Den höchsten Gipfel erklommen

Bergsteiger Michi Wärthl: K2, Nanga Parbat und Hirschberg

Der Neubiberger Michi Wärthl bei der Arbeit. Mittlerweile kann der 45-Jährige von seiner Leidenschaft, dem Bergsteigen, leben.
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Der Neubiberger Michi Wärthl bei der Arbeit. Mittlerweile kann der 45-Jährige von seiner Leidenschaft, dem Bergsteigen, leben.

Der Neubiberger Michi Wärthl war 1994 der jüngste Bergsteiger, der es je – ohne künstlichen Sauerstoff – auf den K2 geschafft hat. Längst hat er sein Hobby zum Beruf gemacht.

„K2, Gasherbrum II, Nanga Parbat, Cerro Torre oder der Maskalu-Westpfeiler“, schwierigste Gipfelstürme des Neubiberger Extrem-Bergsteigers Michi Wärthl. Beim spannenden Multivisions-Vortrag in seiner Heimatgemeinde gerät in den einführenden Worten der örtliche Bürgermeister Günter Heyland schon bei der Aufzählung der Gipfel und Hochschwierigkeitswände ähnlich ins Schlingern wie mancher Kraxler im Angesicht der herausfordernden Formationen aus Eis, Stein und Geröll. Wärthl korrigiert den Rathauschef ähnlich sensibel wie die zehntausende Euro teuren Ausrüstungen oder die richtigen Seillängen auf seinen vielen Touren durch und auf die Bergriesen dieser Welt.

Die höchsten Berggipfel

Dann legt einer der weltbesten Allround-Bergsteiger los mit seinem 90-minütigen Parforceritt – Filmausschnitte, Bilder und Töne ziehen den Betrachter in den Bann der archaisch bis eisig anmutenden Bergwelten, der Winde und Stürme und nehmen die Besucher des Vortrags mit in die hochalpine Welt der Basis- und Berglager, entführen in steile Wände und eisige Kamine, die Wärthl und seine Seilschaften in Serie durchsteigen. In der völlig abgedunkelten Aula der Neubiberger Grundschule herrscht fast magische Stille und Spannung, während der langmähnige Bergfex Wärthl detailbeflissen, humorvoll und für den Betrachter allgemeinverständlich jene Reizpunkte, Eigenheiten und alltäglichen Gefahren seines Tuns im steten Wechsel der alpinen Farben und Formen beschreibt, die auf der großen Leinwand seine Erzählungen durch herrliche Impressionen begleiten.

Extremtouren

Die kräftigen Hände des „Kraxlers“ beschreiben immer wieder jene Strapazen, Hocherlebnisse und technischen Anforderungen quasi mit, denen die Bergsteiger auf solchen Extremtouren ausgesetzt sind. Wärthls Vita des Kletterns und Bergsteigens ist imposant. Seit er vor fast drei Jahrzehnten die Liebe zum Bergsteigen und zu den Reisen an ferne Ziele für sich entdeckt hat, absolvierte der 45-Jährige unzählige Touren höchster Schwierigkeitsgrade. Als bisher jüngster Alpinist hat Wärthl im Alter von 24 Jahren den 8611 Meter hohen K2 ohne künstlichen Sauerstoff bezwungen. Erst 2014 gelang ihm eine der bislang wenig geführten Besteigungen des 6543 Meter hohen Shivling im Himalaya. Auf den Gasherbrum II, einen weiteren 8000er in seiner Sammlung, hat er eine zwölfköpfige Seilschaft angeführt.

Hobby zum Beruf

Dies sind nur Beispiele seines Wirkens, das ihn im Lauf der Jahre in nahezu alle wesentlichen Gebirgsmassive der Erde von Patagonien bis Zentralasien geführt hat. Längst hat der Familienvater seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Er kann von seinen Touren und Abenteuern, bei denen er Bergsteiger fachkundig durch schwerstes Terrain führt, ganz gut leben. „Doch Reizpunkte gibt es nicht nur in fernen Kontinenten“, verrät er gegenüber HALLO. Verheißungsvoll seien auch manche der vielen Gipfel – wie die legendäre Eiger-Nordwand, die er wiederholt mit Bergsteigergruppen durchstiegen hat. Das geht zügiger als die mindestens zwei Monate langen Touren zum K2 – mit seinen Lieben dann nur verbunden über das eigene Satellitentelefon. Da sehnt er auch während der gefährlichen Abstiege die Heimat wieder herbei. Den Hirschberg nennt er als liebstes Ziel im eigenen Gäu – auch der schönen Kneipen wegen, die man auf jenen 8000ern und Hochgipfeln nicht findet, die der Neubiberger Bürgermeister nicht einmal aussprechen kann.

Harald Hettich

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