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Interaktive Ausstellung „Land der Kulturen“ von und mit Geflüchteten in Hohenbrunn

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Von: Roland Friedl

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Besucher einer Ausstellungsvernissage. Im Hintergrund die Ausstellung.
Die Klasse 8a der Carl-Steinmeier-Mittelschule mit den Verantwortlichen der Ausstellung und dem Hohenbrunner Bürgermeister Stefan Straßmair (rechts). © Ilka Straube-Imming

Bei einer Ausstellung im Hohenbrunner Stephani-Haus lernten Schüler der Carl-Steinmeier-Mittelschule ein paar der Herausforderungen kennen, die Geflüchtete bei der Ankunft in einem fremden Land zu bewältigen haben.

Eine Vierergruppe aus Achtklässlern steht am „Marktplatz“, einer Station der Ausstellung, und muss auf Arabisch für den Haushalt einkaufen. Auf einem Tablet müssen Lebensmittel wie Fisch oder Äpfel den passenden Bildern zugeordnet werden. Allerdings stehen die Begriffe nur auf Arabisch da und die Schüler haben wenige Sekunden, um sich diese einzuprägen. Dann geraten die Bilder und Begriffe durcheinander. Eine schwierige Aufgabe, doch die Schüler erkennen schnell, wie es leichter geht: „Du merkst dir dieses Wort, ich merk mir das andere...“. Mit Teamwork, durch Kommunikation untereinander. Auch so wird es kompliziert die unbekannten arabischen Schriftzeichen auseinanderzuhalten, sobald es mehr Begriffe als Gruppenmitglieder werden. Aber alleine ist es fast hoffnungslos in der kurzen Zeit.

Geflüchtete haben in einem fremden Land fast täglich mit solchen Alltagsproblemen zu tun. Sie müssen Formulare ausfüllen, von A nach B kommen, Einkaufen... Alles in einer meist unbekannten Sprache. Diese Erfahrung konnte nun in einer interaktiven Ausstellung im Stephani-Haus in Hohenbrunn an drei Tagen von 19. bis 21. September nacherlebt werden. Immer vormittags bekamen pro Tag jeweils drei Klassen der Carl-Steinmeier-Mittelschule in Hohenbrunn eine Führung durch die Ausstellung. Geleitet wurden diese von jungen Geflüchteten. Nachmittags war der Parcours für anderen Besucher geöffnet. An zehn Stationen konnte die Perspektive gewechselt und selbst erprobt werden, wie es ist, sich in einer unbekannten Sprache und Kultur zurechtfinden zu müssen.

Schnellbahnnetz auf Arabisch

Zunächst ging es darum, den eigenen Namen auf Arabisch zu schreiben oder sich die Zahlen einzuprägen. Diese Stationen halfen bei weiteren wie dem Marktplatz oder dem Ausfüllen eines Formulars für ein Fitnessstudio in einem arabischen Land. Das Stressigste war wohl, von A nach B zu kommen. Bei dieser Station war das Münchner Schnellbahnnetz aufgebaut, alle Haltestellen standen nur auf Arabisch darauf. Am Tab­let mussten die Besucher in fünf Minuten eine Simulation bewältigen, um von einer vorgegebenen Anfangs- zu einer bestimmten Endhaltestelle zu kommen.

Ins Leben gerufen wurde die Wanderausstellung von der gemeinnützigen Organisation Brücken Bauen. Nach Hohenbrunn gebracht wurde sie von der Carl-Steinmeier-Mittelschule und einem Bundesprogramm der Arbeiterwohlfahrt. Dieses Präventionsprogramm Jugendmigrationsdienste setzt Respektcoaches an Schulen ein, die dort ein Klima der Vielfalt und des Dialogs erlebbar machen wollen. Florian Berwig ist einer dieser Respektcoaches, er arbeitet an der Mittelschule in Hohenbrunn sowie in Haar. Mit der Hohenbrunner Schule hat er nun unter anderem „Land der Kulturen“ geplant.

Bei der Vernissage erzählt Florian Berwig, er habe die Ausstellung zum ersten Mal beim Europatag am Ostbahnhof gesehen und wollte sie danach nach Hohenbrunn holen. Auch die Rektorin der Schule, Christina Schmidt, war begeistert, insbesondere wegen der Station mit dem Bahn-Fahrplan auf Arabisch. Bei der Wahl des Standortes habe man sich für das Stephani-Haus entschieden, weil die Gemeinde gleich ihre Unterstützung signalisiert hatte und weil es ein möglichst zentraler Ort in Hohenbrunn sei, zu dem die Schüler einen Ausflug machen könnten. Ein spannendes Erlebnis für die Schüler und auch gut zu erreichen für alle anderen Bürger.

Finanziert wurde „Land der Kulturen“ von der Gemeinde Hohenbrunn, Bürgermeister Stefan Straßmair betonte bei der Vernissage seine Freude über die Ausstellung, welche eine so wichtige Herausforderung unserer Zeit thematisiere.

Gleich am Montagmorgen bekam die Klasse 8a eine Führung durch den Parcours. Hanna, eine jungen Syrerin, die 2016 nach Deutschland kam, leitete diese und erklärte das Konzept. Zunächst waren die Schüler noch etwas zurückhaltend, doch dann machten sie sich begeistert in Gruppen auf zu den einzelnen Stationen. Sie erkannten, dass die Herausforderungen nur im Dialog miteinander zu lösen sind. Dementsprechend heißt auch die Internetseite der Respektcoaches der Jugendmig­rationsdienste, auf der es mehr Informationen zu ihren Projekten gibt, www.lass-uns-reden.de.

Demnächst, voraussichtlich Anfang nächsten Jahres, soll die Ausstellung an der Haarer Mittelschule stattfinden.

Roland Friedl

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