Kern:„Der Wind war überdurchschnittlich gut“

Brunnthal: Erste Auswertung der Windmessung

Die Arbeitsgemeinschaft Hofoldinger Forst geht kleine Schritte in Richtung Windkraft.
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Die Arbeitsgemeinschaft Hofoldinger Forst geht kleine Schritte in Richtung Windkraft.

Brunnthal/Sauerlach/Aying – Der Wind weht kräftig weiter um das Projekt Windkraft im Hofoldinger Forst. Derzeit wird gemessen, wie stark seine Kraft tatsächlich ist und ob er stark genug ist, insgesamt vier Windräder zu bedienen.

Nachdem die Gemeinden Sauerlach, Aying, Otterfing und Brunnthal Ende letzten Jahres den Standortsicherungsvertrag unterschrieben und sich zu einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) zusammengeschlossen haben, läuft aktuell die Prüfung, ob Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst unter ökonomischen, aber vor allem auch ökologischen Gesichtspunkten realisierbar sind. 

Mitte Januar traf sich die Arge, um sich über die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse auszutauschen. Denn im Dezember vergangenen Jahres hat die Windmessung im Hofoldinger Forst begonnen. Dazu wurde ein Messgerät in-

stalliert, das in einer Höhe von 50 bis 250 Metern über dem Grund die Windstärken misst. Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern berichtete: „Es ist noch viel zu früh, um eine echte Aussage über die Verteilung der Windhäufigkeit im Jahr und die Wirtschaftlichkeit zu treffen.“

Trotzdem ist jeder noch so kleine Schritt wichtig, um Stück für Stück den Schleier der Unklarheit bei Seite zu schieben, der sich um den Forst legt, um dann zu erkennen, was die richtige Entscheidung für die Zukunft des Hofoldinger Forstes darstellt.

Vier Windenergieanlagen gibt es bereits in der näheren Umgebung. Sie sind einem ausgedehnten Waldgebiet, zwischen der Autobahn A95 und dem Starnberger See gelegen. Die Gemeinde Berg ist dabei eine Referenz für die Arge Hofoldinger Forst, denn diese stehen dort schon seit 2015. 

Auch in der Gemeinde Bruck, im Ebersberger Landkreis, gibt es bereits ein Windrad. In der Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wurde festgestellt, dass es eine hohe Ähnlichkeit zu dem Wind und den beiden Referenzanlagen gibt. Kern erklärt: „Man hat festgestellt, dass es im Hofoldinger Forst im Prinzip ähnliche Windverhältnisse sind.“

Zuversichtlich sei man insofern. Und das trotz der kritischen Lage des Forstes. Dieser liegt nämlich in einem Tal, sodass vonseiten der Windkraftgegner das Argument „Schwachwindgebiet“ einer von vielen Gründen ist, um die Windkrafträder im Hofoldinger Forst nicht aufzustellen. Doch im Herbst und im Dezember war der Wind sehr Stark.

Kern betonte: „Der eine Monat war für die Windkraftbefürworter sehr erfreulich. Einen Abbruch der Windmessung gab es deshalb noch nicht, weil der Wind eben gut war. Er war überdurchschnittlich gut“. Fraglich sei es aber natürlich, ob die Windverhältnisse im Sommer dann noch ähnlich sind.

Mindestens bis in das Frühjahr hinein muss also abgewartet werden, um erste Bilanz ziehen zu können. Sollten die Messungen wider Erwarten ein schlechtes Ergebnis erzielen, würde ungefähr im Mai abgebrochen werden. Ist Gegenteiliges der Fall, müsse das ganze Jahr voll durchgemessen werden.

Sobald die Ergebnisse der Windmessung vorliegen und eine erste Abschätzung gemacht werden kann – also Ende Mai oder Ende Juni – soll es eine Informationsveranstaltung für alle Bürger der vier betroffenen Gemeinden geben. Berichtet wird dann auch über den weiteren möglichen Projektverlauf.

Zu diesem weiteren Projektverlauf zählen auch die speziellen Artenschtuzrechtlichen Prüfungen und Auswirkungen auf Flora und Fauna. Mit Hilfe zweier etwa 25 bis 30 Meter hoher Gerüsttürme soll eine Kartierung der Großvögel erfolgen. Horste und Fortpflanzungsstätten werden aufgesucht. 

Darüber hinaus wird auch nach Uhus, Eulen, der Haselmaus und anderen Tieren gesucht, die im fraglichen Gebiet beheimatet sein könnten. Im Anschluss wird ein faunistisches Gutachten erstellt, die sogenannte spezielle artenschutzrechtliche Prüfung sowie eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt.

Erst wenn alle Ergebnisse vorliegen, werden die Mitglieder der Arge Hofoldinger Forst darüber entscheiden, ob es dort Windenergieanlagen in kommunaler Planungshoheit geben wird. Kern sagt: „Es wird mindestens noch zwei, drei Jahre dauern, bis es wirklich an das Bauen der Windkraftanlagen gehen kann.“ Ein langes Projekt also, das den Gemeinden bevorsteht. 

Und je länger Projekte andauern, desto teurer werden sie. Bürgermeister Kern berichtet, wie es um die Kosten steht: „Die eigentlichen Kosten tragen hier die Landkreise. Das Teure ist natürlich das Verfahren insgesamt, aber auch die Ausschreibung. Wir sind deshalb schon mal sehr dankbar, dass die erste finanzielle Hürde bereits die Landkreise übernommen haben, aber bei allen weiteren sind die Gemeinden voll im Boot.“

Jede Gemeinde habe zwischen 80.000 und 100.000 Euro einstellen müssen. Das würde die Beteiligung sein, die eine Gemeinde leisten müsse. Der erste Monat um die Windmessung verlief gut. Windkraftbefürworter und Windkraftgegner müssen nun gleichermaßen Geduld beweisen; nur die Zeit wird zeigen können, welches Schicksal dem Hofoldinger Forst bevorsteht.

Melanie Schröpfer

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