Käpt‘n Iglos Expedition Richtung Kanzleramt

Wegen Corona: Besuch von Robert Habeck in Unterhaching abgesagt

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Robert Habeck, der Bundesvorsitzende der Grünen sollte als Höhepunkt der Kommunalwahl nach Unterhaching kommen. Nun wurde die Veranstaltung wegen des Coronavirus abgesagt.

Unterhaching – Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn Robert Habeck in der Schule ein besserer Sänger gewesen wäre. Die Geschichte dazu ist schnell erzählt: Habeck spielte in der „Dreigroschenoper“ mit — nur mit dem Singen wollte es einfach nicht funktionierten. Er fragte seinen Freund Jan, warum es bei ihm besser klingen würde, obwohl er eigentlich nicht besser singen könnte. Dessen Antwort: „Du musst dir vornehmen, selbstbewusst zu sein, um selbstbewusst zu werden.“ Die Folgen davon bekommt nun ganz Deutschland zu spüren. Denn was bei Robert Habeck echt ist und was gespielt, das lässt sich auch heute manchmal nur schwer auseinanderhalten. Wenn es ums Verkaufen geht, ist heutzutage oft von Alleinstellungsmerkmalen die Rede. 

Robert Habeck hat davon eine ganze Reihe: Er sieht anders aus (verwuschelte Haare, unrasiert), er zieht sich anders an (keine Krawatten, die Hemden gerne falsch geknöpft) und vor allem redet er anders als seine Kollegen in Amt und Würde. „Politiker? Das sind doch die anderen, die alten Männer mit den dicken Bäuchen, die ­Schnösel mit den Nadelstreifenanzügen, die man immer verachtet hat. Politik, das ist Uneigentlichkeit und Zynismus“, schrieb er in einem seiner Bücher. Der Mann ist Doktor der Philosophie und Schriftsteller – und man merkt es. 

Nach fast 15 Jahren Kanzlerschaft einer nüchternen Physikerin ist das zumindest erfrischend. Sollte Habeck tatsächlich auf Angela Merkel folgen, es wäre nicht nur eine grüne Revolution. Wie sehr es ihn in Deutschlands Machtzentrale zieht, lässt Habeck gerne unbeantwortet. Der parteiinterne Frieden der Doppelspitze mit Annalena Baerbock ist heilig. Denn wozu interner Streit und offene Führungsfragen führen, demonstrieren die alten Volksparteien seit Monaten. Und das Erfolgsgeheimnis der Grünen ist neben dem Klima-Zeitgeist auch die Tatsache, dass sie niemanden mehr verschrecken. 

Die Zeiten, in denen die Grünen mit dem Vorschlag eines Veggie-Days in deutschen Kantinen Stimmen verloren haben, sind längst vorbei. Alles, nur nicht Verbotspartei, lautet seitdem das Motto. Zu viel Profil ist schlecht für die Umfragen. Was ihm andere zutrauen, ist dagegen längst kein Geheimnis mehr. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nannte Habeck unlängst den „Käpt‘n Iglo der Grünen“. Ein paar Tage später legte Söder nach: „Er erscheint mir momentan eher wie ein politischer Wanderprediger als ein strategisch agierender Parteivorsitzender.“ 

Worte, die Habeck mehr adeln als verletzen. Schließlich hat der Grüne derzeit keine echte Funktion inne. Kein Amt, aus dem heraus er mit Taten glänzen könnte. Habeck war stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung in Schleswig-Holstein. Aber so richtig ging sein Stern erst in den Fernsehtalkshows auf. Auch bei den Grünen finden das nicht alle toll. Annalena Baerbock hat mehr Rückhalt als Habeck. Aber an seine Fähigkeiten, Menschen zu interessieren, ihnen zuzuhören und Perspektiven für die Zukunft zu entwerfen, kommt sie nicht heran. Wenn die Grünen einen ernsthaften Kandidaten fürs Kanzleramt stellen wollen, dann muss es Habeck werden. 

Wie konkret ein Politiker Ziele und Wege benennen muss, um Vertrauen geschenkt zu bekommen, muss sich dann zeigen. Digitalisierung, Klimawandel, Flüchtlinge – um einen Kurswechsel der Politik in die Wege zu leiten, wäre es nicht ganz unsinnig, zunächst einmal einen Kurs zu haben. Mit einer weitgehend schweigenden Kanzlerin ist das problematisch. Mit jemandem, der sich extrem über das Wort definiert, wäre das anders. 

Auch wenn Habeck selbst glaubt, dass Deutschland dafür noch nicht bereit ist: „Warum haben Politiker keine Visionen mehr? Weil der Ruf nicht ehrlich ist. Denn Visionen auch umgesetzt sehen zu wollen, setzt voraus, dass man Veränderung will. Das Wahlverhalten in Deutschland widerspricht aber dem angeblich so starken Verlangen nach Visionen diametral.“ 

Marco Heinrich

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, wollte am Donnerstag, 12. März, um 16.30 Uhr zum Wahlkampfendspurt ins Kubiz nach Unterhaching kommen. Die Veranstaltung wurde aber kurzfristig wegen des Coronavirus abgesagt.


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