Unterhachings neue Turnhoffnungen sind weiblich

Marcel Nguyens Erbinnen

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Der Schwebebalken verlangt alles ab: Das wissen der erfolgreiche Landestrainer Dieter Koch und seine Vorzeige-Turnerin Leonie Papke als Deutsche Meisterin nur zu gut.

Ein Star-Trainer baut derzeit in Unterhaching die weiblichen Turnstars von morgen auf. Bayerische Meistertitel sind dabei längst nicht der Anspruch – vielmehr sollen die Mädchen 2020 bei Olympia antreten!

Leonie Papke wird eins mit dem Schwebebalken, sie umschmiegt das Gerät mit ihrem zierlichen Körper. Auch Überschlag und Flik-Flak bringt die junge Unterhachinger Vorzeigeturnerin auf dem schmalen Holzbalken sicher zum Stand. Der Abgang passt, der Coach ist zufrieden.

Trainingsszenerie und Übungsalltag beim TSV Unterhaching, wo Landestrainer Dieter Koch kräftigen Wind in das lange stagnierende Mädchen- und Frauenturnen geblasen hat. Vorzeigeathletin Leonie Papke ebenso wie ihre genauso hoffnungsvollen Kolleginnen Tabea Landau und Chiara Strecker haben mittlerweile ein großes Ziel: 2020 bei den Olympischen Spielen im Turn-Mutterland Japan wollen die drei mit von der Partie sein!

Der TSV Unterhaching gilt in der Branche längst als ausgemachte Talenteschmiede. Bisher allerdings vorwiegend bei den Jungs. Marcel Nguyen und Lukas Dauser heißen die noch bekannteren Aushängeschilder. Doch akribisch werkelnde Damen in der heimischen Sporthalle am Utzweg wollen an diesen Grundfesten nun rütteln. „Der engere Kreis unserer Leistungsturnerinnen umfasst derzeit bereits zehn Mädchen“, erklärt Dieter Koch stolz. „Mittlerweile sind wir ebenbürtig mit den Jungs!“

Koch weiß, wovon er spricht. Bevor er 2012 als Landestrainer in München und Unterhaching anheuerte, hatte er bereits von 1997 bis 2000 als deutscher Nationaltrainer gewirkt oder vor deren Heim- olympiade in London 2012 die britischen Turnhoffnungen veredelt. Seit 40 Jahren arbeitet der heute 62-Jährige bereits im Turnsport, brachte als Stützpunkttrainer etwa in Nordrhein-Westfalen ab 1981 die ersten eigenen Turnasse zu Weltmeisterschaften. „Unterhaching begreife ich als Langzeitprojekt“, betont der mitunter auch energische Übungsleiter.

Kochs wachen Trainer-Augen entgeht nichts. „Der lange Atem und die tolle Arbeit der vielen auch ehrenamtlichen Trainer und Betreuer hier in Unterhaching werden sich auszahlen“, ist Koch vom Ansatz im Verein und am Stützpunkt des Bayerischen Turnverbandes überzeugt. „In den drei ersten Jahren haben wir schon viel erreicht“. So wurde Leonie Papke Deutsche Meisterin am Schwebebalken; und auch die anderen Turn-Grazien glänzen durch nationale Erfolge und werden inzwischen mit National- und Landeskader-Nominierungen belohnt.

Die Mädchen leisten aber auch Immenses: „Unsere Topleute trainieren etwa acht bis neun Einheiten pro Woche für mehr Kraft, Dehnung und Kondition“, verrät Koch: Die erst 13-jährige Leonie Papke etwa trainiere 25 Stunden pro Woche.

Längst nicht alle seiner Spitzenkräfte stammen aus Unterhaching. „Hier kommt unser tolles Konzept zum Tragen“, berichtet der Coach. Viele der Mädchen seien in Gastfamilien oder bei Turn-Kolleginnen untergebracht. Zudem gebe es eine gute Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Unterhaching. Weiteres Plus seien die kurzen Wege zwischen Wohnstätte, Gymnasium und der Trainingshalle mit Topbedingungen in Rufweite. „Da kann man schon etwas aufbauen“.

Koch hat sich bis 2020 an Verein und Bayerischen Verband gebunden – die den Top-Trainer jeweils hälftig bezahlen. Koch weiß auch aus eigener Erfahrung, wie hart sich der Turnsport anfühlt. Lange Zeit war er selbst als Leistungsturner aktiv – unter anderem in einer Riege mit Olympiasieger-Vater Wolfgang Hambüchen. Olympia hatte er selbst einst nur knapp verpasst. Aber der Trainerberuf ist viel mehr noch Kochs Sache. „Hier bei den ehrgeizigen Mädchen in Unterhaching macht es Riesenspaß, es werden Grundlagen dieser herrlichen Sportart gelegt und in die richtige Richtung entwickelt.“ Harald Hettich

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