Verantwortung übernehmen

Stefan Schelle, erster Bürgermeister der Gemeinde Oberhaching

Oberhachings 1. Bürgermeister zum Jahreswechsel

VON STEFAN SCHELLE Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger im Hachinger Tal, zunächst wünsche ich Ihnen allen ein glückliches und gesundes, ein gutes Neues Jahr 2012! In einem Interview des Magazins SPIEGEL (DER SPIEGEL 34/2011) im August des vergangenen Jahres bezweifelt die stellvertretende Außenministerin Chinas, Frau Fu Ying, dass westliche Demokratien als Staatsform die wichtigen Probleme wie etwa die Staatsverschuldung in den Griff bekommen können. Ganz ehrlich, das Interview hat mich schon bewegt. Lässt sich ein Gemeinwesen wirklich nicht mehr demokratisch organisieren, weil alle nur noch an sich denken? Kriegen wir das noch auf die Reihe? Vor fast 200 Jahren haben die Gemeinden in ganz Bayern, haben die Menschen in der Verfassung zum ersten Mal weitgehende Rechte zugestanden bekommen. Übrigens auch, weil Bayern hoch verschuldet war und neben den Zugeständnissen der König schon auch darauf geschaut hat, dass die Gemeinden und Parlamente ihre neuen, eigenen Aufgaben auch über eigene Steuern selbst finanzieren. Gestärkt durch Verfassung und Grundgesetz nach dem Weltkrieg haben die Gemeinden, haben es die Bürgerinnen und Bürger selbst in der Hand, die eigene Zukunft demokratisch zu gestalten. Damit haben wir aber auch im wahrsten Sinne des Wortes die Gesamtverantwortung. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir dieses Recht wieder mit mehr Selbstbewusstsein, vor allem aber mit viel Verantwortungsbewusstsein wahr nehmen. Wir müssen uns wieder mehr auf unsere eigenen Stärken besinnen und nicht immer nach dem Staat, nach der Gemeinde rufen. Staatsverschuldung fängt auch bei uns in den Gemeinden an, beginnt bei unserem Anspruchsdenken, bei unseren Egoismen. Klimaschutz beginnt bei unseren Emissionen, beginnt bei unserem Autofahren und beim Nahwärmeanschluss vor unserer Haustüre. Die Verantwortung für Erziehung und Bildung unserer Kinder beginnt bei uns, in den Familien, in der Nachbarschaft. Die Verantwortung für die Gesellschaft beginnt beim Miteinander im Hausflur. Ein Vorstand eines Vereins, eine Pfarrverwaltung oder ein Gemeinderat, der Elternbeirat einer Schule, alle diese Gremien sind kein Podium für Selbstdarstellung und Egoismus. Sie sind vielmehr ein wichtiger Baustein unserer demokratischen Grundordnung. Und wir sollten dankbar sein, wenn sich Menschen ehrenamtlich dieser Verantwortung stellen, trotz des Zeitaufwandes, trotz der Kritik. Ich wünsche mir für das kommende Jahr, dass wir uns eben wieder mehr unserer eigenen Verantwortung bewusst werden. Dass wir, auch in der Verantwortung für die nächste Generation die Zukunft unserer Heimat in die eigenen Hände nehmen. Es liegt an uns, an jedem von uns, wenn Demokratie funktionieren soll. Wenn wir uns gemeinsam auf diesen Weg machen, dann, da bin ich fest überzeugt, wird es sicher ein gutes Jahr, dieses neue Jahr 2012! Mit den besten Wünschen Ihr Stefan Schelle

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