Der Saubär bleibt weiter unbeobachtet

Unterhachinger Gemeinderat lehnt Wildkameras an Wertstoffsammelstellen ab

Der Vorschlag der Unterhachinger Verwaltung, an verschiedenen Wertstoffsammelstellen Wildkameras zu installieren, wurde abgelehnt.
+
Der Vorschlag der Unterhachinger Verwaltung, an verschiedenen Wertstoffsammelstellen Wildkameras zu installieren, wurde abgelehnt.

Unterhaching – „Wenn es um gemeingefährliche Tiere geht, bin ich gefragt“, scherzte Amtsleiter Simon Hötzl. Er meinte damit die „Saubären“, die seit geraumer Zeit die Wertstoffsammelstellen in der Gemeinde verschmutzen. Die spaßige Einleitung sollte nicht den Ernst der Thematik herunterspielen, denn die Verwaltung gerät bei dem Problem an ihre Grenzen. 

„Wir sind langsam mit unserem Latein am Ende“, erklärte Christian Franke vom zuständigen Verwaltungsreferat. Seit er vor zehn Jahren seine Stelle angetreten habe, erlebe er ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel mit den Müllhausverschmutzern. Tägliche Reinigung, sonntägliche und nächtliche Sperrungen, Nachverfolgung falsch entsorgter Kartons – all diese Maßnahmen hätten nur kurzzeitig Effekte gezeigt. „Die Bürger entfernen mittlerweile sogar schon die Zustellaufkleber, weil wir sie ermittelt haben“, stellte Franke fest. Durch dieses Verhalten werde die Allgemeinheit geschädigt, erklärte Hötzl. 

Für ein externes Dienstleistungsunternehmen, das die Sammelstellen reinigt, fallen im Monat knapp 7000 Euro an. Aus diesem Grund schlug die Verwaltung im letzten Ferienausschuss eine neue Maßnahme vor. Mit Wildkameras an den „Problemsammelstellen“ soll herausgefunden werden, wann es zu Verunreinigungen durch falsch befüllte Tonnen oder zu unrecht abgestellten Sperrmüll kommt. „Es geht nicht darum, konkret Personen festzustellen“, erklärte Hötzl die Maßnahme. 

Ziel sei zunächst herauszufinden, wann es zu den Verunreinigungen komme. So könnten zu entsprechenden Zeiten Mitarbeiter vorbei geschickt und Vorfälle mit Bußgeld geahndet werden. Es handle sich um eine schnell umsetzbare Lösung. Die sechs „Problemsammelstellen“ an der Grünauer Allee, Lohestraße/Sommerstraße, St.-Alto-Straße/Mühlweg, Schäftlarnstraße, Wallbergstraße und Ludwig-Thoma-Straße wurden für einen ersten Versuch vorgeschlagen. Pro Kamera fallen je nach Modell Kosten von zirka 170 Euro an. Hinzu kommen Personalkosten für Installation, Betrieb und Auswertung. Alles in allem handle es sich um einen „finanziell überschaubaren“ Rahmen, erklärte Hötzl. 

Die Datenschutzrichtlinien werden bei dem Vorhaben beachtet. Die Kameras zeichnen lediglich auf, wenn sich jemand im Erfassungsbereich bewegt. Das Videomaterial werde nach der Durchsicht gelöscht. Die Nutzung der Kameras sollen Schilder kennzeichnen. Erfahrungen aus den Städten Grafing und Landshut würden positive Effekte zeigen. So sei in Landshut die Menge der illegal abgestellten Abfälle um zwei Drittel zurückgegangen, seit es dort die Wildkameras gibt. 

Auf einen Abschreckungseffekt, wie er in Grafing beobachtet wird, setze auch die Unterhachinger CSU-Fraktion, erklärte Richard Raiser. „Natürlich ist der Einsatz von Kameras eine einschneidende und neue Maßnahme“, räumte der CSU-Mann ein. „Aber es besteht absoluter Handlungsbedarf!“ Der Einsatz an den sechs Problemstellen sei eine gute Möglichkeit, die Maßnahme auszuprobieren. Claudia Köhler (Grüne) nahm die Bürgerschaft in Schutz. 

„Die Verwaltung geht jetzt gegen die Bürger mit Generalverdacht vor“, bemängelte sie. Es gehe nicht um Vandalismus, sondern um fehlende Kapazitäten bei der Müllentsorgung. „Kommunikation statt Überwachung“ lautete Köhlers Credo. Dass bei den bestehenden Sammelstellen umgeplant und erweitert werden müsse, wisse die Verwaltung und soll separat im Gremium noch besprochen werden, erklärte Amtsleiter Hötzl. „Die Kameras sind ein Baustein in unserer Gesamtstrategie“, verdeutlichte er. 

Julia Mittermeier (FWU) stimmte zwar zu, dass „Saubären am Werk“ seien und es nicht nur an überfüllten Tonnen liege. Eine Lösung durch Wildkameras lehne ihre Fraktion dennoch ab. Auch die SPD sprach sich gegen den Kameraeinsatz aus. Das Problem würde sich nur verschieben, befürchtete Peter Wöstenbrink. 

„Gefühlt liegt jetzt schon mehr Müll im Wald“, erklärte er. Das könnte sich dann verstärken. Die Zeit, die Mitarbeiter in die Auswertung des Kameramaterial stecken würden, solle lieber für die Planung einer neuen Sammelstelle genutzt werden. Armin Konetschny (Grüne) schlug statt einer Überwachung ein Whistle­blower-Konzept vor, bei dem der Verwaltung Hinweise gegeben werden könnten. Dieser Vorschlag stieß auf wenig Gegenliebe: „Beim Thema Whistleblower wird mir ganz schlecht“, erklärte FDP-Mann Bernard Maidment. 

Auch er sei nicht glücklich über die Wildkamera-Lösung, könne sich aber darauf einlassen, es befristet auszuprobieren und parallel eine neue Sammelstelle aufzubauen. Bei der Abstimmung entschieden sich dennoch bis auf vier CSU-Stimmen alle Mitglieder gegen den Verwaltungsvorschlag. Die Gemeinde muss nun also eine neue Möglichkeit finden, um den Saubären auf die Spur zu kommen.

Iris Janda

Weitere Nachrichten aus der Region finden Sie in unserer Übersicht.

Besuchen Sie HALLO auch auf Facebook

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Zaun an Hundemeile im Landschaftspark
Bürgerinitiative wehrt sich gegen Zaun an Hundemeile im Landschaftspark
Dank Spenden: Kranker Unterhachinger Bub kann zur Delfintherapie
Dank Spenden: Kranker Unterhachinger Bub kann zur Delfintherapie
Wo einst die Kelten hausten
Wo einst die Kelten hausten

Kommentare