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Hohenbrunn: Zustimmung für Pläne zu barrierefreiem Bahnhof

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Von: Iris Janda

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Wer auf dem Rollstuhl angewiesen ist oder mit Kinderwagen unterwegs, hat bislang am Hohenbrunner Bahnhof keine Möglichkeit, barrierefrei an den Bahnsteig zu kommen.
Wer auf dem Rollstuhl angewiesen ist oder mit Kinderwagen unterwegs, hat bislang am Hohenbrunner Bahnhof keine Möglichkeit, barrierefrei an den Bahnsteig zu kommen. © ija

Seit über 15 Jahren schon wird es diskutiert, nun rückt die Gemeinde Hohenbrunn dem barrierefreien Ausbau des Bahnhofs ein deutliches Stück näher. Der Gemeinderat stimmte in einer Sondersitzung am 26. Juli der Vorzugsvariante zu, die drei Mitarbeiter der Bahn dem Gremium vorstellten. Damit geht das Projekt in die Leistungsphasen drei und vier.

Leicht fiel den Gemeinderäten die Entscheidung nicht, denn die Vorzugsvariante der Bahn war nicht die favorisierte Lösung des Gremiums. Der Vorschlag sieht den Erhalt des Mittelbahnsteigs vor, der über einen Aufzug an die Personenunterführung angebunden wird. Diese soll wiederum bis zur Westseite des Bahnhofs führen und auf beiden Seiten über Rampen erreichbar sein. Der Gemeinderat aber wünschte sich eine „echte“ Barrierefreiheit in Form von Außenbahnsteigen wie etwa am Bahnhof in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, die ohne Aufzug erreicht werden können. Diese Variante hatten die Projektbetreuer der DB, Sven Belger, Jan Freitag und Herbert Kölbl, zwar ebenfalls vorgestellt, erteilten ihr aber wegen mehrere Nachteile eine klare Absage.

Zum einen seien da die Kosten, die etwa drei Mal so hoch wie bei der Vorzugsvariante ausfallen würden, unter anderem weil die Oberleitungen umfassend umgeplant und schnellere Weichen eingebaut werden müssten. Noch gravierender falle aber der zu erwartende Fahrzeitverlust ins Gewicht, der sich aus den Außenbahnsteigen mit Richtungsbetrieb ergeben würde. Durch im Schnitt fünf außerplanmäßige Kreuzungen, die sich bei Verspätungsverkehr ergeben könnten, käme es am Hohenbrunner Bahnhof zu etwa 25 Minuten Verspätung pro Tag. Diese hätte wiederum Auswirkungen auf das gesamte S-Bahn-Netz – und diese gelte es auf dem ohnehin schon überlasteten Netz zu vermeiden.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft würde als Träger öffentlicher Belange diesem Modell im Baurechtsverfahren keine Zustimmung erteilen, verdeutlichte Kölbl. „Natürlich können Sie die Vorzugsvariante ablehnen. Die Frage ist dann allerdings, ob es sinnvoll ist, überhaupt noch weiter zu planen“, so der Fachmann ­weiter.

Zudem würde sich niemand finden, der die drei Mal so hohen Kosten für die Varianten mit Außenbahnsteigen übernehmen werde. Denn ob und von wem der barrierefreie Umbau finanziert wird, steht ohnehin noch in den Sternen. Viele Jahre wurde vergeblich gehofft, dass die Gemeinde in ein Ausbauprogramm von Bund oder Freistaat aufgenommen werde. Mit dem Beschluss zum Bau der Realschule westlich des Bahnhofs hätte sich die Situation nun allerdings verändert, meinte Bürgermeister Stefan Straßmair. Er sei „vorsichtig zuversichtlich“, dass sich dadurch Fördertöpfe öffnen könnten. Von Seiten des Bayerischen Verkehrsministeriums sei angedeutet worden, dass man nach Mitteln für das Projekt suche.

Auch wenn sich ein Fördergeber findet, kommen Kosten auf die Gemeinde zu. Bei der Vorzugsvariante würde der Fördergeber die einseitige Anbindung und den Umbau des Mittelbahnsteigs zahlen, die Gemeinde müsste einen Teil der Unterführung sowie die Rampe auf der Westseite bezahlen. Die Vorzugsvariante soll nach derzeitigem Stand zehn bis elf Millionen Euro kosten. Wie hoch der Gemeindeteil ausfällt, sei noch nicht klar. Rathauschef Straßmair vermutet, dass es mehr als ein Drittel der Gesamtkosten sein könnten.

Die Anbindung mittels Aufzüge kritisierte unter anderem Wolfgang Schmidhuber (Grüne). Das Vandalismusproblem am Bahnhof sei bekannt und könnte sich auf den Aufzug auswirken. Wenn dieser nicht funktioniert, gebe es für Personen, die darauf angewiesen sind, keinen anderen Weg, auf den Bahnsteig oder von diesem runter zu kommen. Im Münchner S-Bahn-Bereich sei eine Verfügbarkeit der Aufzüge von 97 Prozent gegeben, versuchte Kölbl, Leiter Vertrieb Mobility Regionalbereich Süd, zu beruhigen. Ein Service würde defekte Aufzüge innerhalb von zwei Stunden reparieren. „Aufzüge sollten aus Sorge vor Ausfällen nicht verhindert werden“, so sein Rat.

Ursprünglich war für die Sondersitzung kein Beschluss geplant, doch Sven Belger machte deutlich, dass die Zeit drängt. Wenn bis zur möglichen Realschuleröffnung 2026 gebaut werden soll, bräuchten sie schnellstmöglich eine Entscheidung. „Wir müssen jetzt los legen, sonst schaffen wir es nicht“, so Belger.

„Ich habe theoretisch eine Entscheidungsfreiheit, aber praktisch keine“, stellte Manfred Haucke (Bürgeforum) fest. Die Vorzugsvariante sei die einzig planbare. Bürgermeister Straßmair plädierte dafür, sich für diese Variante zu entscheiden. So hätte die Gemeinde alles in ihrer Macht stehende getan, um den Schülern etwas zu bieten. Wenn sich dann nach der Leistungsphase vier kein Förderer finde, sei es nicht zu ändern.

Es sei zwar die minimalste Variante, aber immerhin bestehe nun die Chance für einen barrierefreien Ausbau, befürwortete Karlheinz Vogelgesang (ÜWG-Freie Wähler) ebenso wie Anton Fritzmaier (CSU) die Pläne. „Der Vorschlag bleibt unbefriedigend, weil es keine echte Barrierefreiheit ist“, betonte Wolfgang Schmidhuber. Zähneknirschend stimmt er dennoch zu, insofern die Unterführung auch für Radler Platz bietet. „100 Prozent Barrierefreiheit haben wir nicht, aber das ist immerhin ein ganz großer Schritt“, erklärte Haucke. Nur die Finanzierung würde ihm weiter Bauschmerzen bereiten.

Auch wenn sie sich eine andere Lösung gewünscht hätten, fassten die Gemeinderäte letztendlich einen einstimmigen Beschluss. Schließlich ist „unechte“ Barrierefreiheit besser als gar keine.

Iris Janda

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