Eine Lkw-Ladung für den guten Zweck

Unterhachinger Umzugsspedition spendet übrig gebliebene Lagersachen ans Rote Kreuz

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Tobias Ritter, Chef der Umzugsspedition Ritter aus Unterhaching, spendet übrig gebliebene Spielsachen, Kinderkleidung und Kleidungsstücke von Filmproduktionen an das BRK.

Unterhaching – Was passiert eigentlich mit der Kleidung, die Schauspieler und Statisten in Film-, Serien- und Theaterproduktionen tragen? Kann sie jeder am Ende des Drehs mit nach Hause nehmen, gibt es einen großen Fundus oder wird alles im Internet verkauft? Wenn den Produktionsfirmen der Platz fehlt, lagern sie Kleidungsstücke ein – etwa bei der Umzugsspedition Ritter.

Die Firma hat ihr Büro und ein kleines Lager in Unterhaching, ein größeres befindet sich in Heimstetten. An einem kühlen Novembermorgen steht davor ein Lkw, der beladen wird. Ein nass-kalter Schneeregen hat eingesetzt, glücklicherweise ist der Ladebereich überdacht. Nicht nur das: „Das Lager hier wird sogar beheizt“, erklärt Geschäftsführer Tobias Ritter. Davon ist an diesem Morgen allerdings wenig zu spüren. Aber das steht auch nicht im Vordergrund. Viel wichtiger ist der Inhalt des Lkws und der Zweck seiner bevorstehenden Fahrt. Es geht nicht etwa zu einem Kunden, sondern zum Roten Kreuz (RK).

„Wir haben hier Kinderkleidung, Spielsachen, bunte Kleinmöbel und einen Kaufladen habe ich sogar auch gesehen. Der Besitzer der Sachen ist nicht mehr auffindbar und jetzt haben wir das Verwertungsrecht“, erzählt Ritter. Ursprünglich hat der Mieter der Lagerfläche Spenden für die Ukraine gesammelt und diese alle paar Wochen dorthin gebracht. Irgendwann gab es keine Lieferungen mehr und er lagerte die Spenden bei der Spedition Ritter ein. Doch das lief nur bis vor einem Jahr gut, weiß Ritter: „Seit Ende 2018 ist er verschollen und zahlt auch keine Miete für die Lagerfläche mehr. Wir haben dann ein Gerichtsverfahren eingeleitet und nach einem dreiviertel Jahr das Verwertungsrecht bekommen.“ Nun ist es Ritters Besitz. Theoretisch könne er die Sachen auch verkaufen. „Aber wir wollten das natürlich nicht, sondern dass die Spenden ihrem eigentlichen Zweck zukommen. Erst haben wir selbst versucht, einen Transport in die Ukraine zu organisieren. Als das nicht geklappt hat, haben wir uns an das Rote Kreuz gewandt“, erklärt Ritter und betont „Mir ist wichtig, dass die Sachen auch wirklich ankommen.“ Laut Roten Kreuz kommen die Sachen zum Teil in eine Region im ehemaligen Jugoslawien, in der 60 Prozent Arbeitslosigkeit herrscht. Manches soll auch an Hartz IV-Empfänger in München gehen.

Dass gelagerte Gegenstände so in den Besitz des Spediteurs kommen, ist keine Seltenheit: „Sowas kommt regelmäßig vor. Meistens sind es Privatleute, die sterben. Wenn es keine Erben gibt, öffnen wir die Container. Manchmal sind ganz schicke Sachen dabei“, meint Ritter grinsend. Eine goldene Nase kann sich daran aber kein Spediteur verdienen, verdeutlicht Ritter: „In der Lagerhaltung hat man meistens kein Glück. Die Leute lagern in der Regel nichts mit großem Wert. Meistens ist es Zeug, das man nicht weiter verkaufen oder verwerten kann.“ Elektronik­artikel seien nach fünf Jahren immer schon veraltet und wertlos. „Normalerweise entstehen dann noch zusätzliche Kosten für die Entsorgung“, erzählt der Geschäftsführer. Außerdem mache er schon vorab durch die nicht gezahlte Miete und den verlorenen Platz ein Minusgeschäft, „das ist totes Kapital.“ In diesem Fall aber eine Win-Win-Situation: Der Platz wird frei und gleichzeitig kann Bedürftigen geholfen werden. „Wir wissen natürlich nicht genau, was in den Kisten alles drinnen ist. Das wurde ja mal so für den sicheren Transport in die Ukraine gepackt“, meint Ritter. Ein paar Dinge sind dennoch zu erahnen. Aus einem der mit Folie geschnürten Pakete lugt ein Spielzeugrasenmäher hervor, auch ein flauschiger Teddybär und ein Kinderstuhl sind zu sehen.

Nicht nur die Sachen vom verschollen Mieter werden einem guten Zweck zugeführt. „Wir haben da noch ein bisschen aufgestockt“, erzählt Ritter lächelnd. Der Blick fällt auf mehrere Kleiderboxen. Darauf steht auf A4-Zetteln von welcher Filmproduktion die Kleidung stammt und was genau in der Box ist. „Zu uns kommen die Kostümbildner der Filmfirmen und schauen, welche der Kleidung noch für andere Produktionen hergenommen werden kann. Was sie nicht mehr brauchen, wird uns überlassen“, erklärt der Spediteur die Hintergründe. „So etwas wegzuwerfen, tut natürlich total weh. Das sind quasi neue Sachen, teilweise nur einmal getragen. Vielleicht entspricht manches nicht mehr ganz dem westeuropäischen Modegeschmack, aber anderswo freuen sich Leute darüber.“

In den Boxen sind die Kleidungsstücke alle auf Bügeln hängend und in Folien verpackt. Mit dabei sind Jeans, verschiedenste Oberteile, ein geblümter Hosenanzug, auch ein weißes Cocktailkleid mit glitzernden Applikationen funkelnd entgegen. In einer anderen Kiste sind Handtaschen, an einigen hängen sogar noch die Preisschilder. Nun geht alles mit den Spenden für die Kinder zum RK. Und am Ende trägt den trendigen Hosenanzug nicht mehr eine bekannte Schauspielerin, sondern vielleicht eine junge Frau aus Osteuropa, die sich das Stück selbst nie hätte leisten können. 

Iris Janda

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