Filetstücke gehen an den Höchstbietenden

Gemeinderat beschließt Verkauf von Grundstücken

Die Grundstücke im Neubaugebiet werden an den Höchstbietenden verkauft.
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Die Grundstücke im Neubaugebiet werden an den Höchstbietenden verkauft.

Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung den Verkauf der Grundstücke im Neubaugebiet „Großhelfendorf Nordwest“ beschlossen. Zur Diskussion stand, ob die Grundstücke mittels Festpreis oder per Bieterverfahren veräußert werden sollen.

Im Ayinger Ortsteil Großhelfendorf stehen im Neubaugebiet an der Rosenheimer Straße (St 2078) Grundstücke zum Verkauf. Verwaltungsmitarbeiter Günther Schön stellte dem Gemeinderat in dessen jüngsten Sitzung verschiedene Verkaufsmöglichkeiten vor: Zum einen könnten die Grundstücke zu einem Festpreis verkauft werden und die Gemeinde wähle den künftigen Besitzer nach einem Kriterienkatalog aus. Zum anderen könnten sich die Ratsmitglieder für ein Bieterverfahren entscheiden. Dabei würde das jeweilige Grundstück an den Höchst- bietenden verkauft werden. Auch ein Mehrparteienhaus mit Eigentumswohnungen soll in dem Gebiet entstehen. Dieses soll von der Baugenossenschaft München Land gebaut und an einheimische Bürger verkauft werden. „Nach den Erschließungsarbeiten, die am 1. März beginnen sollen, könnte zum 1. April mit beiden Verkaufsverfahren gestartet werden“, erklärt Schön den Gemeinderatsmitgliedern und den zahlreichen interessierten Bürgern.

Zuvor müssten aber die archäologischen Arbeiten des Landratsamts für Denkmalschutz abgeschlossen sein. Diese sind laut Schön notwendig, da in der Nähe des Gebiets die „Alte Römerstraße“ verläuft und im angrenzenden Wohngebiet auch schon wertvolle Gegenstände aus der Bronzezeit gefunden wurden. Daher sei es nicht auszuschließen, dass nun auch wieder Funde zu Tage gefördert werden, erklärte Schön den Ablauf.

„In den Arbeitssitzungen des Gemeinderats hat sich schon eine Tendenz ergeben, die Grundstücke mittels eines Bieterverfahrens zu verkaufen“, stellte Bürgermeister Johann Eichler (PWH) fest. Jedoch warb er dafür, sich nochmals Gedanken zu machen, um die Vor- und Nachteile des favori- sierten Verfahrens abzuwägen. Diese Gelegenheit nutze Gemeinderätin Christine Squarra (Grüne), um sich für die Festpreis-Variante auszusprechen. „Ich weiß, das Stimmungsbild des Gemeinderats tendiert zum Bieterverfahren. Doch ein Argument für das Festpreisverfahren ist die durchgeführte Umfrage der Gemeinde zum Wohnraumbedarf“, argumentierte Squarra. Dabei war herausgekommen, dass sich viele Einheimische eine Doppelhaushälfte in der Umgebung wünschen würden (HALLO berichtete).

Wenn nun durch das Bieterverfahren die Preise in die Höhe getrieben würden, könnten sich viele Familien den Traum eines Eigenheims nicht mehr erfüllen. Auch im Hinblick auf ein kommendes Einheimischenprojekt in Dürrnhaar sei die Festpreis-Variante besser, da die aktuellen Preise hierfür als Grundlage dienen würden. Zudem könnte die Gemeinde bei der Festpreis-Variante Einfluss auf die Bevölkerungsstruktur in dem Wohngebiet nehmen und so den dörflichen Charakter erhalten, versuchte Squarra zu überzeugen.

Franz Inselkammer (CSU) sah das anders: „Ich spreche mich klar für ein Bieterverfahren aus, da die Gemeinde das Geld gut gebrauchen kann!“ Auch Anton Arnold (CSU) sprach sich gegen einen Festpreis aus: „Gesucht wird die eierlegende Wollmichsau! Ein sozial gerechtes System gibt es nicht! Wir sprechen hier über Filetstücke, die dürfen wir nicht verschenken!“ Dieser Meinung schlossen sich auch Josef Bachmair (FWGA) und Andreas Eder (PWH) an. Squarra konterte: „Als Kommune haben wir aber doch auch eine Verantwortung gegenüber den Bürgern!“ Bernd Nauschütz (SPD) sprach sich für die Variante Festpreis aus: Die Gemeinde solle sich „die Preise für die Grundstücke und die Eigentumswohnungen nicht vom Immobilienmarkt diktieren lassen“, fand er. Bürgermeister Eichler verwies auf die guten Erfahrungen mit einem Bieterverfahren. „Wir haben im Osterholzfeld damit gute Preise erzielen können.“ Schließlich stimmten die Räte mit acht zu vier Gegenstimmen für den Verkauf der Grundstücke mittels eines Bieterverfahrens.

Als Grundpreis wurden 750 Euro pro Quadratmeter plus 200 Euro pro Quadratmeter Erschließungskosten festgelegt. Für die Kalkulation der Baugenossenschaft München Land für das Grundstück, auf dem Wohnungen entstehen sollen, setzten die Räte 350 Euro pro Quadratmeter Grundstückspreis fest. Auch hier fallen 200 Euro pro Quadratmeter Erschließungskosten an. Zudem legte der Gemeinderat die Kriterien für das Bieterverfahren fest. Ab 1. April dürfe pro Parzelle und Familie nur ein Gebot eingereicht werden, jedoch könnten Familien für verschiedene Grundstücke ein Angebot abgeben. Bauträger werden bei dem Verfahren nicht zugelassen. Die Gebote werden dann bis zu einem Termin mit allen Interessenten und dem Gemeinderat aufbewahrt. Dieser Termin werde, laut Schön, vermutlich der 27. Juni sein. Erst dann würden die Angebote gesichtet und der Höchstbietende bekomme den Zuschlag. Zudem beschlossen die Räte eine Bebauungspflicht für Doppelhäuser. In fünf Jahren ab der Möglichkeit zur Bebauung müssen die Häuser fertiggestellt sein.

Isabella Mischke

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