Jochen Veith, der Meister der Töne

Akustikspezialist mit Sitz in Brunnthal

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Zuerst kommt die Planung eines Aufnahmestudios oder Heimkinos am Computer, dann erfolgen die Messungen vor Ort. Jochen Veith ist mit seinem Akustik-Büro in Brunnthal weltweit tätig.

Jochen Veith ist ein leiser Mann – obwohl er durchaus Grund hätte, ein bisschen auf die Pauke zu hauen. Denn alle kennen ihn und rufen ihn an, wenn es Probleme gibt. Und zwar weltweit. Jochen Veith ist Akustiker. Und wenn ein Musik- oder Tonstudio neu geplant, die schlechte Akustik in einem Konferenzraum untersucht oder ein luxuriöses Heimkino geplant werden soll, wird Veith engagiert. Seit über 30 Jahren beschäftigt er sich mit „akustisch genutzten Räumen“. In der Szene gehört er zu den weltweit führenden Spezialisten, seine Firma sitzt seit über zehn Jahren in Brunnthal. Akustik ist ein weites Feld, erklärt er. Da gibt es Leute, die die Schalldämpfer für Autos entwickeln, U-Boote unhörbar machen oder auch der im alltäglichen Leben schon eher bekannte Hörgerätefachmann. Veiths Ziel als Jugendlicher war es immer, Musiker und Toningenieur zu werden. Er studierte zunächst Elektrotechnik sowie Audio Engineering und spielte Schlagzeug in diversen Bands. Und kam schließlich zur Akustik, „aus Frustration, weil in nahezu allen Studios, die ich kennengelernt habe, die Akustik nicht funktioniert hat“, erzählt er. Er arbeitete sich dann in die Materie ein und knüpfte Kontakte in die USA, wo damals neue Messmethoden aufkamen. Mit seiner ersten Firma kaufte er ein sehr teures Messsystem von dort, was sich aber bezahlt machte.

Das Büro in Brunnthal ist im Hinterhaus, nichts Spektakuläres. Drei normale Räume mit Computern, seine Frau Gertrud kümmert sich im Backoffice unter anderem um knifflige Zollangelegenheiten, ein Sohn ist als Techniker im väterlichen Betrieb beschäftigt. Außerdem gibt es noch eine Architektin. Doch die eigentliche Arbeit geschieht zunächst am Computer und dann vor Ort. „Ich bin schon viel unterwegs – weltweit. In Europa, Amerika und Australien, aber auch in arabischen Ländern oder China wurde ich schon engagiert. Dort meist für große Tonstudioprojekte oder auch für luxuriöse Heimkinos,“ erzählt er. „Ich habe und hatte schon immer viel Arbeit.“ Und es ist wohl auf alle Fälle besser, wenn man ihn fragt, bevor mehrere Millionen Ankaufkosten in einem sechsstöckigen Gebäude stecken, das aber aufgrund von Statikproblemen oder zu teurer Schwingungsisolierung nicht zu Tonstudios umgebaut werden kann. Veith nennt natürlich nicht den Namen der Band, aber die anwesenden 15 Personen inklusive Band, Manager und Statiker waren „not amused“. Was aber nichts an den Tatsachen änderte. „Mein letztes großes Projekt war in Sydney. Dort gibt es einen der ältesten Studiokomplexe weltweit, die Studios 301 von Tom Misner. In den australischen Studios nahmen oder nehmen Musiker wie Coldplay, Michael Jackson, David Bowie, Kanye West und Prince ihre Musik auf. Nun, nach dem kompletten Neubau, gehört es zu den vielleicht fünf bis zehn weltweit besten Aufnahmestudios“ erzählt er. Auch für Max Martin, einen der kommerziell erfolgreichsten Musikproduzenten und Songwriter der letzten Jahre, hat er schon gearbeitet. Martin produziert und schreibt für Künstler wie die Backstreet Boys, Kathy Perry, Britney Spears, Céline Dion, Bon Jovi, Taylor Swift, James Blunt und Pink. „Es ist ja nicht mehr so wie früher: Die Band kommt in den Probenraum und nimmt einen Song auf, wie es bei Pink Floyd zum Beispiel war. Heute werden die Songs von Teams gemacht“, erklärt Veith.

Und auch die Wisseloord Studios in den Niederlanden stehen auf seiner Referenzliste. Musiker wie Peter Maffay, Golden Earring, David Garrett, UB40, Lionel Richie, Sting oder die Scorpions haben dort schon ihre Musik aufgenommen. Doch es gibt keine Fotos von ihm mit berühmten Musikern, denn Veith arbeitet eher im Hintergrund, ihm geht es vor allem um die Qualität seiner Arbeit. Ein paar persönliche Kontakte haben sich aber trotzdem ergeben: so zu Rudolf Schenker von den Scorpions oder Harold Faltermayer, der ja in Baldham wohnt. Aber auch für Einrichtungen in der Nähe wird er tätig; so für das Jugendzentrum Feierwerk oder die Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Derzeit ist er in Stockholm tätig, wieder für Max Martin. Außerdem entsteht in Los Angeles ein Tonstudiokomplex. In Westfalen plant er gerade ein großes Tonstudio für die Klangschmiede, ein Aufnahmestudio für alle Genres von Klassik bis Pop.

Claudia Engmann

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