei weitem ausreichen“. 

Das ist wichtig, denn die Gemeinden sind zwar objektiv Herr ihrer Windkraftplanungsverfahren – könnten aber bei der privilegierten Windkraft rasch in rauhe Stürme geraten, wenn etwa der regionale Planungsverband die angebotenen Flächen als nicht ausreichend groß oder nur taktisch vorgeschoben ansieht. „Das alles wird hier nicht passieren“, ist Kern sich sicher. Auch, weil man sich bei der fälligen Änderung der kommunalen Flächennutzungspläne intensiv mit den Nachbargemeinden abstimme. Mit Sauerlach gilt es aber wohl noch dezidierter zu diskutieren. Denn der Nachbar plant eine eigene Konzentrationsfläche direkt auf der gegenüberliegenden, westlichen Autobahn-Seite. „Da dürfen wir uns nicht ins Gehege kommen und gegenseitig blockieren“, so Kern. 

Großzügige Baumfällungen

Fragen hatten die Bürger – etwa zu den Zeitabläufen. Bereits im September steht die Windkraft laut Kern wieder auf der Agenda des Gemeinderates – im Dezember bereits sollen bei einer weiteren Bürgerversammlung aktuelle Erkenntnisse eingearbeitet werden. Etwa zum Naturschutz. So fernab die aktuelle Windkraftplanung von der Wohnbebauung liegt, so unmittelbar könnten seltene Vogel- oder Fledermausarten betroffen sein von Baumaßnahmen im Forst – das befürchtete auch mancher Bürger. 

„Doch wir haben derzeit noch keine Erkenntnisse über Arten, die von der Maßnahme im Bestand bedroht wären“, gab der Bürgermeister Einblick in Gutachter-Erkenntnisse. Ein Windrad bedinge Baumfällungen im Umkreis von rund 2500 m², beschrieb Kern die drastischen Eingriffe. 

Auch beim Thema Wind ist noch nichts fix. 5,5 Meter pro Sekunde Windgeschwindigkeit gelten als wirtschaftlich. „Da sieht es nicht schlecht aus“, so der Rathauschef.  „Die einen sprechen von der guten Kapitalanlage Windkraft“, so Kern mit Blick auf Ertragsmöglichkeiten und das Wirken der örtlichen Bürgerbeteiligungsgesellschaft (BBG), die später Bürger-Anteile an den Anlagen veräußern möchte. „Andere erwarten ein finanzielles Fiasko – da liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen“. 

Ob der Wind vor Ort denn auch ausreicht, um wirtschaftlich zu sein, wollten Bürger wie etwa Peter Raab wissen. „Da kann ich noch keine Detail-Prognose anbieten“, entgegnete der Rathauschef – der aber die Windenergie generell begrüßt und binnen 20 bis 30 Jahren „Energie auf diesem Wege zum Nulltarif“ erwartet. Das provozierte Gelächter im Saal – einige waren da wohl anderer Meinung. 

Immerhin aber will der Freistaat bis 2023 aus der Kernenergie ausgestiegen sein – „Windkraft ist da der Zukunftstechnologiefaktor mit den größten Ausbaumöglichkeiten“, befinden Michael Mackenroth von der Bürger- Beteiligungsgesellschaft und Kern im Chor. „Wir reden von bis zu sechs Windrädern an der Autobahn bei einem Investitionsvolumen von rund 25 Millionen Euro allein auf unserem Gemeindeterritorium“, unterstrich der erfahrene Planer diverser Anlagen in Norddeutschland.

Die BBG will laut Mackenroth bei der Ausgestaltung mitmischen. Eine offene Ausschreibung freilich wird über den Investor entscheiden. Eines ist sicher: auch Brunnthals Silhouette wird sich im energetischen Wandel ändern. Harald Hettich


Stellungnahmen

Die aktuellen Planungsentwürfe der Gemeinde Brunnthal, Gutachterergebnisse und Detail-Fakten sind noch bis 20. August im Brunnthaler Rathaus, Zimmer OG 02, bei Bauamtsleiter Siegfried Hofmann zu den üblichen Bürozeiten einzusehen. Änderungsanträge sind beim Rathaus schriftlich in dieser Zeit einzureichen. hh 


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