Die LeseNacht lockte viele Literaturfreunde an

Unterhachinger Lese-Labsal

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Josef Wilfling vermittelte spätabends „Geheimnisse der Vernehmungskunst“.

Draußen herrscht an diesem Samstag nasskalte Witterung vor – der ideale Rahmen für wohlige Wärme drinnen bei der 15. Unterhachinger LeseNacht. Auch heuer strömten Heerscharen begeisterter Buchstabenfreunde zu den Lesungen von 13 Autoren an sechs Veranstaltungsorten.

In der Buchhandlung Helming & Heuser hat sich erst einmal ein echter Autorenstau gebildet. Gerade erst hatte mit Wolfgang Schreiber einer der renommiertesten deutschsprachigen Musikkritiker eine Dreiviertelstunde lang Passagen seiner Biographie über den Ausnahme-Dirigenten Claudio Abbado an ein Musik affines Literatur-Völkchen weitergereicht, da stürmt Schriftsteller und Schauspieler Adnan Maral in die Buchhandlung. „Süperopa“ heißt der neueste Roman des deutsch-türkischen Kulturbotschafters. Der Autor dieser süffig-satirischen Melange um den türkischen Rentner Kenan, der durch den eigenen Zaubertrank zur türkischen „Süperman“-Ausgabe mutiert Kulturbefindlichkeits-Probleme fast im Alleingang auflöst, ist spät dran. Und leider im verkehrten Veranstaltungssaal gelandet. LeseNacht-Organisatorin Christine Helming muss „Süperman“ Maral gleich weiter ins nahe KUBIZ delegieren, wo seine Zuhörer bereits mit Füßen scharren und den Ohren wackeln. Zum Glück tritt jeder der Autoren an diesem Abend zweimal auf. In der Buchhandlung wird es ernst. Stefan von der Lahr ist angesagt. Der promovierte Althistoriker und langjährige Lektor des Verlags C.H.Beck hat nach seinem Kriminalroman-Erstling „Das Grab der Jungfrau“ mit „Hochamt in Neapel“ ein neues Werk verfasst. In brillantem Sprach-Duktus, feinem Timbre und einfühlsamer Situationsbeschreibung entführt von der Lahr seine Zuhörer in die tödlichen Verstrickungen einer blutigen Verschwörung aus Camorra, Kirche und Kapital. „Ich komme gerne zu solchen Veranstaltungen wie in Unterhaching“, lobt der Autor das Format. „Familiär geht es hier zu und das Publikum ist interessiert und fachkundig.“

Vom Leben zwischen Baklava und Butterbrezn

Jetzt aber ist es höchste Zeit für einen Ortswechsel. Gerade noch rechtzeitig. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Vhs rezitiert die junge Münchner Journalistin Deniz Aykanat in „Die Isartürkin“ als Tochter eines Türken und einer Deutschen von ihrem Leben zwischen Baklava und Butterbrezn, wechselseitigen Vorurteilen und unterschiedlichen Kulturbefindlichkeiten zwischen Bosporus und Oberpfalz. Süffig und witzig arrangiert ist dieses Werben um schwierige, aber machbar interkulturelle Verwebungen. Es ist spät geworden. Draußen regnet es weiter und drinnen lockt ein vielseitiges Angebot. Schwer gerät des Literaturfreunds Entscheidung zwischen „Geheimnisse der Vernehmungskunst“ von Kriminalrat a.D Josef Wilfling, dem Leiter der Münchner Mordkommission in der Gemeindebücherei, Anika Landsteiners Betrachtungen zu „Mein italienischer Vater“ in der KWA-Hauptverwaltung, Felicitas von Aretins Frauenporträts „Mit Wagemut und Wissensdurst“ oder Friedhelm Renschs „Spannende und absurde Geschichten der Weltliteratur“.

Aber erst noch muss Zeit sein für „Als die Tage ihr Licht verloren“ — ein düster-melancholisches Epos aus Deutschlands dunkelster Periode. Die deutsch-finnlandschwedische Autorin Stephanie von Hayek zieht in der Gemeindebücherei ein großes Publikum mit ihrer schwerverdaulichen Mixtur einer fiktiv-dramatischen Schwesterngeschichte und eines verhängnisvollen Lagertransportes 1940 in ihren Bann. Starker Tobak. Irgendwie braucht der rastlose Leser noch eine Brise europäisch vereinter Hoffnung. Adnan Marals „Süperopa“ entlässt einen positiv gestimmt in die Nacht. Der Autor hatte es doch noch zu seinem Publikum geschafft. Gottseidank ist die geistvoll weitschweifende Unterhachinger LeseNacht auf kurze Wege beschränkt. Für heute ist Schluss mit Lesen und Zuhören. Der Leser kommen aber sicher wieder. Egal bei welchem Wetter. 

Harald Hettich

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