Hasstiraden gegen Flüchtlinge

Rechte Hetze in der „Post“

MÜNCHEN Hasstiraden gegen Flüchtlinge in Münchner Wirtshäusern: Wie Politiker reagieren

Einen kurzen Augenblick ist Björn Höcke irritiert. Ein Mann inmitten der 350 Zuhörer steht auf und brüllt dem Sprecher der AfD Thüringen im Hotel zur Post in Pasing entgegen: „Als Deutscher schäme ich mich dafür, was Sie hier erzählen!“ Schnell folgen Buhrufe aus der Menge, der Mann verlässt den Saal. Höcke wischt sich den Schweiß von der Stirn – dann macht er weiter mit seiner Rede über das Asyl-Chaos in Deutschland, spricht von „afghanischen Analphabeten“ und sagt: „Wir wollen diese Menschen, die überwiegend männlich, jung, ungebildet und muslimisch sind, gar nicht integrieren.“

Der Zwischenrufer – nicht der einzige, dem Höckes Rede und die Veranstaltung im Hotel zur Post missfallen haben. Ärger macht sich jetzt in Pasing bei Politikern breit. Vor allem weil die Pächter, Fritz und Andreas Schön, nicht zum ersten Mal Rechtspopulisten in ihrem großen Saal bewirten.

„Schon im Sommer hat sich dort die Partei Die Rechte getroffen“, sagt SPD-Stadtrat Christian Müller. „Das geht nicht. Ich habe schon mit OB Dieter Reiter gesprochen. Städtische Veranstaltungen wie Bürgerversammlungen sollten dort zukünftig nicht mehr stattfinden.“ Dieser Meinung schließt sich auch Romanus Scholz (Grüne), Vorsitzender des Pasinger Bezirksausschusses, an. „Wir müssen darauf reagieren und mit der Brauerei Anheuser-Busch InBev reden, dem Besitzer des Hotels.“

Klare Worte findet auch Johann Sauerer. „Die AfD trägt zur Spaltung unserer Gesellschaft bei. Verbale Entgleisungen gegen Flüchtlinge sind keine Lösung. Die Verantwortlichen des Hotels zur Post müssen sich den Vorwurf der Mittäterschaft gefallen lassen“, sagt der CSU-Stadtrat. „Wer Radikalen eine Plattform zur Verbreitung ihrer Hasstiraden gibt, macht sich mitschuldig. Örtliche Vereine wurden über Jahre mit überhöhten Saalmieten hinausgemobbt, während die Radikalen willkommene Gäste sind. Für mich als Stadtrat kommt das Hotel zur Post als Veranstaltungsort nicht mehr in Frage. Dies gilt auch für die CSU im Münchner Westen.“

Die Brauerei betont, sie würde keine rechtsextremen Veranstaltungen tolerieren und hätten mehrfach mit dem Pächter gesprochen. „Herr Schön sagte uns, dass die Veranstaltung polizeilich genehmigt worden ist“, erklärt Oliver Bartelt, Sprecher des Unternehmens. „Rechtlich haben wir deshalb keine Handhabe. Eine polizeiliche Genehmigung müsste im Zweifelsfall entzogen werden.“ Die Pächter selbst wollten sich auf Hallo-Nachfrage nicht zum Thema äußern. Marie-Anne Hollenz

„Die Rechte“: Vom Goldenen Hirschen ins Goldene Ross...

Im Goldenen Hirschen in Neuhausen waren sie nicht mehr erwünscht (Hallo berichtete) – deshalb musste sich die Partei Die Rechte nach einem anderen Lokal für ihre Stammtische umsehen. Fündig wurden sie im Gasthaus Goldenes Ross an der Rosenheimer Straße (Foto) – die Wirtschaft diente den Neonazis jüngst als Treffpunkt für einen „offenen Infoabend“. Kreisvorsitzender Philipp Hasselbach stellte in einem einstündigen Vortrag das rechte Gedankengut seiner Partei vor und warb Neu-Mitglieder an.

Nicht das erste Mal, dass die Neonazi-Szene im Ross zu Gast war. „Seit mehreren Jahren treffen sich in dem Lokal rechte Gruppen“, sagt Marcus Buschmüller von der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (Aida). Wie das Gasthaus zu den Vorwürfen Stellung nimmt? „Wir haben hier keine Rechten“, sagt eine Bedienung auf Hallo-Anfrage und knallt den Hörer hin.

Das sieht der Besitzer, die Brauerei Anheuser-Busch InBev (Löwenbräu), anders. Der schmeißt den Pächter zum 30. November raus! Markus Guinand, Beauftragter gegen Rechtsextremismus im Ramersdorfer Bezirks­ausschuss: „Ich habe mich in dieser Sache immer wieder an die Brauerei gewandt – endlich hat es sich zum Guten gewendet.“ Für die Rechten heißt es weiterziehen. Nur wohin, das weiß derzeit noch keiner... ist

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