Wichtige Unterstützung könnte wegfallen

AWO Nachbarschaftshilfe Ottobrunn unterstützt Petition gegen Pläne zur Pflegereform

Jemand hält einem Mann im Rollstuhl die Hand
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Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, erhalten durch die stündlichen Verhinderungspflege Unterstützung. Das Geld dafür könnte durch die Pflegereform gekürzt werden.
  • vonIris Janda
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Durch die Verhinderungspflege haben pflegende Angehörige die Möglichkeit, für ein paar Stunden Unterstützung zu bekommen. Durch die neue Pflegereform könnte sich das ändern. Die AWO Nachbarschaftshilfe Otto­brunn unterstützt eine Petition, die das verhindern möchte.

„Schön, dass Sie da sind, meine Frau freut sich schon auf Sie!“, begrüßt Herr B. die Ehrenamtliche der AWO Nachbarschaftshilfe Otto­brunn-Hohenbrunn-Neubiberg. Jeden Mittwoch kommt sie zur Unterstützung zu dem älteren Ehepaar. Sie kocht und bäckt mit der dementen Ehefrau, weil diese früher Köchin war und auch heute noch viel Freude daran hat.

Während die zwei Frauen Spaß in der Küche haben, erledigt der Ehemann allerhand: Arzttermine, Einkäufe, Behördengänge. Er kann seine Frau aufgrund ihres Geisteszustandes nicht mehr alleine lassen. „Dass Frau L. jede Woche zu uns kommt, erleichtert unser Leben enorm“, sagt er. Die Verhinderungspflege ermöglicht diese Unterstützung.

Auch eine junge Familie aus Höhenkirchen nutzt diese Möglichkeit, um ihren Alltag zu erleichtern. Ihre neunjährige Tochter hat das Rett-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine lebenslange neurologische Störung, die durch zufällige Gen-Mutation verursacht wird und mit schweren körperlichen Behinderungen einhergeht. Die Erkrankung tritt in der frühen Kindheit fast ausschließlich bei Mädchen auf. Erkrankte brauchen zeitlebens eine 24-Stunden-Betreuung.

Durch die stundenweise Verhinderungshilfe kann sich die Familie beispielsweise Unterstützung holen, wenn der Vater auf Dienstreise ist und die Mutter ihre neunjährige Tochter betreuen und sich gleichzeitig um ihr jüngeres Kind kümmern muss. Auch wenn die Eltern Besorgungen machen oder eigene Termine wahrnehmen und die Kinder zu Hause bleiben müssen, kommt jemand ins Haus, der die Tochter betreut. So wird der Familie trotz pflegebedürftigem Kind ein gemeinsames Zusammenleben ermöglicht.

Doch das könnte sich ändern, wenn die derzeitigen Pläne zur Pflegereform umgesetzt werden. Diese sehen unter anderem vor, die bisher getrennten Budgets für Kurzzeit- und Verhinderungspflege in einem Topf zu bündeln. Dadurch soll Bürokratie gespart werden. Für das neue Entlastungsbudget stehen dann jährlich 3300 Euro zur Verfügung. Allerdings wird festgelegt, dass nur 40 Prozent dieses Budgets für die stundenweise Verhinderungspflege verwendet werden dürfen.

Die Konsequenz wäre, dass 60 Prozent des Budgets in vielen Fällen ungenutzt verfallen, obwohl die finanzielle Unterstürzung dringend gebraucht wird. Zudem wird es oft nur noch möglich sein, pflegebedürftige Angehörige für einen gewissen Zeitraum im Jahr stationär unterzubringen. Der Weg von ambulanter Betreuung und einem Leben zu Hause in die Pflegeeinrichtung würde unnötig verkürzt.

Und selbst wenn Familie von Haas sich für eine stationäre Verhinderungspflege entscheiden würde, wozu 60 Prozent des Gesamtbetrages zur Verfügung stehen werden, gäbe es keine geeigneten Einrichtungen in denen sie ihre Tochter in einer eins zu eins Betreuung unterbringen könnten. Diese Änderung ist Teil des Eckpunktepapier des Bundesgesundheitsministeriums zur Pflegereform 2021.

Wenn die Reform so umgesetzt wird, würde die neue Regelung für die Verhinderungshilfe ab 1. Juli 2022 gelten. Um das zu verhindern, wurde eine Petition ins Leben gerufen, für die noch bis zum 31. Mai abgestimmt werden kann. Darin wird gefordert, dass das gesamt Budget für Kurzzeit- und Verhinderungspflege flexibel eingesetzt werden kann und so auch zu 100 Prozent für die stundenweise Verhinderungspflege genutzt werden kann.

Bei der AWO-Nachbarschaftshilfe werden Helfer im Rahmen der stündlichen Verhinderungshilfe eingesetzt. „Wir können durch unsere Ehrenamtlichen derzeit in vielen Familien Erleichterung im ohnehin schon schweren Alltag schaffen“, verdeutlicht Elke Schiller von der AWO Nachbarschaftshilfe Otto­brunn-Hohenbrunn-Neubiberg. „Wenn die Pflegereform so durch kommt wie sie geplant ist, dann stehen nur noch 40 Prozent des Jahresbudgets zur Verfügung. Das darf nicht sein!“

ija

Wer das Vorhaben unterstützen will, findet die Petition bei www.openpetition.de unter dem Namen „Keine Einschränkung der Flexibilität von Verhinderungspflege durch die Pflegereform 2021!“

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