Gute Ansätze reichen nicht mehr aus

Unterhachinger Schüler mit Petition erfolgreich

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Paul Schweller, Luca Zug, Alexander Spöri, Max Deisenhofer (Berichterstatter der Grünen aus dem Landtag), Leon Golz und Vitus Rabe kämpfen für mehr Aufklärung an Schulen über Depressionen.

Sechs Abiturienten des Lise-Meitner-Gymnasiums in Unterhaching ändern den bayerischen Lehrplan. Ihre Petition für mehr Aufklärung an Schulen über Depressionen wurde einstimmig vom Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags gewürdigt. Damit könnte die Petition tatsächlich ein Gesetz werden. Für ihr Engagement wurden die Schüler kürzlich von der AWO Neubiberg ausgezeichnet.

Mit einem Film über Depressionen bei Jugendlichen fing alles an. Vor gut eineinhalb Jahren. Mit ihrer Produktionsfirma MovieJam haben Alexander Spöri, Luca Zug, Colin Maidment, Leon Golz, Paul Schweller und Vitus Rabe sich dem Thema angenommen. Herausgekommen ist der Dokumentarfilm „Grau ist keine Farbe“, der Anfang April im Mathäser Filmpalast Premiere feierte. Im Zuge der Recherche fanden die Schüler heraus, dass sehr viel mehr junge Menschen von Depressionen betroffen sind, als in der Öffentlichkeit bekannt ist. Auch einige Schüler aus ihrer eigenen Klasse leiden darunter. „Da kennt man sich schon jahrelang und plötzlich erfährt man, wie es dieser Person wirklich geht. Das trifft einen schon sehr“, sagt Alexander Spöri. Das Thema wurde den jungen Filmemachern so wichtig, dass sie es nicht beim Film belassen wollten. Sie wollten wirklich etwas verändern.

„Und da erfährt man, wie es ihr wirklich geht“

Die Schüler wollten sich mit den Politikern treffen, um zu erfahren, was der Freistaat zur Prävention an Schulen macht. „Vom Staatsministerium erhielten wir damals keine Rückmeldung auf unsere Interviewanfrage“, erinnert sich Spöri. Da das nicht funktionierte, kam die Idee mit der Petition auf.

Schulen müssten ihrer Meinung nach besser über das Thema Depression aufklären und zwar sollte das verbindlich in den Lehrplan aufgenommen werden. Lehrkräfte sollten entsprechend geschult und Informationsveranstaltungen an Schulen abgehalten werden. Die Schüler reichten ihre Petition beim Bayerischen Landtag ein. Rund 43.000 Menschen haben mittlerweile online unterschrieben.

Wenn Schüler ständig über Bauschmerzen und Schlafstörungen klagen, kann das auch ein Zeichen für psychische Probleme sein.

Über die Petition wurde dann vor zwei Wochen im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags abgestimmt. „Das war schon aufregend“, sagt Spöri. Die Schüler waren selbst im Plenum dabei und durften nochmal ihr Anliegen vorbringen, um die Ausschussmitglieder zu überzeugen. Doch das war eigentlich gar nicht mehr nötig. „Wir wussten schon vorher, dass die meisten zustimmen würden“, sagt Spöri. Seit drei Monaten waren die Schüler fast wöchentlich im Bayerischen Landtag und haben mit den Abgeordneten fast aller Parteien über ihre Petition gesprochen. „Im Plenum waren wir dann allerdings von der CSU überrascht“, gibt Spöri zu. Diese habe sich genauso wenig wie die AfD vorher mit den Schülern getroffen. Im Plenum haben aber plötzlich doch alle Parteien für die Würdigung gestimmt. Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern hatte bereits einen Zehn-Punkte-Plan zur Umsetzung der Petition ausgearbeitet. Doch dieser war den Abiturienten nicht bindend genug. „Es sind gute Ansätze drin“, sagt Spöri, „aber das reicht nicht.“

“Wir waren von der CSU überrascht“

So sollte das Thema Depression direkt in den Lehrplan einfließen und nicht, wie von Piazolo angedacht, nur weiterführende Links enthalten. „Wenn da nur ein Link im Online-Lehrplan steht, gibt es immer noch keine Verpflichtung für Lehrer wirklich drauf zu klicken.“ Man lasse Lehrern damit immer noch einen Ermessensspielraum. „Wir wollen aber, dass es eine Verpflichtung wird“, so Spöri. Eine weitere Maßnahme, die der Zehn-Punkte-Plan vorsieht, ist ein Aufklärungsvideo auf der Seite des Kultusministeriums. „Da muss man sich allerdings ernsthaft fragen: Wie viele Schüler gehen tatsächlich auf die Seite des Kultusministeriums?“ Die Barrieren seien eindeutig noch zu hoch. So die Meinung der Schüler. Das sah der Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags auch so. Mit der einstimmigen Würdigung geht das Anliegen zurück ans Ministerium, das noch vor der Sommerpause Maßnahmen erarbeiten wird, die dem Ausschuss nochmal vorgelegt werden. Da wollen die sechs Schüler auf jeden Fall wieder dabei sein. 

Lydia Wünsch

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