70-Jähriges Ehejubiläum gefeiert

In guten wie in schlechten Zeiten

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Renate und Johann Haug erhielten jüngst Glückwünsche zu ihrer Gnadenhochzeit: Sie sind seit 70 Jahren verheiratet.

Ein Ayinger Ehepaar feierte jüngst seine Gnadenhochzeit: Die beiden Jubilare sind seit 70 Jahren verheiratet.

1949 ist das Jahr, in dem Deutschland in zwei Staaten, die BRD und die DDR, geteilt wurde. Vor 70 Jahren wurden aber auch Bündnisse geschlossen – wie die Ehe von Renate und Johann Haug am 25. Juni 1949. „Und seitdem sind wir beisammen geblieben“, meint die 91-Jährige in ihrem Zimmer im AWO-Haus in Aying. Neben ihr sitzt ihr Ehemann Johann, Jahrgang 1924, beide sind umgeben von üppigen Blumensträußen. Am Vortag war Bürgermeister Johann Eichler vor Ort, um den Jubilaren eine Urkunde und ein Geschenk zur ihrem 70. Hochzeitstag zu überreichen.

Gnadenhochzeit heißt der Jubeltag, auf den nur noch die Kronjuwelenhochzeit (75 Jahre), die Engelshochzeit (85 Jahre) und die Himmelshochzeit (100 Jahre) folgen. Besonders gnädig hat es das Leben vor allem in jungen Jahren nicht mit Renate Haug gemeint. Sie stammt aus Ostpreußen und musste mit ihrer Familie vor den Russen mit einem Boot über die Ostsee fliehen. Die Überfahrt auf einem kleinen Schiff war sehr kräftezehrend, viele litten unter Seekrankheit. „Ich dachte, ich muss sterben“, erinnert sich die Seniorin. Es sei eine schwere Zeit gewesen, die Flüchtlinge hatten nur, was sie am Körper trugen. „Ich war drei Wochen mit Herrenschuhen von meinem Bruder unterwegs, andere hatte ich nicht“, erklärt Renate Haug.

Nachdem sie angekommen in Mecklenburg drei Wochen bei einem Onkel unterkommen konnte, ging es für die Familie nach Seefeld am Starnberger See. Dort wurde Renate Haug eine Stelle im Krankenhaus angeboten. Die Klinik war der Ort, an dem sie ihren Ehemann kennenlernte. Johann Haug stammt aus Nesselwang im Allgäu. Er war im Zweiten Weltkrieg Soldat, kam danach in den Polizeidienst und wurde nach Oberbayern versetzt. „Wir trafen uns danach immer wieder und so hat sich das entwickelt“, meint die Rentnerin. Das Paar bekam eine Tochter und hat mittlerweile eine Enkeltochter und zwei Urenkel. Schon früh lebten die Eheleute ihre Reiselust aus, besonders das Motorradfahren hatte es Johann Haug angetan. Als ihre Tochter Rita noch kleiner war, wurde sie kurzerhand mit aufs Motorrad genommen. Später stiegen sie dann auf eine Isetta um – das war zumindest ein wenig geräumiger. Auch im Alter war das Ehepaar noch viel unterwegs, mit dem „Rollenden Hotel“, Busrundreisetouren eines Anbieters, ging es für sie bereits im Rentenalter unter anderem nach Afrika und China.

1976 zog das Ehepaar in die Katharina-Eberhardt-Straße in Haar. Seit August 2018 leben die Haugs nun in der AWO in Aying. Dort fühlen sie sich wohl und sind glücklich, ein gemeinsames Zimmer zu haben. „Wir sind froh, dass wir hier so kurzfristig einen Platz gefunden haben“, zeigt sich Tochter Rita Pumm zufrieden. Nun hofft das Paar auf weitere gemeinsame Jahre – vielleicht sogar bis zur Kronjuwelenhochzeit in fünf Jahren.

ija

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