„Habe am eigenen Leibe gespürt, dass Frauen benachteiligt werden“

Die Unterhachingerin Waltraud Rensch wird geehrt

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Als Waltraud Rensch zunächst ohne ihren Mann von Stuttgart nach München zurückzog, um dort zu arbeiten, wollte ihr die Bank kein Konto ohne die Einwilligung ihres Mannes eröffnen. Für den Arbeitgeber hätte sie eine Erlaubnis des Gatten vorweisen müssen und auch ihre Versicherung sollte der Ehemann unterschreiben. Das war noch bevor die Reform des Ehe- und Familienrechts 1977 in Kraft trat. Ausgangspunkt ihres politischen Engagements, das heuer mit der Ehrenbürgerschaft Unterhachings gewürdigt wird. 2014 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Im Gespräch mit HALLO erzählt sie aus ihrem Leben.

Wie kamen Sie zu Ihrem gesellschaftspolitischen Engagement?

Ich war eigentlich schon immer politisch interessiert. Und als ich für ein halbes Jahr ohne meinen Mann aus Stuttgart wieder nach München kam, habe ich es am eigenen Leibe gespürt, dass Frauen benachteiligt werden. Von da an habe ich das Thema Gleichberechtigung verfolgt. Auch vom Elternhaus her war es noch so: Mein Bruder sollte Abitur machen, ich als Tochter nicht. Ich habe erst eine Ausbildung absolviert, dann das Abitur nachgemacht und ein Studium der Psychologie begonnen. Da ich meine Praktika hätte selber zahlen müssen, hat das Geld nicht gereicht und ich musste aufhören.

Wann sind Sie politisch aktiv geworden?

Eigentlich wollte ich schon 1972 in die SPD eintreten, aber da war mein Sohn erst ein Jahr alt. Ende September 1982 brachte mein Mann ein Informationsblatt mit Aufnahmeantrag der SPD vom Bahnhof mit: Den habe ich dann ausgefüllt. Ich war dann als erstes bei den sozialdemokratischen Frauen im Landkreis aktiv, wurde 1985 Vorsitzende der SPD Unterhaching, kam 1990 in den Gemeinderat und 1996 in den Kreistag, dem ich bis 2014 angehörte. Mein Ziel war es immer, die Frauenrechte und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken. Und mit einem Mandat kann man das besser. Wir haben dann als erste Gemeinde im Landkreis eine Kinderkrippe eingerichtet.

Konnten Sie denn gleich etwas bewegen?

Zu Anfang habe ich Seminare besucht, ich war ja vorher noch nicht mal in einem Verein tätig gewesen. 1995 haben wir Landkreis übergreifend das Projekt SIMLA, die Solar Initiative München Land e.V. ins Leben gerufen, mit Unterstützung von Otto Schily, damals Bundestagskandidat. Satzungsziel des Vereins wurde die „Förderung des Umweltschutzes durch die Anwendung der Solarenergie in allen ihren Formen im Landkreis München“ formuliert. Das war damals neu. Auch an der Gründung der Initiative „Unser Land München“ war ich beteiligt, ein Netzwerk, das regionale Lebensmittel anbietet.

Was machen Sie noch alles?

Ich habe bis 2001 immer gearbeitet, um keine Beitragslücken bei meiner Rente aufkommen zu lassen. Danach konnte ich mich noch intensiver mit Themen beschäftigen. Ich mache mir gerne selber ein Bild, aber dafür braucht man Zeit. So haben wir 2008 den „Unterhachinger Treffpunkt“ gegründet, eine Initiative der Agenda 21. Seit 2006 gab es eine Projektgruppe mit zehn Frauen, die die Inhalte und vor allem die Finanzierung plante. Er befindet sich am Hofmarkweg 12 beim Rathausplatz und finanziert sich auch über den Verkauf von Fair-Trade- und „Unser Land“-Produkten.

Wie sehen Sie das Thema Altersarmut?

Leider gibt es auch in einer reichen Gemeinde arme Menschen, vor allem Frauen, die sich oft schämen, Gelder oder Hilfe vom Staat in Anspruch zu nehmen. Oft erfahren wir nur über Nachbarn, das es bei jemandem mangelt. Hier könnte noch mehr getan werden.

Was haben Sie noch für Interessen?

Ich gehe sehr gerne zu den Fußballspielen der SpVgg Unterhaching. Ich reise gerne und lerne andere Länder und Menschen kennen, bin auch im Städtpartnerschaftsverein. Als Vorsitzende der AWO Unterhaching bin ich bei der Betreuung von Asylbewerbern tätig.

Was schätzen Sie an Unterhaching?

Wir haben ein reiches Vereinsleben und ein vielfältiges Kulturangebot. Unterhaching ist schön grün, trotz aller Bautätigkeit. Es ist nah an München und trotzdem dörflich. Man kommt schnell in die Berge. Ich bin viel mit dem Radl unterwegs. Früher dachte ich, ich würde einmal wegziehen, aber ich hänge doch sehr an meiner Heimat, vielleicht weil ich dazu beitragen konnte, wie sich vieles entwickelt hat.

Interview: Claudia Engmann

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