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Schulen und Betreuungseinrichtungen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn erhalten UV-C-Luftreiniger

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Von: Iris Janda

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Höhenkirchen-Siegertsbrunns Bürgermeisterin Mindy Konwitschny und Torsten Bergmühl, Rektor der Erich-Kästner-Schule, mit einem UV-C-Luftreiniger in einem Klassenzimmer.
Bürgermeisterin Mindy Konwitschny und Schulleiter Torsten Bergmühl freuen sich über die neuen UV-C-Luftreiniger. © ija

Bis Ende des Monats werden die gemeindeeigenen Schulen sowie Kinderbetreuungseinrichtungen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn mit UV-C-Luftreinigern ausgestattet. Die Gemeinde ist eine der ersten in der Region, die auf diese Technik setzt.

„Ist das Gerät schon an?“ – diese Frage stellte sich bei der Vorstellung der neuen Luftreiningungsgeräte mit UV-C-Technik, die vergangene Woche an der Erich-Kästner-Grund- und Mittelschule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn vorgestellt wurden. Damit zeigte sich sogleich einer der großen Vorteile dieser Technologie gegenüber der Technik mit Raumluftfiltern – die geringe Lautstärke.

Schulleiter Torsten Bergmühl war von den Geräten begeistert. Er selbst habe seit einer Woche eines im Büro getestet. „Es ist eine Frequenz, die man schon wahrnimmt, aber nichts, was stört.“ Nicht nur seine Einrichtung, sondern ebenso die Sigoho-Marchwart-Schule sowie weitere Kinderbetreuungseinrichtungen werden bis Ende Januar mit insgesamt 166 UV-C-Luftreiningern ausgestattet. Die Gemeinde hat sich nach Prüfung durch das Ingenieurbüro IBDM aus Hohenbrunn für Geräte der Gilchinger Firma Dr. Hönle AG entschieden.

Das Ingenieurbüro hatte nicht nur die Geräte verschiedener Hersteller geprüft, sondern auch den genauen Bedarf anhand von zehn verschiedenen Parametern ermittelt. Für die Beurteilung spielten unter anderem das Raumvolumen, die Personenanzahl, Steckdosen, Belüftungsmöglichkeiten durch Fenster sowie die Position der Heizkörper eine Rolle. Oberste Priorität bei der Auswahl sei gewesen, dass die Geräte leise sind.

Detlef Malinowsky, Geschäftsführer von IBDM, erklärte, warum die UV-C-Luftreiniger im Vergleich zu Filtergeräten deutlich leiser sind: Durch die Hepa-Filter würde Widerstand entstehen, der zwangsläufig zu Geräuschen führe. Außerdem werde die Luft durch UV-C-Geräte mit weniger Geschwindigkeit gezogen als durch Filtergeräte. Das verringere zusätzlich die Lautstärke.

Warum das langsame Tempo für UV-C so wichtig ist, erklärte Malinowsky an einem anschaulichen Beispiel: „Wenn man schnell mit dem Finger durch eine Kerzenflamme geht, tut es kaum weh. Wenn man das aber langsam macht, schmerzt es sehr.“ Und genauso werden auch die Viren in der Luft, die den Luftreiniger gesogen wird, durch die Brennstäbe mit ultraviolettem Licht sofort im Gerät abgetötet.

Und es hilft nicht nur bei Corona-Viren, wie Heiko Runge, Vorstand Vertrieb und Marketing der Dr. Hönle, erläutert: „UV-C wirkt laut heutigem Kenntnisstand nicht nur gegen SARS-CoV-2, sondern auch gegen seine Mutationen und gegen andere Erreger, wie etwa Grippeviren oder auch Bakterien und Schimmelpilze. Die Anschaffung ist also eine gute Investition, auch für eine Zeit nach der Pandemie.“ Die UV-C-Technologie sei eine bewährte Methode die schon seit Jahrzehnten in Bereichen mit hohen Hygienestandards wie in Krankenhäusern oder zur Wasseraufbereitung verwendet wird.

Neben der Lautstärke überzeugten die Geräte vor allem durch geringe Wartungskosten und weniger Müllaufkommen, da keine Filter getauscht werden müssen. Laut Heiko Runge sollen die Luftreiniger acht bis zehn Jahre betrieben werden können. „Bei manchen Herstellern von Filtergeräten belaufen sich die jährlichen Wartungskosten auf 100.000 Euro. Es ist Wahnsinn, dass das bei der Förderung nicht bedacht wird“, meint Malinowsky. Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) pflichtet ihm bei. Bei der Betrachtung der Gesamtkosten sei die Langzeitbetrachtung wichtig gewesen, um das wirtschaftlichste Angebot zu finden. „Die Geräte sind dann vielleicht drei Mal so teuer, aber auf lange Sicht immer noch günstiger als andere“, so die Rathauschefin.

Insgesamt entstehen für die Ausstattung der Schulen und Kitas mit Luftreinigern Kosten in Höhe von rund 370.000 Euro. Je nach Raumnutzung und baulichen Gegebenheiten kommen verschiedene Förderprogramme des Bundes und des Freistaats Bayern in Betracht, dabei fördert der Bund Geräte mit bis zu 100 Prozent, der Freistaat mit bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten. Anträge für die jeweils relevanten Förderprogramme hat die Verwaltung bereits eingereicht. Der Gemeinderat hat im Haushalt 250.000 Euro dafür eingestellt. Ein Ersatz für regelmäßiges Lüften der Räume sind die Luftreiniger nicht, doch sie sollen die Intervalle verlängern und die Lüftungsmaßnahmen, die zur Bekämpfung der Corona-Pandemie erforderlich sind, unterstützen.

Nach einem Antrag der CSU-Fraktion von Dezember 2021 soll auch für das Seniorenzentrum geprüft werden, inwieweit und welchem Umfang der Einsatz von Luftreinigern sinnvoll ist. Dort stehen bereits seit Weihnachten Luftfitergeräte, die bisher für die Grundschule beschafft wurden. Nach erster Rückmeldung sind diese aber zu laut und werden sehr heiß. Daher ist das Ingenieurbüro aus Hohenbrunn derzeit dabei, das Seniorenheim in der Gemeinde auf den Einsatz von UV-C-Geräten zu untersuchen und den dortigen Bedarf an Luftreinigern zu ermitteln.

„Dort ist es schwieriger die Lüfter einzusetzen, weil alles sehr offen gestaltet ist“, verdeutlicht die Rathaus­chefin. Nun soll das Ingenieurbüro ein Konzept entwickeln, das dem Gemeinderat zeitnah vorgelegt wird. Allerdings: Für Senioren- und Pflegeheime gibt es derzeit kein Förderprogramm. „Dabei ist das doch eigentlich die Gruppe, die am meisten geschützt werden muss“, erklärt Ingenieur Malinowsky.

Iris Janda

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