Hallo Wahl-Check

Hier geht’s um Ihre Stimme!

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Dr. Bernhard Goodwin (34) ist Sozialwissenschaftler undMitbegründer der Initiative „Ich wähle mit“. Für unsere Leser macht er den Hallo-Wahl-Check und zeigt das Logo unserer neuen Serie.

München - Am 16. März ist Wahl, München bekommt einen neuen Oberbürgermeister. Warum dabei jedes Votum zählt, erklärt Sozialforscher Dr. Bernhard Goodwin in Hallo.

Es wird ernst – nicht nur für Christian Ude, der nach 21 Jahren seinen Thron im Rathaus räumen muss, sondern auch für Sie, liebe Leser. Am 16. März ist in Bayern Kommunalwahl – und Sie müssen entscheiden: Wer soll München künftig regieren? Im Hallo-Wahl-Check informieren wir Sie heute und in den nächsten Wochen über die Wahl – und stellen gleich zu Beginn die Frage: Wählen gehen, lohnt sich das überhaupt? Dr. Bernhard Goodwin  (34), Sozialwissenschaftler an der LMU und Gründer der Initiative „Ich wähle mit“, engagiert sich für eine höhere Wahlbeteiligung. Was die Münchner an die Urne zieht, Goodwins Prognose und seinen Masterplan zum Kreuzerlmachen lesen Sie hier.

  • Wählen – warum überhaupt? „Ganz einfach: Wer nicht wählen geht, dessen Stimme wird nicht gehört. Gerade bei der Kommunalwahl: Da tendiert man doch dazu, Leute aus seinem Viertel zu wählen. Wenn aber die Leute im Hasenbergl nicht zur Wahl gehen, wird das Hasenbergl im Stadtrat schlechter vertreten sein – und damit dessen Interessen. Genauso ist es mit den Berufen und sozialen Schichten: Weil mehr Akademiker als Müllmänner zur Wahl gehen, sind auch mehr Ärzte und Anwälte an der Macht. Und das ist schlecht. Wir sagen: Wählen gehst du für dich, damit Leute, die so sind wie du, mehr Einfluss haben.“

  • Was zieht die Münchner an die Urne? „Die Wahl 2014 ist keine Ude-Krönungsmesse, das spricht für mehr Wahlbeteiligung. Aber: Ohne polarisierende Themen sinkt die Wahlbeteiligung. Und noch ist der OB-Wahlkampf stinklangweilig. Nallinger sagt: Ich bin neu. Reiter sagt: Ich bin München. Und Schmid sagt: Ich bin nicht die CSU. Das ist doch alles Wischi-Waschi.“

  • In welchen Vierteln leben Wahlmuffel?  „Sozialwissenschaftliche Studien belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen sozialer Schicht und Wahlbeteiligung gibt. Kurz gesagt: Da wo die Hochhäuser stehen, ist die Wahlbeteiligung niedriger, zum Beispiel in Neuperlach oder in Milbertshofen. Und das sind gerade die Viertel, die sehr davon profitieren würden, wenn ihre Stimme in der Politik mehr gehört würde.“

  • Kumulieren, panaschieren: Wie geht’s einfacher? „Das Wahlrecht ist ziemlich kompliziert – das schreckt schon ab. Man muss es häufiger erklären. Ich rate Folgendes: Zuerst überlegt man sich, welche Partei man gut findet. Bei dieser Liste macht man ein Kreuz. Wenn man dann keine Lust mehr hat, faltet man das Ding und wirft es ein. Oder man schaut sich jetzt die anderen Listen an und sucht sich Menschen heraus, die man gut findet. Und dann vergibt man am besten pro Person drei Stimmen – das ist einfacher zu zählen. Wenn dann noch Stimmen übrig sind, gehen die automatisch an die Liste, dieman zuerst angekreuzt hat. Zuletzt kann man sich noch einmal diese Liste anschauen: Ist da jemand dabei, der mir nicht passt? Den streiche ich durch. Fertig.“

  • Wer beerbt OB Ude? „Ich denke, dass es eine Stichwahl zwischen Reiter und Schmid geben wird. Dann wird es spannend, mit wem die Grünen koalieren.“ 

    Isabel Steffens

  

Wichtiges zur Wahl

Das wird gewählt

Die Kommunalwahlen in Bayern finden am Sonntag, 16. März, statt. Die Münchner wählen nicht nur Oberbürgermeister und Stadtrat, sondern auch die Bezirksausschüsse für eine Amtszeit von sechs Jahren. Im Stadtrat sitzen 80 Mitglieder aus derzeit zehn Parteien und Gruppen. Die OB-Kandidaten der vier größten Parteien sind Josef Schmid (CSU), Dieter Reiter (SPD), Sabine Nallinger (Grüne) und Michael Mattar (FDP).

Die Kleinen

Weil es keine Fünf-Prozent-Hürde gibt, können auch kleine Gruppen einen Sitz im Stadtrat bekommen. Eine Bedingung gibt es aber: Wer mit einer Liste antreten will, muss mindestens 1000 Unterschriften sammeln. Bis 3. Februar haben Parteien wie die Wählergruppe HUT oder die eurokritische AfD dafür Zeit.

So geht’s zur Urne

Wählen gehen dürfen alle Deutschen und EU-Ausländer, die am Wahltag 18 Jahre alt sind und seit mindestens zwei Monaten ihren Hauptwohnsitz in München haben. Das Kreisverwaltungsreferat erstellt die Wählerverzeichnisse am 9. Februar. Erst dann werden die Wahlbenachrichtigungen verschickt.Wo gewählt wird, steht ab 3. Februar im Internet unter www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/ Kreisverwaltungsreferat.html.

Die Briefwahl

Wer sein Kreuzerl lieber daheim macht, kann die Briefwahl beim Kreisverwaltungsreferat beantragen. Der Versand der Briefwahlunterlagen beginnt frühestens am 10. Februar – sofern die notwendigen Unterlagen bereits alle vorrätig sind – und spätestens am 24. Februar. Die Dokumente können schriftlich mit dem Vordruck auf der Wahlbenachrichtigung oder online unter www.muenchen.debeantragt werden. Ein telefonischer Antrag ist nicht möglich.

Das ändert sich 2014

Der Bayerische Landtag hat 2010 ein neues Auszählverfahren für Kommunalwahlen beschlossen, das Proporzverfahren nach Hare-Niemeyer (statt dem bisherigen Höchstzahlenverfahren nach d’Hondt). Das stärkt die kleinen Parteien: Mit etwa einem Prozent der Stimmen können sie dann einen Sitz imStadtrat ergattern.Wer selbst kandidierenwill, darf jünger sein: Die Altersgrenze liegt bei 18 statt 21 Jahren.Weniger streng geht es auch beimWohnsitz zu: Wählen darf, wer seit mindestens zwei Monaten im Stimmkreis wohnt (bisher drei); Kandidaten müssen seit drei (statt sechs) Monaten im Wahlkreis leben. Die Briefwahl ist ab 2014 ohne Angabe von Gründen möglich.

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