Windkraft – Nein danke? Brunnthaler vor schwerer Entscheidung

Brunnthal: Demonstration wegen möglicher Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst

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"Wald retten - Windkraft stoppen!": so lautete in Brunnthal das Motto der Gegner von Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst.

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen, besagt eine chinesische Weisheit. Doch was ist das Richtige für den Hofoldinger Forst?

Brunnthal – Wer im Hofoldinger Forst spazieren geht, sucht dort vielleicht ganz unterschiedliche Dinge: Ruhe. Idylle. Vielleicht auch Pilze. Manchmal gibt es im Wald auch einen Sturm. Diesmal ging es um den Wald, und es war ein Sturm der Entrüstung. Lautstark ging es vergangene Woche in der Ortsmitte Brunnthals zu, vor der Schule suchte sich der Protest ein Ventil. Das Thema: Der Standortsicherungsvertrag der Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst.

Fackeln, ohrenbetäubende Hupen, Tröten und Pfeifen sollten den Windkraftgegnern die nötige Aufmerksamkeit verleihen, da die Standortssicherungsbesprechung, die zeitgleich während der Demonstration stattfand, unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Sehr zum Ärger der anwesenden Bürger. Teilnehmer der Besprechung waren die „ARGE Windenergie“, sowie der Landrat und der Bürgermeister Brunnthals. 

Zur Erinnerung: Die bayerische Staatsregierung will insgesamt 100 neue Windkraftanlagen in den Staatsforsten errichten lassen. Vier davon sollen mit einer fernsehturmgroßen Höhe von etwa 230 Metern im Hofoldinger Forst positioniert werden, in unmittelbarer Nähe der Autobahn A8.

Einer der Demonstranten war Georg Mair. Ein älterer, freundlicher Herr. Doch diesmal blickte er ernst drein. Er ist ein direkter Anwohner des Hofoldinger Forstes – und aufgebracht: „Dass man so was riskiert, verstehe ich nicht. Einfach den Wald abzuholzen! Ich war als 14-Jähriger schon bei der Demonstration gegen den Flughafenbau im Hofoldinger Forst dabei, und jetzt stehe ich wieder hier und demonstriere für den Forst und die Natur. Für die Kinder, die im Grünen aufwachsen sollen, und für das Grundwasser.“

Rund 100 Gegner von Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst demonstrierten am 5. November in Brunnthal.

Die Diskussion um die Bebauung im Hofoldinger Forst erstreckt sich nun schon über mehrere Jahre. Doch hieß es zu Anfang noch, dass die Besetzung hier nicht auf fruchtbaren Boden stößt, da schlicht und einfach zu wenig Wind durch die Wälder des Forstes weht. Zuerst haben sich die Bürger der betroffenen Gemeinden Sauerlach, Aying, Otterfng und Brunnthal also in Sicherheit gewogen. 

Bis dato hat sich an diesem Schwachwindgebiet, in dem der Forst liegt, auch nichts geändert. Doch die Entwicklung der Technik ließ die Leistungskraft der Windräder derartig steigern, dass die Platzierung vierer Windkraftwerke – zumindest theoretisch – nun doch möglich ist.

Für Georg Mair ist das eine Schreckensvision: „Ich selbst bin Besitzer eines kleines Waldstückchens, und mir tut wirklich jeder Baum weh, der weg muss, selbst wenn er krank ist. Deshalb habe ich für die Abholzung unzähliger Bäume kein Verständnis! Ich bin hier, weil ich finde, man soll für die Heimat eintreten.“

Die Bürger der umliegenden Gemeinden sind auch entrüstet, wollen ihren Forst retten, denn die Windräder müssen ja erst mal an Ort und Stelle gebracht werden, wozu Schneisen vonnöten sind. Das bedeutet, Straßen müssen gebaut werden. Und werden die Windkrafträder also tatsächlich aufgebaut, ist die Rodung vieler Bäume unabdingbar.

Vertreten waren während der Demo allerdings auch Befürworter der Windenergie, die sich durch Gesangsparolen gleichfalls Gehör verschaffen wollten. Doch während die Windkraftgegner mit voller Lautstärke protestierten, waren die Befürworter trotz Megafon kaum zu hören. Leise sangen sie: „Wir stehen hier für Windkraft fest zusammen. Kämpft für eure Zukunft.“

Ramona Wüst, die als Befürworterin der Windkraft im Forst sprach und der „Fridays for Future“-Bewegung angehört, ist der Meinung, man müsse in die Zukunft investieren: „Es liegt ja auf der Hand: Die Zeit läuft uns davon! Wir brauchen die Energiewende – und zwar jetzt! Wir sind nicht gegen den Wald, aber der Hofoldinger Forst ist damals als Nutzwald angelegt worden. Das bedeutet, die Bäume, die in diesem Wald stehen, sind dafür angedacht, sie zu nutzen.“ Weiter sagt sie: „Klar müsste man eine Schneise durch den Wald führen, aber wie gesagt, der Wald besteht ja aus Nutzholz. Außerdem müssten die Bäume ja nicht komplett verschwinden, sie könnten ja auch umgepflanzt werden.“

Herr Gumann, selbst Landschaftsgärtner und Anwohner des Hofoldinger Forstes, kann diese Meinung nicht verstehen, nur dabei zuzusehen, wie ein 300 Jahre alter Wald abgeholzt wird. „Nur damit ein Wind­rad dort vielleicht 15 Jahre stehen kann? Wir haben genug Freiflächen, da muss nicht der Wald abgeholzt werden, denn es leben so viele seltene und besondere Tiere im Hofoldinger Forst, die alle ihre Heimat verlieren würden. Wie zum Beispiel das Hermelin...“

Letztlich stehen beide Parteien, Windkraftbefürworter und Windkraftgegner, für das Gleiche: Sie kämpfen für die Erhaltung und Rettung der Natur – nur eben auf verschiedenen Wegen. Umso schöner und bemerkenswerter, dass beide Gruppen durchaus den Dialog miteinander suchten. Der Austausch von Argumenten statt dem Aufbau von Hass, das ist im politischen Diskurs unserer Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr. So endete der Novemberabend nicht nur pünktlich im zuvor angekündigten Zeitfenster, sondern auch mit einer respektvollen Verabschiedung voneinander. Wie von Einsatzleiter Ganserer zu Anfang erhofft.

Eine Entscheidung fiel währenddessen übrigens nicht. Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU) wollte während der ARGE-Besprechung vermitteln. Ihm ist wichtig, die Steuerung nicht aus der Gemeinde und damit an Dritte abzugeben. Er weiß um die Größe und Wichtigkeit des Waldes. Deshalb steht für Stefan Kern eine Bedingung fest: „Wenn Windkraft, dann nur, wenn alles ehrlich geprüft wird.“ Wären die Natur und/oder die Tiere tatsächlich gefährdet, wäre er gegen den Bau der vier Wind­räder im Hofoldinger Forst.

Der Sturm rund um den Hofoldinger Forst wird sich also vorerst legen. Doch bis wirklich wieder Ruhe und Idylle in ihm einziehen werden, wird sich erst zeigen müssen, woher der Wind tatsächlich weht.

Melanie Schröpfer

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