„Trotzdem sicheres Event“

Nach Saisoneröffnung der Unterhachinger Volleyballer, müssen Teilnehmer in Quarantäne

Nach 14 Tagen Häuslicher Quarantäne dürfen die Volleyballer zum Ende der Woche wieder trainieren.
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Nach 14 Tagen Häuslicher Quarantäne dürfen die Volleyballer zum Ende der Woche wieder trainieren.

Unterhaching – Eine Fahrt mit dem Mannschaftsbus zu den Bavaria Filmstudios, eine VIP-Führung und die Vorstellung des Teams mit anschließendem Buffet – mit diesem umfangreichen Programm eröffnete der TSV Unterhaching am 1. Oktober feierlich die Volleyball-Saison. Knapp 14 Tage später sitzen noch immer alle Teilnehmer der Veranstaltung zu Hause. 

Sie sind in Häuslicher Quarantäne. Fünf Tage nach dem Event erreichte alle der 40 Teilnehmer zuerst eine Benachrichtigung vom Veranstalter und dann die offizielle Anweisung vom Pandemie Krisenstab der Gemeinde Unterhaching. „Häusliche Quarantäne“ und „behördliche Anordnung“ hieß es darin. Ein Teilnehmer der Veranstaltung, der zu diesem Zeitpunkt keine Symptome hatte, spürte vier Tage danach Erkrankungsanzeichen, ließ sich auf das Covid19 testen und erhielt einen positiven Befund. 

„Alle Personen, die sich länger als 20 Minuten mit der positiv getesteten Person in dem Bus befunden haben, gelten laut Gesundheitsamt als Kontaktperson eins“, erklärt ein Mitarbeiter vom Krisenstab. Und das, obwohl die ganze Fahrt über Masken getragen werden mussten. Alle Personen, das bedeutet unter anderem auch Unterhachings Erste und Dritte Bürgermeister, Wolfgang Panzer und Richard Raiser. Und Kontaktperson eins bedeutet 14-tägige Häusliche Quarantäne ab dem Tag einer möglichen Infektion. 

Und dieser „Hausarrest“ ist ganz unabhängig davon einzuhalten, ob die Kontaktperson selbst negativ getestet wurde. Für das Unterhachinger Rathaus hieß das neben einer enormen Arbeitslast aufgrund der Rückverfolgung der Kontakte auch die Absage der Ausschuss- und Gemeinderatssitzungen im Oktober. Denn aus dem Homeoffice lässt sich diese nicht leiten und die hochschwangere Zweite Bürgermeisterin Johanna Zapf steht kurz vor der Entbindung und darf keine Risiken mehr eingehen. Auch für das Volleyballteam hieß es nun umplanen: Das erste Saisonauftaktspiel am kommenden Sonntag in Bühl muss verschoben werden. 

Die Quarantäne endet zwar für die Spieler am morgigen Donnerstag, jedoch wäre die Vorbereitungszeit zu knapp gewesen, denn das Team kann erst wieder ab Freitag trainieren. „Das ist zu wenig Zeit, um in die Bundesliga zu starten“, erklärt Bernhard Eiter vom TSV. Die VBL habe sich zum Glück sehr entgegenkommend gezeigt, ein Ausweichtermin für November werde gerade verhandelt. Für das erste Heimspiel gegen den Liga-Favoriten Berlin Recycling Volleys am 25. Oktober sehe es derzeit gut aus, so Eiter. 

Auch wenn man nie wissen könne, was kommt. Er sei sehr froh, dass kein weiterer Teilnehmer positiv getestet wurde. Schließlich wurde für die Veranstaltung ein Hygiene-Konzept erarbeitet: Während der Busfahrt musste durchgehend der Mund-Nasen-Schutz getragen werden, genauso in geschlossenen Räumen während der Führung durch die Filmstudios. Lediglich im gastronomischen Rahmen galt keine Maskenpflicht.

 Hätte die Quarantäne verhindert werden können? „Eine 100-prozentige Sicherheit wird man nie haben“, stellt Organisator Eiter klar. Trotz der jetzt unglücklichen Situation ziehe man dennoch ein positives Fazit: „Im Prinzip hat es als sicheres Event funktioniert, denn es gab keine weiteren Ansteckungen. Das hat uns gezeigt, dass wir solche Sachen veranstalten können.“ Trotzdem werde man natürlich als Verantwortliche die Veranstaltung hinterfragen. „Ob wir es nochmal machen würden, weiß ich nicht.“ 

Iris Janda

Kommentar

Unfreiwilliger Selbstversuch 

Auch die Redakteurin muss für 14 Tage zu Hause bleiben.

Als im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie die Menschen zu Hause bleiben sollten, wurde umgangssprachlich oft von „Quarantäne“ gesprochen. Was Häusliche Quarantäne wirklich bedeutet, musste ich nun am eigenen Leib erfahren. Denn auch Pressevertreter, die bei dem Volleyballer-Event dabei waren, wurden in Quarantäne geschickt. Das bedeutet, das Haus nicht zu verlassen – nicht einmal zum Müll raus bringen. Dass auch ein negativer Test an den 14 Tagen „Hausarrest“ nicht rütteln kann, war mir vorher nicht bewusst. 

Dank Balkon und vieler Videoanrufe waren der Mangel an Frischluft und sozialen Kontakten gut auszugleichen. Und so sauber war meine Wohnung selten. Trotzdem freue ich mich, am Freitag wieder vor die Tür treten zu dürfen. Nach einer Veranstaltung dürfen 40 Menschen ihr Haus nicht mehr verlassen – vor einem Jahr wäre das unvorstellbar gewesen. Aber es ist die neue Realität, in der wir leben und mit der wir zu leben lernen müssen. Ich werde auch weiterhin zu Terminen gehen, das ist Teil des Jobs. Nur weiß ich nun, dass ich jederzeit darauf vorbereitet sein muss, mein Heim zu hüten. 

Iris Janda

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