„Wir bauen eine Schule für die Zukunft“

Der Neubau der Grund- und Hauptschule am Sportpark  … und kein Ende: Die Mai-Sitzung des Unterhachinger Gemeinderats hat es dank dieses Tagesordnungspunktes doch tatsächlich in die Top 10 der längsten Gemeinderatssitzungen in Unterhaching seit dem Jahr 1996 geschafft. Dabei ist man sich im Gremium weitgehend einig, nicht nur bezüglich des Standorts, sondern auch im Hinblick auf die nochmals konkretisierten Planungen der Architekten und nicht zuletzt der für den Neubau veranschlagten Kosten. Höchstens 29 Millionen Euro ist die Gemeinde bereit auszugeben, dieser Beschluss erging nach vergleichsweise kurzer Diskussion einstimmig.

Zuvor hatte es allerdings einige Punkte und Ausgabenposten gegeben, die einzelnen Gemeinderäten nicht so ganz zusagten: Gegen die fünf Stimmen der Fraktion der Grünen sowie von CSU-Rat Anton Schrobenhauser fand der schon in der April-Sitzung und in den Ausschüssen heftig diskutierte Tunnelgang zwischen Schulgebäude und Sporthalle (HALLO berichtete) die dann doch immerhin deutliche Zustimmung der Unterhachinger Räte. Allerdings wird es nun, entgegen der ersten Vorstellungen der Planer, eine abgespeckte Tunnelversion mit einem angemessenen, will heißen nicht übertrieben teuren Beleuchtungskonzept, das statt über 80.000 Euro wohl dann nur rund 10.000 Euro kosten soll, geben. Auch die weiteren gefassten Beschlüsse fielen ähnlich deutlich aus: So entschied sich der Gemeinderat gegen die Stimmen von Bernhard Heidacher (Freie Wähler) und Alfons Hofstetter (parteilos) dafür, die geplanten Fahrradstellplätze durch eine niedrige Hecke oder zumindest eine Grünfläche vom Pausenhof abzugrenzen und für eine Überdachung der Fahrradstellplätze – bei einer Gegenstimme, dieses Mal von Walter Hermann (CSU) – bis maximal 20.000 Euro auszugeben. Rund 28.000 Euro werden insgesamt eingespart, wenn in der Schule für die Böden statt Industrieparkett Linoleum verwendet wird – gegen diese Einsparungsmaßnahme sprachen sich drei Räte aus. Auf viel Gegenliebe seitens des Gremiums stieß der Vorschlag der Planer, in der Turnhalle aus Gründen des Schallschutzes und der besseren Akustik wegen eine Akustikdecke einzuziehen. Franz Felzmann und Anton Schrobenhauser (beide CSU) hätten auf diese vergleichsweise kostenintensive Maßnahme zwar gut und gerne verzichten können, hatten aber keine Chance gegen die Argumente der Planer und Bürgermeister Wolfgang Panzers, die eine Nachrüstung als problematisch und optisch weniger ansprechend bezeichnet hatten. Mit der Akustikdecke wird ein besserer Schallschutz erreicht, der laut Chefplaner Vollmann „bei längerem Aufenthalt in der Turnhalle langfristig zu einem größeren Wohlbefinden“ führen wird. Auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Renate Brosseder konnte diese Entscheidung nur begrüßen: „Wir bauen hier doch eine Schule für die Zukunft. Und wenn es um die Gesundheit geht, dann sollten wir beim Sparen etwas zurückhaltender sein.“ Etwas zurückhaltender beim Sparen waren die Räte dann auch im Hinblick auf eine andere Entscheidung, allerdings hier nicht in erster Linie aus gesundheitlichen, sondern vielmehr aus pragmatischen Gründen: Der zweite Aufzug in der Sporthalle, der immerhin rund 50.000 Euro kosten soll und mit dessen Hilfe behinderte Menschen und Geräte besser in den etwas tiefer gelegten Sporthallenbereich transportiert werden können, wird kommen, auch wenn sich hier Gertraud Schubert (Grüne) und Richard Raiser (CSU) dagegen aussprachen. Einig war sich der Gemeinderat dann nochmals in der Frage, für die Beläge im Außenbereich die deutlich kostengünstigere Lösung zu wählen (40.000 statt 150.000 Euro) und durch das Weglassen von Spielgeräten im Pausenhof weitere rund 50.000 Euro einzusparen. In beiden Fällen kann gegebenenfalls später nachgerüstet werden, so dass sich diese Einsparungen zuallererst positiv auf den Geldsäckel auswirken. Sämtliche dieser Entscheidungen zur Einsparung von Geldern werden von Projektsteuerer Gerhard Neuwirth in die Pläne eingearbeitet und die 29 Millionen Euro als absolute Obergrenze festgeschrieben. Dieser Beschluss erging einstimmig. Neuwirth äußerte sich in der Sitzung optimistisch, dass noch weitere Einsparungen möglich sein sollten, spätestens in der Juni-Sitzung soll dann hierüber sowie über die Baugenehmigung abschließend beschlossen werden. „Raumschiff oder Krake?“ Am längsten und kontroversesten diskutierten die Unterhachinger Gemeinderäte einmal mehr über die geplante unterirdische Verbindung zwischen Schulgebäude und Sporthalle. Was insofern ein wenig verwunderte, weil exakt dieses Thema bereits mehr als ausführlich in der April-Sitzung des Gemeinderats sowie in den Mai-Sitzungen der Ausschüsse behandelt wurde. Aber am Tunnel scheiden sich offenbar die Geister der Kommunalvertreter. Die Grünen bekräftigten einmal mehr ihre ablehnende Haltung gegenüber dem geplanten Tunnelgang. Die von den Planern anfänglich veranschlagten Kosten in Höhe von rund 400.000 Euro waren ihnen zu hoch. Dieses Geld, so die Meinung der erklärten Tunnelgegner, sei besser in die technische Ausstattung der Schule zu investieren. Die CSU hingegen zeigte sich – mit Ausnahme von Anton Schrobenhauser – nicht unbedingt als Tunnelgegner, ihnen missfiel laut ihrem Fraktionsvorsitzenden Franz Felzmann vor allem das „übertriebene Beleuchtungskonzept“ und die verschlungene Form des Tunnels: „Den Tunnel wollen wir zumindest in dieser Form vor allem aus Sicherheitsgründen nicht. Wäre er gerade und hätte eine vernünftige Breite, dann könnten wir damit leben. Grundsätzlich finden wir eine Verbindung zwischen Schulgebäude und Turnhalle aber sinnvoll.“ Der unterirdische Verbindungsgang, und daran ließ Bürgermeister Wolfgang Panzer keinen Zweifel, entspricht auch keinen Wunschvorstellungen der Gemeinde oder der Planer, sondern ist vielmehr der Wunsch der Nutzer, sprich Schulleiter, Lehrer und Eltern. Allerdings wollen wohl auch diese keinen „Luxus-Tunnel“, sondern lediglich einen Verbindungsgang, der gerne gerade sein darf und erst recht nicht mit einem und teureren Beleuchtungssystem versehen sein muss. Über den Tunnel wurde schließlich noch lange diskutiert, bis SPD-Rätin Renate Brosseder dem Spuk respektive der sich im Kreis drehenden Diskussion endlich ein Ende bereitete: „Natürlich können wir noch bis 24 Uhr diskutieren und dann abstimmen. Aber wir sollten jetzt zu einem Ergebnis kommen. Irgendwann ist mal Schluss, wir müssen das Rad nicht in jeder Sitzung neu erfinden“. Zuvor hatte Architekt Birger Theobald nochmals darauf hingewiesen, dass man die Schule selbstverständlich nicht um den Tunnel herumgebaut habe, sondern dass in die Planungen neben den Wünschen der Nutzer natürlich auch noch ästhetische und pragmatische Aspekte mit eingeflossen seien. Auch Bürgermeister Panzer war an diesem Abend offen für Ideen, Vorstellungen und Wünsche seitens der Räte: „Bei einem 30-Millionen-Euro teueren Projekt können wir über alles reden. Auch darüber, die Sporthalle ebenerdig hinzustellen.“ Oder auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage zu installieren – laut Panzer handelt es sich allerdings hierbei um eine Entscheidung, die noch bis zur geplanten Fertigstellung der Schule im Jahr 2013 Zeit hat. Geplant ist, dass die Schule als Passivenergiehaus gebaut wird und somit eine deutlich bessere Energiebilanz aufweisen wird als es bei der derzeitigen Schule in der Fasanenstraße der Fall ist. Bemerkenswert war schließlich noch eine Einlassung von SPD-Rat Peter Wöstenbrink, der mit der von den Planern in erster Linie aus optisch-ästhetischen Gründen vorgesehenen Kuppel im Eingangsbereich deutlich andere Assoziationen verband: „Soll die Aula nun eine Krake oder ein Raumschiff darstellen?“ – ja –

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