Windkraft: Für Kritiker nur Waldzerstörung und Landschaftsverschandelung

Windkraft: Für Kritiker nur Waldzerstörung und Landschaftsverschandelung

Ob ein Windrad wie auf dem Bild, auch in den Gemeinden Aying, Sauerlach, Otterfing und Brunnthal stehen wird, ist noch nicht entschieden.
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Die Gemeinden Aying, Sauerlach, Otterfing und Brunnthal informierten über einen Online-Bürgerdialog zum aktuellen Planungsstand der möglichen Windräder im Hofoldinger Forst. Die Messungen sind Ende des Jahres abgeschlossen. Dann wird weiter entschieden.

Während in Brunnthal vor gut einem Jahr mit Fackeln und Parolen gegen die vier Wind­räder im Hofoldinger Forst demonstriert wurde, blieb der Aufschrei in Aying, Sauerlach und Otterfing aus. Bei den Online-Bürgerdialogen im September wurde den Anwohnern Raum für Fragen geboten. 

Brunnthal /Aying / Sauerlach - Vergangenes Jahr schlossen sich die Gemeinden Sauerlach, Otterfing, Aying und Brunnthal zu einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) zusammen, um gemeinsam über die Zukunft des Hofoldinger Forstes zu walten. Konkret geht es um die Errichtung von insgesamt vier Windrädern – die auf die vier Gemeindegebiete rund um den Hofoldinger Forst verteilt werden sollen. Der aktuelle Planungsstand wurde von der Energieagentur Ebersberg, den jeweiligen Bürgermeistern der Gemeinden und Experten über einen Online-Bürgerdialog bekannt gegeben.

Jede Gemeinde veranstaltete einen solchen Online-Dialog. Seit bald einem Jahr laufen nun die Untersuchungen, ob die angedachten Windkrafträder im Allgemeinen tatsächlich ertragreich wären. Dazu zählt auch die genaue Prüfung des Artenschutzes, wobei auch Tiere beobachtet werden, die durch die Räder in ihrem Lebensraum möglicherweise gestört werden könnten. Zur Information des aktuellen Planungsstands waren neben den Bürgermeistern auch Experten und Landrat Christoph Göbel zugeschaltet.

Robert Sing vom Ingenieurbüro Sing würde die Größenordnung bei modernen Windenergieanlagen derzeit wie folgt einordnen: Die Nabenhöhe würde bei ungefähr 166 Metern liegen, der Rotordurchmesser bei 150 Metern, die Gesamthöhe bei ungefähr 240 Metern und die Nennleistung bei rund 4,5 Megawatt.

Auch wurde die Frage beantwortet, wie viel Fläche so eine Windenergieanlage eigentlich benötigt. Während des Baus ist von 5000 Quadratmetern die Rede. 2500 Quadratmeter würden in den permanenten Flächenverbrauch fallen, für das Fundament und die Kiesfläche. Temporäre Flächen sollen wieder aufgeforstet werden und für die permanenten Flächen soll an anderer Stelle wieder aufgeforstet werden.

So ein Windrad muss aber auch transportiert werden. Dafür muss eine Schneise für den Weg beziehungsweise die Fahrbahn geschlagen werden. Konkret bedeutet das: viereinhalb Meter Fahrbahn und sechs Meter Lichtraumprofil sowie Kurvenradien für den Schwerlastverkehr. In der Präsentation verdeutlichte Sing jedoch, dass bereits bestehende Wege zuerst genutzt oder/und ausgebaut werden sollen.

Der bisherige Planungsstand hat ebenfalls ergeben, dass durch große Abstände zu den Wohnhäusern die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte für Schall und Schatten eingehalten werden.

Auch ergaben die bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen, dass der Infraschall, den die Windräder auslösen und der unterhalb des menschlichen Hörfeldes liegt, nicht im Zusammenhang mit Krankheiten oder gesundheitlichen Problemen liegen würde.

Das Thema Windkraft im Hofoldinger Forst ist stark umstritten. Während die Gemeinden Sauerlach, Aying und Otterfing wenig Proteste aus der Bürgerschaft verzeichnen, sind die Gegenstimmen in Brunnthal umso lauter.

Aber von vorne: Als es im November letzten Jahres darum ging, den Standortsicherungsvertrag als ARGE gemeinsam zu beschließen, stellten sich die Brunnthaler Bürger quer. Mit Fackeln und Parolen demon­strierten sie gegen das Vorhaben. Das Ziel: der Hofoldinger Forst soll unberührt bleiben. Die Bürgerstimmen übertrugen sich auch auf die Gesamtstimmung im Gemeinderat – zumindest was diese Thematik anbelangte.

Die Parteien PWB und UBW sprachen sich ganz klar gegen die Windräder aus und wollten auch dem Beitritt in die ARGE nicht zustimmen. Brunn-

thals Bürgermeister Stefan Kern appellierte damals immer wieder für den Zusammenschluss, da durch den Standortsicherungsvertrag mit den Bayerischen Staatsforsten, der ARGE, beziehungsweise den vier Gemeinden, Einfluss auf die Planungen erlaubt. Letztlich konnten die Räte, die gegen den Zusammenschluss waren, überstimmt werden. Ein Jahr später hat Kern aber weiterhin Verständnis für kritische Stimmen: „Die Kritiker sehen die Windkraft als Landschaftsverschandelung und Waldzerstörung“.

Warum aber sind die Stimmen in Brunnthal, im Vergleich zu den anderen drei Gemeinden, so laut? Stefan Kern sagt: „Der Grund, warum die anderen Gemeinden kaum Kritik äußern, liegt darin, dass sie kaum betroffen sind. Wir, die Gemeinde Brunnthal, blicken nach Süden. Wir schauen immer in die Panoramakette der Berge.“

Auch sieht Kern die Wurzel der Proteste in der Vergangenheit des Waldes. Die Bürger würden sich mit dem Hofoldinger Forst sehr verbunden fühlen. Seit über 50 Jahren sei er schon ein begehrter Standort für Großprojekte, die immer wieder verhindert wurden. Bürgermeister Kern sagt: „Ich sehe zum einen die Notwenigkeit, dass wir gegen den Klimawandel alles Erdenkliche tun.Das bedeutet auch, den Hofoldinger Forst in seiner Funktion unter anderem als Wasser- und Co2-Speicher zu erhalten.“

Trotzdem betont er jedoch ganz klar: „Wenn ich aber selbst Stromverbraucher bin, muss ich auch selbst das Nötige tun“, und spielt damit auf die Windräder an. Während des Bürgerdialogs in Brunnthal sei die Frage aufgekommen, weshalb die Geothermie nicht weiter Themengegenstand sei – anstelle der Windräder.

Dazu meint der Bürgermeister: „Es wird ja schon genutzt. Aber wir können den bestehenden Geothermieanlagen nicht das Wasser abgraben. Außerdem sind die Ressourcen ja begrenzt. Zudem haben wir auch eine gute Photovoltaikanlagenquote, aber insgesamt wird Photovoltaik nicht liefern können, wenn Licht und Wärme besonders gebraucht werden, nämlich nachts im Winter.“ Kern meint außerdem: „Natürlich bedeutet Windkraft einen Eingriff, aber wir können auch nicht weiter Öl verbrennen.“

Während der Online-Veranstaltung in Sauerlach war Hans Zäuner, ein Bürger aus Osterkling im Landkreis Ebersberg geladen. Er berichtete aus eigener Erfahrung. Denn Zäuner brachte damals den Windradbau in Osterkling ins Rollen. Seit 2016 gibt es das Windrad und ist bei den Bürgern beliebt. Zäuner hatte damals die Idee der Errichtung und horchte sich bei den umliegenden Grundstückseigentümern um. Er suchte und fand Investoren – nun rotieren die Blätter seit mehr als vier Jahren.

Ob Bürger möglicherweise auch im südöstlichen Landkreisgebiet in die Räder investieren könnten, wenn sie denn wollen, ist derzeit nicht auszuschließen. Eine Bürgerbeteiligung könnte sowohl Kommanditisten, Bürger, Unternehmen, Genossenschaften, die Gemeinde selbst und weitere Kommunen beinhalten. Bis das aber so weit ist, werden zunächst die artenschutzrechtlichen Untersuchungen abgeschlossen, bevor dann im Winter auch die Windmessung abgeschlossen wird.

Ergibt die Windmessung, dass genug Wind durch den Forst weht und die Räder rentabel wären, wird darüber entschieden, ob das Projekt weiter fortgeführt wird. Dann, im nächsten Jahr, würde ein Gutachten erstellt und die Genehmigungsunterlagen beim Landratsamt eingereicht. Im Jahr 2022 könnte dann möglicherweise der Bau beginnen. Ob sich also bald schon Räder drehen, ist noch nicht entschieden und wird die Gemeinden Sauerlach, Aying, Otterfing und Brunnthal noch eine Weile begleiten.

Melanie Schröpfer

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