Mit Kakao in den Adern, aber Rhythmus im Blut

Die Band „Sound Injection“, ein Jahr nach dem Sieg beim muc-king 2017

Dieses Jahr gewannen die fünf Jungs von Sound Injection Tom Patchett Mike Sigl, Marco Eckl, Ben Hutchison-Bird und Elias Bohatsch (v.l.) den muc-king, nächstes Jahr stehen sie für einen noch größeren Wettbewerb auf der Bühne, dem Finale des SPH-Bandcontests!
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Dieses Jahr gewannen die fünf Jungs von Sound Injection Tom Patchett Mike Sigl, Marco Eckl, Ben Hutchison-Bird und Elias Bohatsch (v.l.) den muc-king, nächstes Jahr stehen sie für einen noch größeren Wettbewerb auf der Bühne, dem Finale des SPH-Bandcontests!

Wer das Haus der Familie Hutchinson-Bird in Höhenkirchen-Siegertsbrunn betritt, kann sich nicht vorstellen, dass dort regelmäßig eine Rockband spielt. In der großen, amerikanisch anmutenden Wohnküche werden Gäste nicht nur von opulentem Weihnachtschmuck, sondern auch von der einzigen Frau des Hauses, Bridget Hutchinson-Bird, herzlich begrüßt. Auf der Kücheninsel stehen Muffins bereit und alle fünf Bandmitglieder der „Sound Injection“ tummeln sich in der gemütlichen Küche, um sich erst mal bei einem Getränk aufzuwärmen, bevor es ans Proben geht. Der Eindruck entsteht: In dieser Band fließt mehr Kakao als Whisky.

Vor 20 Jahren kamen die Hutchinson-Birds aus beruflichen Gründen von England nach Bayern. Ursprünglich wollten sie nur zwei Jahre bleiben, doch die Familie fühlte sich wohl und wurde sesshaft. Zum Glück, denn sonst würde es „Sound Injection“ vielleicht nicht geben. Zumindest nicht mit ihrem Sohn Ben, dem Leadsänger. „Dass wir hier proben dürfen, ist einfach super“, sagt Bandmitglied Mike Sigl, der die Gitarre spielt und die zweite Stimme singt: „In München ist es nicht leicht, Proberäume zu finden.“

Im Einfamilienhaus dürfen die fünf jungen Männer zwischen 20 bis 22 Jahren kostenlos proben; und da das Haus an ein großes Feld grenzt, stört sich niemand an der lauten Musik. Die wird im Keller gemacht – wo es dann auch ein bisschen nach Sex, Drugs and Rock‘n‘Roll aussieht: Plakate von Musikern an der Wand, ein Schlagzeug, ein Keyboard, verschiedene Gitarren und viel musikalisches Flair. „Normalerweise proben wir einmal in der Woche“, sagt Schlagzeuger Elias Bohatsch: „Aber seit einiger Zeit sogar drei Mal.“ Denn seitdem die jungen Musiker Anfang des Jahres den Münchner Bandcontest „muc-king“ gewonnen haben, hat sich einiges verändert.

„Wir haben einen Produzenten gefunden, der ein Album mit uns aufnehmen will“, freut sich Ben Hutchinson-Bird. „Ab dem Frühjahr gehen wir dann ins Studio. Wenn alles gut läuft, kommt es Ende des Jahres heraus.“ Vorläufiger Höhepunkt der fünf Freunde, die alle aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn oder aus dem Nachbarort Unterhaching kommen. „Früher haben wir mehr Funk gemacht und auch Reggae war mit dabei, eigentlich war es von allem ein bisschen was“, erinnert sich Marco Eckl, Gitarrist. „Doch in letzter Zeit fahren wir überwiegend die rockige Schiene à la ‚Foo Fighters‘ oder der britischen Rockband ‚Nothing but Thieves‘. Ich würde sagen, damit haben wir unsere Linie gefunden.“

Der Traum ist, irgendwann einmal von der Musik leben zu können. Im Moment gehen sie tagsüber noch einem normalen Brotjob nach oder studieren, aber mit dem gefundenen Stil und dem Produzenten Frider Does, der auch die Münchner Band „Blackout Problems“ betreut, haben sie einen weiteren Schritt in Richtung Erfolgsband gemacht. Ist das in Zeiten von YouTube vielleicht sogar leichter als früher? „Die neuen Medien sind Fluch und Segen zugleich“, glaubt Mike Sigl. „Zum einen ist es cool, dass man seine Musik selbst auf YouTube stellen kann und somit von einer breiten Masse gehört wird, zum anderen verliert es dadurch an Wert, weil es ja theoretisch jeder machen kann.“ Seiner Meinung nach ist es auch heute noch wichtig, dass der Name eines Plattenlabels unter einem Video steht. 

Die Stadt München macht es jungen Musikern leider nicht immer so leicht wie YouTube, ein Publikum zu finden. „Im Gegensatz zu Städten wie Berlin wird hier einfach kaum Live-Musik gespielt“, beklagt Tom Patchett, Bassist und der Fünfte im Bunde. Die Leute gehen hier lieber in Clubs.“ Ein Trend, den die Jungs von „Sound Injection“ bedauern. „Man muss in der Szene drin sein, um zu wissen, wo etwas läuft, da die Musik meist in kleinen Nischenbars gespielt und kaum Werbung dafür gemacht wird“, so Patchett. Darum sei es für die Band auch wichtig, sich ein Netzwerk aufzubauen, um mehr Bekanntheit zu erlangen.

Dass ihre Kinder so musikalisch sind, überrascht übrigens die Eltern von Ben Hutchinson-Bird schon. „Obwohl mein Mann und ich nie Musik gemacht haben, machen alle unsere drei Söhne etwas Musikalisches“, sagt Mutter Bridget. Bens älterer Bruder Jordan spielt in der Band „Tonight We Hunt“ und der Jüngste, Joshua, in Musicals. Demnächst wird der 15-Jährige in der „Zauberflöte“ in der alten Kongresshalle zu sehen sein. Für ihn wurde vor drei Jahren auch ein Klavier angeschafft, das im Wohnzimmer steht. „Sobald wir es hatten, kamen Freunde zu uns, und haben tolle Stücke darauf gespielt“, sagt die stolze Mutter. „Unser Haus war ständig erfüllt von diesen wunderschönen Klängen.“ Am Anfang wunderte sie sich noch, dass so viele Leute Klavier spielen können, dann wurde ihr klar: „Das liegt an dem Umfeld unserer Jungs — alles Musiker!“

Das nächste große Event der „Sound Injection“ steht am 20. Januar an. Dann geht es nach Montabaur zum Finale des SPH-Bandcontests (SPH steht für Ska, Punk, Hardcore). Von über 1000 Bands haben sie es dort bis unter die letzten 13 geschafft. 

Lydia Wünsch

muc-king 2018 – jetzt bewerben!

rec-play veranstaltet 2018 bereits zum 16. Mal seinen Festival-Contest für Münchner Newcomer: gesucht wird der „muc-king 2018“! Ab April können sich junge Bands präsentieren und Publikum und Jury von sich überzeugen. Die Sieger der Halbfinals treffen sich dann im Mai zum Finale im „Spectaculum Mundi“. Als Preise winken Auftritte in Münchner Locations, zwei Wochenenden im „rec-play“-Tonstudio, Band-Coachings, Equipment-Gutscheine von „Hieber Lindberg“ und jede Menge Fans! Das Bewerbungsformular gibt es unter www.muc-king.de. Bewerbungsschluss ist der 15. Januar 2018.

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