Isar-Anwohner haben Nase voll

Dicke Luft am Flaucher

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Sich bei schönem Wetter auf dem Balkon entspannen – für Hörmanns unmöglich. „Wir müssen drinnen bleiben“, klagen sie, „der Rauch von den Grillern an der Isar greift unsere Gesundheit an.“

MÜNCHEN Isar-Anwohner haben von Grillern die Nase voll – Runder Tisch mit Politikern geplant

Juhu, endlich Sommer – doch mit den heißen Tagen beginnen für das Ehepaar Hörmann die Strapazen. „Wir haben nichts von unserem Balkon, weil wir uns nicht raussetzen können. Wir können nicht mal lüften!“, klagt Roswitha Hörmann. Die Griller, die in Massen den Flaucher zuräuchern, machen den Sendlingern das Leben schwer.

Seit 40 Jahren wohnen die Hörmanns in der Schäftlarnstraße. „Mittlerweile ist die Situation unerträglich – es wird jeden Tag gegrillt. Teilweise sind bis zu 30 000 Leute am Flaucher“, sagt Anton Hörmann. „Ich bin die halbe Nacht wach, weil ich wegen Rauch und Gestank nicht schlafen kann“, fügt seine Frau hinzu, die mittlerweile gesundheitliche Probleme hat. „Ich habe Asthma bekommen.“ Die Forderung des Ehepaars: Grillverbot an der Isar. „Wir haben uns schon unter Ude immer wieder beschwert und waren auch bei Herrn Reiter in der Bürgersprechstunde. Aber es wird nichts gemacht. Herr Reiter hat gesagt, er kenne das Problem. Aber von Verboten halte er nichts“, sagt Anton Hörmann. Dass die Interessen der Feiernden über die Gesundheit der Münchner Bürger gestellt werden, ärgert und enttäuscht das Ehepaar.

Griller dicht an dicht: An schönen Tagen ziehen dicke Rauchschwaden über den Flaucher.

In der Veranstaltung „Gesundheitsauswirkungen von Feinstaub und Lärm“ im März schlugen die Hörmannserneut Alarm. Doch Joachim Lorenz, zu diesem Zeitpunkt noch Gesundheitsreferent, machte ihnen in einer schriftlichen Antwort wenig Hoffnung: „Ein Verbot auf der Basis immissionsschutzrechtlicher Vorschriften ist jedoch nicht möglich. Das Bundes-Immissionsschutzgesetz enthält keine rechtlichen Grundlagen dafür.“ Denn Grillfeuer seien keine Anlagen im Sinne des Gesetzes. Zu diesen Anlagen zählen beispielsweise Maschinen oder Fahrzeuge. Darüber können Hörmanns nur lachen: „Gegen die Belastung am Flaucher ist die Landshuter Allee ein Witz.“ Auch in der BA-Sitzung stieß die Haltung des Referats für Gesundheit und Umwelt (RGU) auf Unverständnis: „Es geht um Feinstaub! Warum zieht sich das RGU da raus?“, schimpfte Jens Erdmann (Grüne). Lorenz verweist auf die städtische Grünanlagensatzung in Zuständigkeit des Baureferats. Die besagt, dass Grillen nur in bestimmten Bereichen an der Isar erlaubt ist (s. Kasten). Wer gegen die Auflagen verstößt, zahlt im äußersten Fall, sagt Dagmar Rümenapf vom Baureferat auf Hallo-Anfrage: „Neben städtischen Dienstkräften sind in der Grillsaison verstärkt private Wachdienste im Auftrag der Stadt tätig.“ Auf Bußgelder werde nur als letztes Mittel bei Uneinsichtigkeit zurückgegriffen.

Von Sicherheitskräften hätten sie noch nichts gesehen, monierten die BA-Mitglieder in der Sitzung. „Wir spüren die Effizienz dieser Anlagenaufsicht nicht“, wetterte Ernst Dill (SPD). Womöglich müsste sie aufgestockt werden. Das will der BA jetzt wissen – und die Stadtverwaltung in die Pflicht nehmen: Zum Thema soll ein Runder Tisch mit Vertretern der BAs 6 und 19 sowie von RGU und Gartenbau stattfinden. Ein Termin steht noch nicht fest.

Die Hörmanns haben wenig Hoffnung, dass sich die Schwaden an der Isar bald lichten: „Solange Grillen am Flaucher erlaubt ist, wird gegrillt – und wir sind die Leidtragenden. Viele sind schon weggezogen. Und auch wir wären weg, wenn wir damals die Wohnung nicht gekauft hätten.“ das

Grillzonen

Die Grillzone Isar Süd erstreckt sich vom Flaucher bis zur Goßhesseloher Brücke. Grillen ist grundsätzlich nur im Bereich der Kiesbänke erlaubt. In Gehölzbereichen und unter Brücken darf nicht gegrillt werden. An der nördlichen Isar darf auf der Isarinsel bei Oberföhring in fünf kleinen Bereichen unter anderem nahe der St.-Emmeram-Brücke gegrillt werden.

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