Buchsbaumzünsler auf dem Vormarsch

Auch in Ottobrunn und Umgebung zeigt sich der Schädling

Die Raupe des Buchsbaumzünslers kann in kurzer Zeit ganze Pflanzen kahl fressen.
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Die Raupe des Buchsbaumzünslers kann in kurzer Zeit ganze Pflanzen kahl fressen.

Die Schilder, die auf die Quarantänezone wegen des Asiatischen Laubholzbockkäfers hinweisen, haben wohl die meisten schon im Landkreis an den Straßenrändern gesehen. Aber auch der aus Südostasien stammende Buchsbaumzünsler bereitet Gartenbesitzern in der Region Sorge.

„Er ist sogar bereits beim Bayerischen Landtag beim Maximilianeum gefunden worden,“ berichtet Nicolai Haag, Mitarbeiter bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Die Rede ist vom Buchsbaumzünsler, der seit ungefähr 2006 in Deutschland Kahlfraß bei dem als problemlose, robuste Pflanze geltenden Buchsbaum anrichtet. Seit der Renaissance wird das Gewächs als Beeteinfassung und Gestaltungselement in Ziergärten verwendet. So sind in den Herrenhäuser Gärten in Hannover in Niedersachsen über 20 Kilometer Buchsbaum gepflanzt. Hier wurde der Schädling 2017 entdeckt und hat sich nach Beobachtungen in seinem Bestand seitdem verzehnfacht. Der aus Südostasien eingeschleppte nachtaktive Kleinschmetterling kann im Raupenstadium ganze Pflanzen in kurzer Zeit kahl fressen. Zu Beginn des Befalls ist der Schädling oft schwer zu entdecken, da er im unteren und inneren Bereich des Buchsbaums sitzt. Dort richtet er unentdeckt seinen Schaden an, ehe auch die äußeren Blätter und sogar die Triebe und die Rinde der noch grünen Triebteile aufgefressen werden.

Seit diesem Jahr ist der Schädling nun auch verstärkt in Ottobrunn und Umgebung aufgetreten. Laut Martin Thorn, dem Leiter des Amtes für Umweltschutz der Gemeinde Ottobrunn, riefen im Mai und Juni beinah täglich Bürger hauptsächlich wegen der Frage der Entsorgung an. Derzeit scheint der Befall etwas abzuflauen, ganz akut ist es laut Thorn nicht mehr. Allerdings sei das Vorkommen auch wetterabhängig. So kann laut Nicolai Haag der Lebenszyklus des Buchsbaumzünslers unter optimalen Bedingungen, das sind Temperaturen von etwa 30 Grad Celsius, in zirka sechs Wochen abgeschlossen werden. Er kann sich bei kühleren Temperaturen jedoch auch über zwei Monate hinweg ziehen.

Thorn rät, die befallenen Pflanzen am sichersten im Restmüll zu entsorgen, da dieser verbrannt wird. In die Biotonne dürfen zum einen keine Äste mit einem Durchmesser über einem Zentimeter. Grüngut zum anderen, welches Bürger am Wertstoffhof des Zweckverbandes Südost abgegeben, wird in der Kompostieranlage in Kirchstockach entsorgt. Dort könnte es sein, dass sich die Hitze nicht ausreichend schnell an allen Stellen bei der Kompostierung entwickelt und deshalb die Zünsler überleben. „Die Bäume sind aber nicht generell dem Tod geweiht!“, sagt Thorn. „Man kann Glück haben!“ Wenn man den Befall rechtzeitig entdecke, lohne es sich durchaus, sich etwas Mühe zu machen. Wenn man die Stellen ausschneide und den Buchs mit Niemöl oder mit Bacillus-thuringiensis-Präparaten besprühe, bestehe laut Erfahrungsberichten eine Überlebenschance für die Pflanze. Von Insektiziden rät der Umweltexperte ab, da diese auch andere Tiere vergiften. Generell sind die Gartenbesitzer nicht verpflichtet, etwas zu unternehmen, da es sich nicht, wie zum Beispiel beim Asiatischen Laubholzbockkäfer, um einen meldepflichtigen Schädling handelt.

Generell nähmen aber Pro­bleme dieser Art seiner Beobachtung nach zu. So habe sich auch die Kastanienminiermotte stark vermehrt, zu erkennen an den recht frühen braunen Flecken auf den Blättern der Kastanie. Die Larven überwintern im Laub, weshalb es gut sei, das Laub zusammen zu rechen und zu entsorgen. Insgesamt sei ähnlich wie beim Borkenkäfer der Anstieg der Temperaturen entscheidend. So könnten besonders bei heißem Wetter durchaus auch vier Populationen der Buchsbaumzünsler pro Jahr entstehen. Da Vögel schlau im Angewöhnen von neuen Verhaltensweisen seien, gebe es aber auch die Chance, dass diese an den Raupen Geschmack finden, so Thorn. Auch manche Wespenarten und Ameisen attackierten die Zünsler. Insgesamt sei es ein neues Problem, der Zünsler ist erst seit etwa 2010 in Bayern gesichtet worden. Generell siedeln sich Tiere aus wärmeren Zonen laut Thorn in Deutschland zunächst in milden Gebieten wie beispielsweise Freiburg oder dem Rheintal an. Allgemein führe eine Temperaturerhöhung nicht nur zu dem Einnisten neuer sogenannten invasiver Arten, sondern die Schädlinge seien auch über längere Zeiträume aktiv, wie zum Beispiel Zecken oder auch der Borkenkäfer. Generell gibt der Leiter des Umweltschutzamtes für diese Saison noch keine Entwarnung, der Zünsler kann bei entsprechenden Temperaturen noch bis in den Spätsommer aktiv sein.

Claudia Engmann

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