Endlich wieder freie Bahn – nur wie lange?

Vogelherdweg in Deisenhofen nach zwei Jahren wieder offen

+
Jörg Koppen von der Lokalen Agenda 21 in Oberhaching ist froh, dass Radfahrer und Fußgänger nach zwei Jahren Sperrung wieder den Vogelherdweg nutzen können.

„Die machen einen Schulwegplan, auf dem Gefahrenstellen stehen, und produzieren dann selbst Gefahrenstellen“, zeigt sich Jörg Koppen von der Lokalen Agenda 21 in Oberhaching über das Vorgehen der Gemeinde verärgert. Konkret bezieht er sich auf den unsicheren Schulweg für die Kinder an der Grundschule Deisenhofen in den vergangenen zwei Jahren. Grund dafür war die Sperrung des Vogelherdwegs aufgrund der Bauarbeiten an der Schule und dem Wendehammer zwischen Schulstraße und Vogelherdweg. Seit den Pfingstferien ist diese Verbindung nun wieder offen.

Darüber ist Koppen sehr froh, so könnten nun wieder Grundschule, Kindergarten, die Kirche St. Bartholomäus, der Bolzplatz und die Asylbewerberunterkunft sowie der Supermarkt an der Laufzorner Straße direkt und sicher zu Fuß und mit dem Rad erreicht werden. Dennoch ist für ihn weiterhin unverständlich, wie die Gemeinde Oberhaching diese wichtige Verbindung für Fußgänger und Radfahrer so lange sperren konnte ohne zumindest eine provisorische Umfahrung einzurichten. „Durch die Sperrung der Verbindung mussten die Grundschüler zweimal über die Sauerlacher Straße hinüber“, erklärt Koppen. Diese sei gerade morgens wegen der Pendler, die zum Bahnhof fahren, stark frequentiert. „Man kann froh sein, dass nichts passiert ist – wobei man das so genau ja gar nicht weiß“, erzählt er weiter. „Es ist Aufgabe einer Gemeinde, Vorsorge zu treffen“, stellt Koppen klar. Deshalb kontaktierte er auch 2017 die Verwaltung und bat zumindest den Trampelpfad, den einige Kinder gelaufen sind, mit Kies aufzufüllen. Auch dem wurde nicht nachgegangen.

Dass das nicht so ohne weitere geht, macht Jan Anders vom Bauamt Oberhaching deutlich: „Sobald die Gemeinde etwas macht, übernehmen wir auch die Verantwortung und die Verkehrssicherungspflicht. Dann hätten wir es nicht nur mit ein bisschen Kies, sondern richtig machen müssen. Und das ist dann schon wieder sehr aufwendig und teuer.“ Noch unverhältnismäßiger wäre laut Anders der Bau eines Provisoriums gewesen, das nur für zwei Jahre benötigt und dann wieder abgebaut hätte werden müssen. „Das sind natürlich alles Steuergelder. Da muss man immer abwägen. Wir als Gemeinde sind verantwortlich für alle Verkehrsteilnehmer.“ Laut des Verwaltungsangestellten sei durch die Sperrung für die Schüler kein großer Umweg entstanden. „Auch wenn es sicherlich nicht die Qualität eines Vogelherdwegs hatte“, räumt er ein.

Dass die Sperrung so lange dauert, war nicht geplant. Ursprünglich sollte der Weg nur für ein Jahr geschlossen sein. Aufgrund eines Brands an der Turnhalle und eines Wasserschadens hatte sich die Bauzeit laut Anders aber um rund neun Monate verlängert. Koppens Anfrage für ein Provisorium wurde unter anderem mit dem Argument abgelehnt, dass es sich für ein Jahr nicht lohne. Auch wenn die Gemeinde vorher nicht wissen konnte, dass der Bau länger dauert, hätte man laut Koppen anders handeln sollen: „Die dachten zwar, es dauert nur ein Jahr, aber auch ein Jahr ist im Grunde zu viel“, betont er. „Beim Auto wäre das nie passiert“, ist sich Koppen sicher.

Und obwohl er nun sehr glücklich über das Ende der Sperrung ist, hat der Oberhachinger bereits neue Sorgenfalten auf der Stirn. Grund ist der geplante Schulcampus mit Realschule und FOS auf der freien Fläche zwischen dem S-Bahnhof Dei­senhofen und der Kirche St. Bartholomäus. „Jetzt besteht die Gefahr, dass diese schöne Verbindung wieder wegen Bauarbeiten unterbrochen wird“, äußert Koppen besorgt. Bauamtsmitarbeiter Anders kann dazu noch keine konkreten Angaben machen: „Für den Schulcampus bestehen noch keine Planungen, nur Überlegungen. Wir würden die Erschließung vermutlich komplett neu bauen müssen an der Stelle. Eventuell müsste der Vogelherdweg dann neu gestaltet oder ausgebaut werden.“ Aber auch der Gemeinde ist an dem Weg gelegen, wie Anders erklärt: „Grundsätzlich halten wir diese Verbindung für sinnvoll.“ Ob der gute Wille reicht, um eine erneute Sperrung zu verhindern, bleibt ungewiss. ­Zumindest fürs erste können die Bürger nun die Vorzüge des autofreien Wegs wieder nutzen. 

Iris Janda

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Gemeinderat Taufkirchen finanziert neuen Fußballplatz
Gemeinderat Taufkirchen finanziert neuen Fußballplatz
Sauerlacher CSU-Ortshauptversammlung votierte für Zellner als Bürgermeisterkandidaten 
Sauerlacher CSU-Ortshauptversammlung votierte für Zellner als Bürgermeisterkandidaten 
Unterhachinger Grünen-Rätinnen treten wegen Streit mit Vorsitzender aus Partei aus
Unterhachinger Grünen-Rätinnen treten wegen Streit mit Vorsitzender aus Partei aus
Oberhachinger Bäcker gewinnt Prozess um Verkauf von Semmeln am Sonntag
Oberhachinger Bäcker gewinnt Prozess um Verkauf von Semmeln am Sonntag

Kommentare