Hohenbrunn beschließt an der B 471 Supermarkt

Bauausschuss stimmt mehrheitlich für aktuelle Pläne inklusive Kreisel und ohne Lärmschutzwand

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An dieser Stelle soll von Putzbrunn her kommend bei der Einfahrt nach Hohenbrunn an der B 471 ein Kreisel entstehen. Im Hintergrund das Baugebiet, auf dem ein Supermarkt sowie Wohnhäuser entstehen sollen.

Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) in Hohenbrunn lässt den Bebauungsplan inklusive Supermarkt an der B471 beschließen und beginnt mit Vorüberlegungen für Neubaugebiet westlich der S-Bahn.

Nur noch wenige dutzend Zuhörer waren zum Dauerthema Supermarkt-Neubau an der B471 in Hohenbrunn in die aktuelle Sitzung des Bauausschusses mit anschließender Gemeinderatssitzung in der Riemerlinger Grundschule erschienen. Ergebnis: In der vorgeschalteten Sitzung des Bauausschusses wurde der Bebauungsplan mit zwei Gegenstimmen (Grüne) beschlossen, beim Flächennutzungsplan in der Gemeinderatssitzung stimmten vier Räte dagegen (Grüne sowie Franz Braun/fraktionslos). Diplom-Ingenieurin und Stadtplanerin Bettina Gerlach von der Dragomir Stadtplanungs GmbH aus München erläuterte die eingegangenen Anregungen der Bürger sowie Behörden und die daraus folgenden Stellungnahmen und Behandlungsvorschläge.

Kreisel und eine weitere Querung 

So ist am Ortseingang von Putzbrunn her ein Kreisel mit vier Querungen geplant, eine weitere Übergangsmöglichkeit soll neu von der Brennereistraße aus entstehen. Hier hatten Bewohner an der B471 eingewandt, dass „die direkten Anwohner am neuen Kreisverkehr durch den Lärm usw. noch stärker belastet“ werden. Nach Ansicht der Gemeinde komme es durch den Kreisverkehr zu keiner Verschlechterung. Das Geschwindigkeitsniveau werde reduziert und somit auch das Geräuschniveau der Verkehrsgeräusche sinken. Auch werde der Supermarkt kaum eigenen Ziel- oder Quellverkehr durch Einwohner umliegender Gemeinden verursachen, da das Nahversorgungsangebot in den umliegenden Ortschaften gut sei. Insbesondere durch Gelegenheitskunden, die die B471 als Zubringerstraße für die Autobahn befahren, werde der Markt voraussichtlich noch genutzt.

Neuerungen im Plan 

Der aktuelle Plan der Gemeinde Hohenbrunn für eine Bebauung an der B471 inklusive Supermarkt und Wohnungen.

Auffällig im aktuellen Plan: Der Supermarkt hat eine fünfeckige Form, da sonst der Abstand zur B471 nicht ausreicht. Der ursprünglich als geschlossener Riegel parallel zur B471 geplante Wohnungsbau wird in der aktuellen Planung in drei einzelne Blöcke aufgelöst. Dazu waren Eingaben von Bürgern eingegangen, die anmerkten, dass ein „Riegelbau über fast 120 mtr. Länge und 8 mtr. Höhe“ das „Ortsbild von Hohenbrunn extrem zum Negativen“ verändere. Durch die Dreiteilung bedingt müsse auch die zunächst geplante Schallschutzwand vor der Wohnbebauung vorerst nicht realisiert werden, was Anton Fritzmaier (CSU) als positiv begrüßte. Es könne aber sein, dass die Schallschutzmauer vielleicht später komme, wenn es den Leuten zu laut wird, so Fritzmaier. Karlheinz Vogelsang wies darauf hin, dass der Riegelbau auf Antrag der ÜWG/Freie Wähler – Bürgerform aufgelöst worden sei.

Kein Ärztehaus sondern „Haus für freie Berufe“ 

Einen weiteren Unterschied zu den ersten Planungen bildet das zunächst als reines „Ärztehaus“ definierte Gebäude, wie Andreas Schlick (Bürgerforum) kritisierte. Es wird nunmehr als „Räume für freie Berufe sowie soziale, sportliche und gesundheitliche Zwecke“ festgesetzt. Die Gemeinde will hier die Nutzungen nicht zu stark einschränken, um sicherzustellen, dass „das Gebäude ein nachhaltiges Nutzungskonzept und eine dauerhafte Belegung ohne Leerstandsrisiko hat“. Das Landratsamt hatte darauf hingewiesen, dass die Formulierung „freie Berufsgruppen“ neben heilkundlichen Berufsgruppen auch „Kulturberufe, rechts-, wirtschafts- und steuerberatende Berufe sowie technische und naturwissenschaftliche Berufe“ zulasse.

Fahrradstellplätze und Schleppkurve Müllfahrzeug 

Die Anregung von Gisela Pfaller (Grüne), auch überdachte Fahrradstellplätze mit in die Planungen aufzunehmen, soll mit einbezogen werden. Diese müssten allerdings laut Planerin Bettina Gerlach auf Privatgrund gebaut werden. Dass die Straße innerhalb der Wohnbebauung auch für die dreiachsigen Müllfahrzeuge zugänglich sein muss, darauf wies der Zweckverband München Südost hin. Diese Straße soll von der Gemeinde gekauft werden, auch wegen des Schneeräumens, so der Bürgermeister.

Grundlegende Probleme 

Auf ein grundlegendes Problem machte Wolfgang Schmidhuber (Bündnis90/Grüne) aufmerksam: Seiner Ansicht nach könne man nicht gleichzeitig für Supermarkt und Umgehungsstraße sein. Beim Bau einer Umgehung falle für den Supermarktbetreiber das Hauptgeschäft mit dem Durchgangsverkehr weg und damit die zusätzlichen Kunden. Außerdem mache die Handwerkskammer darauf aufmerksam, dass Supermärkte die Kaufkraft aus der Umgebung abziehen, was für die kleinen Betriebe vor Ort durchaus ein Problem sei. Wenn in den Supermarkt auch Schreibwaren im Angebot sein werden, habe Hohenbrunn bald keine Post mehr (diese befindet sich derzeit als Zusatzgeschäft in einem Schreibwarenladen, Anm. d. Redaktion), so Schmidhuber. Außerdem wies er darauf hin, dass es in Bayern viele Gemeinden gäbe mit einem Supermarkt am Rand, was dort einen leeren Ortskern zur Folge habe.

Parkplätze auch für Sportler nutzbar? 

Ob die Parkplätze vor dem Supermarkt auch für die Fußballer auf dem Sportplatz zugänglich seien, wollte An­dreas Schlick vom Bürgerforum wissen. Laut Bürgermeister Straßmair (CSU) kommt die Nutzung der Parkplätze in die Verträge, für Großveranstaltungen könne man „mit denen reden“.Die Schranke vom Supermarkt-Parkplatz werde zudem zurückversetzt, um Parkplätze auch am Wochenende zugänglich zu machen. Pauline Miller (Bürgerforum) wies nachdrücklich darauf hin, dass die Pläne in Einklang zu bringen seien mit den Beschlüssen des Gemeinderates.

Deutlich dichtere Bebauung 

Die Initiatorin des zurückgezogenen Bürgerbegehrens für eine unterirdische Parkgarage beim Supermarkt, Sigrid Bauer, nutzte zu Beginn der Gemeinderatssitzung die Möglichkeit für Bürger, dort Anfragen an das Gremium zu richten. Insbesondere bemängelte sie die Grundflächenzahl (GRZ), die deutlich angestiegen sei. Sie sehe in den Plänen 90 Prozent für das Sondergebiet, obwohl Bettina Gerlach vom Planungsbüro beim runden Tisch betont habe, dass sie sich an 80 Prozent halten werden. Auch im Wohngebiet seien nun 80 Prozent der Fläche bebaut, obwohl 60 Prozent für Wohngebiete vorgeschrieben seien. Und schließlich sei der Gehweg, der im weiteren Verlauf der Sportplatzstraße angelegt werden sollte, im neuen Bebauungsplan nicht zu finden. 

Verfahrensfragen 

In der folgenden Sitzung des Gemeinderates bemängelte Martina Kreder-Strugalla (Bündnis 90/Grüne) die Formulierung der Ladung sowie die „seltsame Reihenfolge“. Wolfgang Schmidhuber (Bündnis 90/Grüne) ging noch einen Schritt weiter: „Wir haben einen Empfehlungsbeschluss beschlossen, der nicht geladen war“. Franz Braun (fraktionslos) fragte nach einem Gefährdungsgutachten für den Kreisel und wollte ebenfalls wissen, warum die Detailplanung für die Sportplatzstraße im Bebauungsplan fehle.

Noch keine öffentliche Auslage der Pläne 

Erst nach Vertragsabschluss mit dem Investor wird es laut Stadtplanerin Gerlach eine öffentliche Auslegung der Baupläne an der B471 geben, dann seien noch Einwendungen möglich. Im Anschluss präsentierten drei Stadtplanungsbüros ihre Vorgehensweisen bei einer möglichen Planung für das neue Baugebiet in Hohenbrunn westlich der S-Bahn. 

Claudia Engmann

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