Ein Ayinger CSU-Mitglied auf den großen Spuren seines berühmten Namensvetters

Aying: Franz Josef Strauß im Interview

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Franz Josef Strauß, Ayinger CSU-Mitglied, will in den Gemeinde- und in den Kreisrat kommen.

Franz Josef Strauß lebt - und zwar in Aying. Das 33-jährige CSU-Mitglied erzählt im Interview, wie es sich mit einem so berühmten Namensvetter lebt.

Aying – Beim Blick auf die Kreisratsliste der CSU könnte so mancher meinen, auf Reise in die Vergangenheit zu sein. Aber weder das noch ein Scherz sind Grund für den Namen Franz Josef Strauß auf Listenplatz 70. Dahinter steht ein 33-jähriges Mitglied des CSU-Ortsverbands Aying-Helfendorf, das sich den Namen mit dem berühmten Politiker teilt. Im Gespräch erzählt der Vater einer kleinen Tochter, wie es sich in den großen Fußstapfen lebt und ob es einen Franz Josef Strauß auch außerhalb der CSU geben kann.

Herr Strauß, es war sicher kein Zufall, dass sich Ihre Eltern für diesen Namen entschieden haben, oder?

Nein, sie waren schon Fans von Franz Josef Strauß. Mein Vater hieß Josef mit Vornamen. Da dachten sie sich, jetzt fehlt nur noch ein Franz Josef, wo wir doch schon Strauß mit Nachnamen heißen.

Gab es eine Phase in Ihrem Leben, in der Sie sich einen anderen Namen gewünscht hätten?

Ja, in der Grundschule. Denn da hieß es bei den Lehrern oft „Wen nehmen wir denn dran? – Ah den Franz Josef!“ Das war als kleiner junge ein bisschen blöd.

Gibt es sonst ungewöhnliche Reaktionen auf Ihren Namen?

Also, wenn ich vom Franz-Josef-Strauß-Flughafen abfliege, wird gerne mal geschmunzelt, wenn ich den Personalausweis vorzeige.

Haben Ihre Eltern damit Ihren politischen Weg schon vorbestimmt?

Ich engagiere mich schon seit zwölf Jahren politisch. Aber tatsächlich habe ich zuerst bei den Freien Wählern angefangen und bin dann 2013 zur CSU gewechselt.

Das heißt zunächst ging es für Sie doch nicht wie selbstverständlich zu den Christsozialen. Warum erfolgte dann der Wechsel?

Gut, damals war ich noch sehr jung und hatte mir noch nicht richtig eine eigene Meinung gebildet. Und dann ist es natürlich ganz klar, dass man mit so einem Namen zur CSU wechselt (lacht).

Es lag also doch am Namen?

Nein, natürlich nicht. Es hat mich allgemein zur CSU gezogen. Aber natürlich hat man schon ein Handicap mit diesem Namen, wenn man damit bei einer anderen Partei ist.

Franz Josef Strauß bei den Grünen oder der SPD – damit ausgeschlossen?

So wie momentan der Stand der Dinge ist, ist es komplett ausgeschlossen. Da besteht überhaupt keine Möglichkeit.

Dabei fährt die CSU mit ihren Maßnahmen zum Artenschutz doch derzeit eine sehr grüne Linie. Halten Sie das für falsch?

Es ist nicht verkehrt. Die CSU hat eben durch das Volksbegehren gelernt, wie die Bevölkerung auf die aktuellen Entwicklungen reagiert und was ihr am Herzen liegt. Die Partei befindet sich gerade in einer Umstrukturierung. Auch auf der Kreistagsliste oder denen der Gemeinderäte finden sich relativ viele junge Kandidaten. Meiner Meinung nach macht die CSU derzeit eine sehr gute Arbeit. Sie haben eben unter anderem durch das Volksbegehren gemerkt, dass sie bei manchen Themen wie dem Umweltschutz umdenken und daran arbeiten müssen. Dass sie wie jede Partei nicht perfekt sind, ist ja ganz klar.

„Moderner, jünger und weiblicher“ – diesen von Markus Söder angekündigten Kurs unterstützen Sie also?

Auf jeden Fall, absolut. Wobei man sagen muss, dass es bei meiner Arbeit im Ortsverband natürlich hauptsächlich um die Themen im Ortsgeschehen geht, weniger um die große Politik im Allgemeinen. Natürlich bleibt die Linie die gleiche, aber eben bei ortsnahen Themen. Deshalb würde ich mich freuen, wenn ich in den Gemeinderat und auch in den Kreistag komme und dort etwas bewegen kann.

Welche Themen liegen Ihnen denn in Aying besonders am Herzen?

Mir ist wichtig, dass Aying auch weiterhin ein Dorf mit seinen Vereinen und Traditionen bleibt. Ich bin hier aufgewachsen, mein Opa war damals auch im Gemeinderat. Ich bin bei mehreren Vereinen aktiv und haben viel Kontakt zu den Bürgern. Nun müssen wir in die Zukunft schauen und sehen, was die Ayinger eigentlich wollen und dann das beste draus machen.

Die CSU setzt sich seit jeher für die Interessen der Landwirtschaft ein. Doch viele Bauern beklagen die geplante Verschärfung der Düngeverordnung im Sinne des Naturschutzes. Wie kann man beiden Seiten gerecht werden?

Das ist ein sehr komplexes Thema. Dass einige Bürger die alleinige Schuld bei den Bauern suchen, finde ich nicht richtig. Diese sind nun die Leidtragenden. Ich habe das Gefühl man kann es derzeit niemandem Recht machen und es herrscht eine Art Doppelmoral.

Inwiefern?

Zum einen wird die Landwirtschaft angeprangert. Dabei machen diese auch viel und sorgen etwa für Blühflächen auf ihren Feldern. Und dann bekomme ich zum Beispiel durch meine Arbeit am Bauhof mit, wie sich Bürger über die extra stehengelassenen Blühwiesen beschweren. Dann heißt es zum Beispiel, die müssen weg, weil das Kind allergisch ist. Ich denke das ist ein Luxusproblem, was wir momentan haben.

Ein Luxusproblem?

Naja, zum Beispiel fahren manche Leute teilweise Traktoren hinterher und beschweren sich, wenn diese irgendwo zu laut durchfahren. Da frage ich mich, ob die Bürger zu viel Zeit haben, um das alles zu kontrollieren. Momentan ist einfach die Unzufriedenheit in der Bevölkerung sehr populär. Es wird zu sehr in Extremen gedacht. Das hängt natürlich damit zusammen, dass die Leute auf das reagieren, was sie in den Social Media-Kanälen und in den Medien lesen sehen. Aufhetzen lassen sich die Menschen leicht, aber den Wind aus den Segeln nehmen, das ist wiederum nicht so leicht.

Sie wollen sich für den Ayinger Gemeinderat aufstellen lassen und stehen auf der Kreistagsliste. Bringt der berühmte Name Vor- oder Nachteile für die Kommunalwahlen?

Natürlich ist es schon von Vorteile, weil der Name bekannt ist und Aufmerksamkeit erregt. Gerade auch auf der Kreisliste. Ob ich dann bei der Wahl tatsächlich einen Vorteil habe, weiß ich nicht. Aber allgemein ist das Feedback schon sehr positiv.

Interview: Iris Janda

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