Doppelt wichtig

Wer, wo, wann: Experten erklären Grippe-Impfung zu Corona-Zeiten

Ein Arzt impft eine Person gegen Grippe.
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Ein Arzt impft eine Person gegen Grippe.

Grippesaison in der Corona-Pandemie. Gegen die Influenza gibt es einen Impfstoff, doch ältere Menschen und Risikogruppen lassen sich erschreckend selten impfen

  • Auch in der Corona-Pandemie kommt die Grippesaison dieses Jahr.
  • Gegen eine Influenza gibt es aber einen Impfstoff.
  • Ältere Menschen und Risikogruppen lassen sich erschreckend selten impfen.

„10 000 bis 20 000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland an der Grippe“, erklärt Markus Frühwein, Münchner Arzt und Mitglied der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen. 

Dr. Markus Frühwein

Trotz dieser erschreckenden Zahlen lag die Impfbeteiligung bei Menschen, die 60 oder älter sind, in der Grippesaison 2018/19 nur bei etwa 35 Prozent – bei Personen mit chronischen Grunderkrankungen waren es 20 bis 50 Prozent. Beide zählen zu den Risikogruppen und sollen sich laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut impfen lassen (siehe unten).

Grippe-Impfung zu Corona-Zeiten 

„Dieses Jahr hat die Impfung einen besonders hohen Stellenwert, da Co-Infektionen mit Covid-19 wahrscheinlich schwer verlaufen und insbesondere für Ältere und chronisch Kranke ein Risiko darstellen“, erklärt Frühwein. Er rechnet mit einer höheren Impfbereitschaft: „Das allgemeine Verständnis für Infektionskrankheiten ist stark gestiegen.“ Auch Ruth Sharp vom Bayerischen Hausärzteverband rechnet damit, da die Corona-Pandemie die Menschen für das Thema Impfen weiter sensibilisiert habe. Wie viel Impfstoff zur Verfügung steht, für wen dieser ist, wann und wo man sich impfen lassen kann, hat Hallo nachgefragt.

  • Impfstoffvorrat: Rund 25 Millionen Impfdosen sind für die kommende Grippesaison vorhanden – gut vier Millionen mehr als im Vorjahr. „Grundlage ist der verbrauchte Impfstoff der Vorsaison“, erklärt Sharp vom Bayerischen Hausärzteverband. „In diesem Jahr wurde mehr Impfstoff bestellt, da eine erhöhte Impfbereitschaft durch die Corona-Pandemie eingerechnet wurde.“ Die Hersteller seien zudem aufgefordert worden, heuer Reserven für Nachbestellungen bereitzuhalten.
  • Wann sollte ich mich impfen lassen: Oktober und November sind die beste Zeit für eine Impfung. Die STIKO erklärt, dass eine Impfung auch später im Verlauf der Grippesaison sinnvoll sein kann, wenn eine Impfung vor Saisonbeginn verpasst wurde.
  • Wo kann ich mich impfen lassen: „Die beste Adresse ist der Hausarzt, weil er über Vorerkrankungen, Allergien, aber auch über Anzeichen, die dagegen sprechen, Bescheid weiß“, erklärt Sharp vom Hausärzteverband. Bevor man zur Impfung kommt, wird geraten, in der Arztpraxis anzurufen. Manche Unternehmen, wie die SWM, bieten Impfaktionen in der Firma an. Die München-Klinik weitet in diesem Jahr ihr Angebot aus, sodass sich alle Berufsgruppen in den fünf Standorten – Schwabing, Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Thalkirchner Straße – mit und ohne Termin impfen lassen können.

Influenza: Wer sollte sich impfen lassen?

Diese Personengruppen sollen auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut geimpft werden, da sie entweder bei einer Erkrankung ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Folgen haben oder durch ihre Arbeit in Pflegeheimen oder Krankenhäuser sich selbst und dann andere anstecken könnten:

  • Menschen, die 60 Jahre und älter sind – laut RGU sind das in München rund 340 000.
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Grundleiden wie Asthma, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes
  • Ärztliches und pflegerisches Personal, Berufe mit Publikumsverkehr (Busfahrer, Erzieher)
  • Schwangere
  • Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
Ein Arzt impft eine Person gegen Grippe.

Bei Personen, die nicht diesen Gruppen angehören, kann es nach ärztlicher Beratung im Einzelfall auch sinnvoll sein, zu impfen.

S. Kläsener

+++ UMFRAGE „GRIPPEIMPFUNG – JA ODER NEIN?“ +++

Badiz Slowodn (69) aus Laim:

Badiz Slowodn (69) aus Laim

„Nein, ich bin bis jetzt noch nicht geimpft, aber ich würde es gerne machen lassen. Ich habe auch schon einen Termin beim Arzt Mitte Oktober, weil es mir wichtig ist, mich bald impfen zu lassen.“

Erika Donnert (78) aus Milbertshofen:

Erika Donnert (78) aus Milbertshofen

„Ich bin immer geimpft gegen Grippe. Das ist gut, vor allem im Winter, wenns kalt ist, aber auch allgemein. Mir ist es wichtig, dass ich nicht krank werde. Ich mag ja noch ein paar Jahre leben.“

Walter Sauer (74) aus Unterhaching:

Walter Sauer (74) aus Unterhaching

„Im Herbst würde ich mich gerne impfen lassen. Bis jetzt wurde ich noch nicht geimpft, aber jetzt wurde es mir empfohlen.“

Siegurd Weltner (77) aus Bogenhausen:

Siegurd Weltner (77) aus Bogenhausen

„Ich lasse die Impfung seit vielen Jahren immer wieder machen, schlicht und einfach, um mögliche Risiken für eine Grippe zu vermeiden. Allerdings weiß ich auch, dass ich trotz der Impfung nicht zu 100 Prozent geschützt bin, sondern nur zu 80 Prozent. Bisher hat es sich aber immer bewährt.“

Umfrage: Cordelia Schlederer

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