Wenn Lernen verführt und Tiger zahnlos sind

Geht es nach Karl-Heinz Eisfeld, dem Vorsitzenden des Bayerischen Volkshochschulverbandes und Leiter der Volkshochschule (VHS) SüdOst (für Ottobrunn und Neubiberg), dann haben Volkshochschulen einen ganz wichtigen Auftrag, der nur in einem anderen Kontext möglicherweise für etwas Aufregung und Diskussionen sorgen könnte: „Zum Lernen verführen“, so lautete eine der Schlussfolgerungen des VHS-Experten Eisfeld, der auf Antrag der Fraktion der Grünen in der jüngsten Unterhachinger Gemeinderatssitzung einen interessanten Vortrag zum Verhältnis der Volkshochschulen zu den Kommunen sowie deren Aufgaben in der Erwachsenenbildung gehalten hat.

In der November-Sitzung hatten einige Gemeinderäte aus den Reihen der CSU das Sparkonzept von Barbara Sporrer, die die VHS Hachinger Tal leitet, aufs heftigste kritisiert. In der Januar-Sitzung rückte nun Karl-Heinz Eisfeld einiges gerade, auch wenn sein Vortrag sehr allgemein gehalten war und natürlich nicht explizit auf die Rahmenbedingungen und Verhältnisse in Unterhaching beziehungsweise im Hachinger Tal abzielte. Die Unterhachinger Räte bekamen aber dennoch einen ganz guten Einblick in die Thematik, denn Eisfeld begann seinen Vortrag mit der Frage „Wie viel Volkshochschule braucht der Mensch?“ Die Antwort liegt natürlich nicht so klar auf der Hand und lässt sich auch nicht ausschließlich durch Zahlen oder Prozentwerte beantworten und ist vor allem von Kommune zu Kommune unterschiedlich: Manche Gemeinden, so Eisfeld, würden die Erwachsenenbildung zu 70 Prozent, andere wiederum nur zu 30 Prozent finanzieren. Die „aktivierende kommunale Bildungspolitik“ stellt für Eisfeld in jedem Fall eine Grundversorgung dar, die sogar in der Verfassung für den Freistaat Bayern im Artikel 139 fest verankert sei. Für den studierten Kaufmann und Germanisten bedeutet aktivierende Bildungspolitik eben nichts anderes als „zum Lernen zu verführen“, wobei Volkshochschulen heutzutage auch die „harten“ Faktoren wie wirtschaftliches und kundenorientiertes Denken und Handeln nicht mehr außer Acht lassen dürften. „Den öffentlichen Auftrag unternehmerisch umsetzen“, so heißt es bei Eisfeld, die Rendite ließe sich im Fall einer dem Gemeinwohl verpflichtenden Einrichtung wie der VHS wohl am besten an der Weiterbildungsquote bemessen. Eisfeld hielt zum Abschluss noch zwei Bonmots für die Gemeinderäte parat: Für die Lehrer laute das Gebot: „Du sollst den Haushaltsplan ehren“, für die Kommunalpolitiker hingegen: „Du sollst den Haushaltsplan nicht höher achten als den Lehrplan“. Ob seine Worte den einen oder anderen Kommunalpolitiker ein wenig zum Nachdenken gebracht haben, dürfte sich spätestens in der Sitzung vom 23. Februar, in der die Beschlussfassung über den Haushalt für das Jahr 2011 auf der Agenda stand, offenbart haben (Berichterstattung hierzu folgt in einer der nächsten Ausgaben). Die Vertreter aller im Gemeinderat vertretenen Fraktionen würdigten den Vortrag von Karl-Heinz Eisfeld in jedem Fall in gebotener Form und Bürgermeister Wolfgang Panzer merkte hierzu abschließend an: „Der Vortrag hat sicher einiges gefestigt“. Im weiteren Sitzungsverlauf widmeten sich die Gemeinderäte dann wieder anderen wichtigen die Gemeinde betreffenden Themen: So erhielt Gertraud Schubert, die zuletzt in der November-Sitzung für den Kreisverkehr am Grünwalder Weg eine Querungshilfe für Fußgänger (zum Beispiel in Form eines Zebrastreifens) gefordert hatte und damit bei Polizei und Verwaltung bis dato auf wenig Begeisterung gestoßen war, von Wolfgang Panzer die Antwort, dass man hier – im Rahmen der weiteren Verkehrs- und Ortsentwicklungsplanung – vielleicht doch noch ein Gutachten einholen wolle. Abgefackelt Später berichtete dann Bürgermeister Wolfgang Panzer von einem Wertstoffhäuschen an der Wilmannstraße, „das uns an Silvester leider verlassen hat“. Ob hier Brandstiftung im Spiel war oder der Brand auf einen verirrten Silvesterknaller respektive auf Fahrlässigkeit zurückzuführen ist, hatte sich Panzer zufolge nicht feststellen lassen. Der Kostenansatz für die geplante Ersatzbeschaffung liegt nun allerdings deutlich höher als der von der Versicherung ersetzte Zeitwert (der auf rund 17.000 Euro geschätzt wurde), er wird von Seiten der Verwaltung mit immerhin 60.000 Euro beziffert. Wobei man seitens der Gemeinde allerdings davon ausgeht, dass man die Kosten noch auf unter 50.000 Euro drücken kann, zu diesem auf den ersten Blick nicht ganz günstigen Preis bekommt man dann aber offenbar auch ein modernes, in Modularbauweise erstelltes Wertstoffhäuschen. Die Kosten für diese Deluxe-Anfertigung sollen im Haushalt für das Jahr 2011 eingeplant werden. Erfreulicher war da schon eine andere Nachricht, die Panzer zu verkünden hatte: Die Caritas-Sozialstation soll noch in diesem Jahr in die ehemaligen Räumlichkeiten der VR-Bank an der Von-Stauffenberg-Stra­ße 20 einziehen. Verheerend Zu guter Letzt meldeten sich in der Sitzung unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen an den Vorsitzenden“ noch einige Gemeinderäte zu Wort. So wollte der 2. Bürgermeister Alfons Hofstetter wissen, ob die sanitären Einrichtungen in der Jahnschule tatsächlich, wie von Eltern berichtet, in einem „verheerenden Zustand“ seien. Wolfgang Panzer entgegnete, dass er auf der letzten Elternbeiratssitzung nicht auf diesen angeblichen Missstand aufmerksam gemacht worden sei, gleichzeitig versprach er Hof­- stetter aber, dass man der Sache nachgehen werde. Wenig glücklich ist der CSU-Fraktionsvorsitzende Franz Felzmann über die Tatsache, dass die Autobahnunterführung in der Isartalstraße seit geraumer Zeit als Wohnmobilpark beziehungsweise -abstellplatz missbraucht wird. Allerdings scheinen der Gemeinde hier die Hände gebunden zu sein, denn laut Bürgermeister Panzer liegen besagte Wohnmobil-Stellplätze nicht mehr auf Gemeindegebiet. Zuständig sei die Autobahndirektion, die sich aber selbst schlüssigen Argumenten (wie zum Beispiel von den Wohnmobilen möglicherweise ausgehenden Brandgefahren) immer verschlossen und bis dato nichts gegen die „Wild-Parker“ unternommen hat. Panzer will hier nochmals tätig werden, befürchtet aber, dass die Gemeinde Unterhaching in dieser Angelegenheit wohl leider „als zahnloser Tiger“ auftritt. Immerhin hatte der Bürgermeister für den CSU-Mann insofern eine positive Nachricht parat, als dass er einen baldigen Relaunch der Internet-Seiten der Gemeinde Unterhaching ankündigte: Alle künftigen Bebauungspläne und sonstigen Vorhaben der Gemeinde könnten und würden dann in Zukunft zeitnah und ausführlich auf der Webseite veröffentlicht werden. – ja –

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