Was der Klimawandel für Honigbienen bedeutet

Kein Bienenjahr gleicht dem anderen

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Biene im Anflug: Krokusse blühen für gewöhnlich im Februar oder März. Wenn dies noch früher der Fall ist, dann ist der Winter mild und bringt nicht nur den Menschen durcheinander: auch die Biene, die denkt, es sei schon Frühling.

Frühlingshafte Temperaturen, dann ist es plötzlich wieder winterlich kalt. Die Sonnenbrille bleibt daheim, die Mütze muss auf den Kopf. Den Menschen nervt das. Die Bienen allerdings bringt es in ernsthafte Schwierigkeiten, wenn das Wetter verrückt spielt...

Putzbrunn - Frühlingsgefühle kamen in diesem Winter bereits an vielen Tagen auf. Draußen in der Sonne ließ es sich wunderbar aushalten. In Europa war der vorige Monat der wärmste Januar seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. „Vergangenes Wochenende zum Beispiel hatten wir Temperaturen, als wäre es bereits Mitte März“, sagt Franz Vollmaier. Er ist Vorsitzender des Verbands bayerischer Bienenzüchter und weiß daher auch, dass ein milder Winter die Bienen durcheinanderbringt. Über die Auswirkungen des Klimawandels auf die imkerliche Betriebsweise referiert Vollmaier am Mittwoch, 19. Februar, in Putzbrunn. „Die Winterphase wird immer kürzer und somit auch die Brutpause für die Bienen“, sagt Vollmaier. Wenn es nun so scheint, als sei der Winter bereits vorbei, dann verausgaben sich die Bienen. Und fällt der Winter ganz weg, dann arbeiten sie durch. Ein weiteres Problem stellen die Temperaturschwankungen dar. „Nehmen wir an, es hat dann im Februar plötzlich doch wieder minus zehn oder minus 15 Grad, dann sitzt die Biene auf ihrer Brut und verhungert“, so Vollmaier. Die Biene möchte ihre Brut möglichst gegen die Kälte schützen und muss die Temperatur im Bienenstock hochfahren. Das aber kostet viel Energie und zehrt an den Honigvorräten. Ein Imker könne also nicht nur seinen Kalender nehmen, aufs Datum schauen und wie jedes Jahr zur selben Zeit die gleichen Aufgaben erledigen. Klar, es gibt für Bienenhalter teils jahrhundertealte Erfahrungsschätze und Regeln, die sich durch das „Bienenjahr“ führen. Doch wenn sich die Jahreszeiten verschieben, dann müssen Imker umdenken.

Imker stehen vor neue Herausforderungen

„Das ist aber auch das Spannende an der Imkerei, dass wir immer wieder vor neuen Herausforderungen stehen“, so der Bienenzüchter und fügt hinzu. „Es nie alles gleich.“ Zu milde Temperaturen im Januar oder Februar seien allerdings nicht die einzigen Probleme, mit denen die Bienen konfrontiert sind. „Wenn wir im April kein typisches April-Wetter haben, sondern bereits Temperaturen mit 20 oder 25 Grad, dann blüht alles auf einmal und die Biene weiß gar nicht, wo sie zuerst hin soll“, sagt Vollmaier. „Oder denken Sie zurück, wie warm es im November vergangenes Jahr noch war. Da haben sich die Bienen-Völker bereits verausgabt, da sie länger in Brut geblieben sind, weil es ja noch Angebot gab.“ Noch können Vollmaier und seine Imker-Kollegen nicht einschätzen, ob sie Bienen-Völker verloren haben. „Mitte März haben wir den besten Überblick und wissen, wer es geschafft hat. Erst dann, wenn der Winter wirklich rum ist, können wir Aussagen treffen.“ Als Orientierungshilfe dient ihnen da die Weidenblüte. Wenn diese intensiv blüht, dann sei der Zeitpunkt für Vollmaier und seine Kollegen gekommen, nach ihren Bienen zu sehen.

Vortrag nach der Generalversammlung

Der Imkerverein Ottobrunn und Umgebung hat Franz Vollmaier als Experten am Mittwoch, 19. Februar, in die Gaststätte „Zur Einkehr“ an der Keferloher-Markt-Stra- ße 30 in Putzbrunn eingeladen. Um 19 Uhr steht zunächst die Generalversammlung des Imkervereins an, um etwa 20 Uhr folgt der Vortrag von Franz Vollmaier, in dem er sowohl andere Imker als auch am Thema Interessierte über die Auswirkungen des Klimawandels auf die imkerliche Arbeitsweise informieren möchte. Imkern liegt im Trend, dessen ist sich Vollmaier bewusst. Doch er gibt auch zu bedenken, dass sich ein Hobby- Imker mit der Biologie und Materie auskennen sollte. „Man braucht als Imker ein fundiertes Grundwissen“, so der Experte. „Einfach einen Bienenstock hinstellen in der Hoffnung, dass sich die Bienen selbst versorgen, das klappt nicht.“ Imkern sei mit einem ganz anderen Aufwand verbunden, als viele vorab denken. Die größte Herausforderung sei es, auf Augenhöhe mit der Natur zu handeln und das Imkern immer wieder auf Veränderungen anzupassen. „Ebenso beschäftigen uns Imker ja auch die Varroamilben, die stark zugenommen haben. Auch dies ist bedingt durch die warme Witterung“, sagt Vollmaier. Die winzige Milbe hängt sich an die Larven und die ausgewachsenen Bienen und saugt ihrem Wirt Körperflüssigkeit ab, so dass eine befallene Biene kleiner ist als andere. Veränderungen, auf die Imker reagieren müssten, die habe es laut Vollmaier allerdings immer gegeben. „Oder die Landwirtschaft, die früher bunter und nun aber so aufgeräumt ist, dass Bienen mancherorts besser in der Stadt als auf dem Land zurechtkommen.“ Es bleibt spannend für den Imker.

Verena Rudolf

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