„Auf Zeichen muss Handeln folgen“

Unterhachinger schreiben offenen Brief an Ilse Aigner

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V.l.: Claudia Köhler, zwei der Ini- tiatoren der Petition, Vitus Rabe und Luca Zug, sowie Kerstin Celina, Dominique de Marné und Christina Haubrich.

Per Petition forderten mehrere Schüler im Mai, dass das Thema Depression bei Jugendlichen an bayerischen Schulen auf den Lehrplan kommt. Die Staatsregierung hat mit einem Zehn-Punkte-Programm reagiert. Die Initiatoren sind enttäuscht, dass sich bislang noch kaum etwas getan hat.

Unterhaching – Im Mai reichten die Abiturienten Luca Zug, Alexander Spöri, Colin Maidment, Leon Golz, Vitus Rabe und Paul Schweller eine Petition mit 42.000 Unterschriften zu mehr Aufklärung an Schulen über Depressionen bei Jugendlichen ein. Die engagierten Schüler aus Unterhaching sind Gründer des Filmunternehmens MovieJam Studios und haben das Thema in ihrem Dokudrama „Grau ist keine Farbe“ aufgegriffen. Damit ist ihnen etwas Besonderes gelungen: Die Petition an den Bayerischen Landtag wurde vom Ausschuss angenommen. „Doch bis heute ist faktisch fast nichts passiert“, sagt der Filmemacher Luca Zug.

Ein halbes Jahr nach ihrem Petitionserfolg lud die Landtagspräsidentin Ilse Aigner am Dienstag zur Veranstaltung „Psychische Erkrankungen im Blick“ mit Podiumsdiskussion. Mit dabei war die Frau des verstorbenen Fußballers Robert Enke, Teresa Enke, ein Betroffener und auch das Jugendkollektiv um MovieJam Studios. Der Film „Grau ist keine Farbe“ wurde gezeigt, es gab eine Kunstausstellung zu psychischen Erkrankungen.

„Mit dieser Veranstaltung setzen Sie ein Zeichen für die Akzeptanz von psychischen Krankheiten. Wir glauben: auf Zeichen muss Handeln folgen“, schreiben die Jugendlichen schon im Vorhinein in einem offenen Brief an die Landtagspräsidentin. „Wir bitten Sie daher Ihren Einfluss innerhalb der christsozialen Partei und in Ihrer Rolle als Präsidentin des Bayerischen Landtags darauf hinzuwirken, dass Aufklärungsinitiativen über psychische Krankheiten unterstützt und die Forderungen unserer Petition gemäß des Votums des Ausschusses umgesetzt werden.“, so die Verfasser weiter. Sie fordern eine wirkliche Veränderung und mehr Handlungsbereitschaft in der Staatsregierung.

Hinter dem Brief und den Jugendlichen stehen eine Reihe von Experten wie etwa Prof. Peter Falkai, der Leiter des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie und der Universitätsklinik München, Prof. Martin Keck vom Münchner Bündnis gegen Depression und der Landesverein Angehöriger Psychisch Kranker. Ebenso kommt Unterstützung von den Politikern Katharina Schulze (Grüne), Maximilian Deisenhofer (Grüne), Claudia Köhler (Grüne), Margit Wild (SPD), Simone Strohmayr (SPD) und Matthias Fischbach (FDP).

Auch die Grüne Landkreisabgeordnete Claudia Köhler aus Unterhaching fordert nun konkrete Maßnahmen: „Doch jetzt muss etwas passieren. Jugendliche brauchen dringend Hilfe und Lehrkräfte müssen unterstützt werden.“ Köhler organisierte auch gemeinsam mit ihren Kolleginnen Kerstin Celina und Christina Haubrich am 11. Oktober ein Fachgespräch zu psychischer Gesundheit mit zahlreichen Betroffenen, Ärzten und Initiativen. Kerstin Celina fordert dabei die rasche Umsetzung des vom Kultusministerium angekündigten Zehn-Punkte-Plans für mehr Aufklärung über Depression.

Eine der darin festgehaltenen Maßnahmen ist die Berücksichtigung des Themas Depression bereits im Lehramtsstudium. Außerdem sollen Beratungsangebote der Schulpsychologen vereinheitlicht und Aufklärung über Depressionen und Angstzustände in Form von konkreten Unterrichtsbeispielen in die Online-Ebene der Lehrpläne aufgenommen werden. Ein weiterer Bericht des Staatsministeriums werde voraussichtlich im Juli 2020 erstattet. 

Doch die Stellungnahme zum Zwischenstand der Umsetzung des Plans lese sich laut der Jugendlichen „unenthusiastisch“. Denn die meisten Inhalte werden wohl ohne konkrete Zeitangabe eingeführt. Das sei besonders schade, oft werde vergessen: Aufklärung über Depression ist reine Prävention vor jugendlichen Suiziden. Ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohne. Anfangs gelegentlich mit einem Film, einem Zehn-Punkte-Plan oder einer Veranstaltung mit Diskussion. „Aber damit darf es nicht aufhören“, sagt Zug. „Ilse Aigner muss dafür eintreten und das der Regierung endlich klarer machen“, ergänzt Spöri.

Auch Celina ist mit dem Zwischenbericht nicht zufrieden: „Depressionen und andere psychische Krankheiten gibt es in jedem Alter, auch bei Schülerinnen und Schülern, und natürlich muss die Annahme der Petition bedeuten, dass das Thema schon in diesem Schuljahr an den Schulen behandelt wird. Ein Verschieben auf einen Bericht irgendwann im nächsten Jahr verdient die Note ‚ungenügend‘, wir erwarten einen ersten Bericht zum Halbjahreszeugnis!“

ija

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