„Seit sie im Landtag ist, hat sie Überwasser“

Unterhachinger Grünen-Rätinnen treten wegen Streit mit Vorsitzender aus Partei aus

+
Christa Helming (l.) und Gertraud Schubert kehren den Unterhachinger Grünen den Rücken.

Im Unterhachinger Gemeinderat ist Bewegung drin. Erst Anfang Oktober trat Julia Mittermeier aus der CSU aus und bildete mit Johanna Wiessner eine eigene Fraktion der Freien Wähler. Nun gaben die Grünen-Gemeinderatsmitglieder Christa Helming und Gertraud Schubert ihren Parteiaustritt bekannt.

Unterhaching – „Das ist Grün-krampfig, was hier vom Ortsverband betrieben wird, das sind wir beide halt nicht“, erklärt die Dritte Bürgermeisterin Christa Helming ihre Entscheidung, aus der Partei auszutreten. Schon lange habe sich die Situation so entwickelt, dass sie und Gertraud Schubert mit der Linie ihrer Fraktion nicht zufrieden seien. Der Antrag zum Klimanotstand habe das Fass nun zum Überlaufen gebracht. „Die Gemeinde hat ein Klimaschutzprogramm ausgearbeitet, daran waren alle Parteien beteiligt, auch ich war mit dabei“, erzählt Schubert und weiter: „Ich habe Frau Köhler auch eine E-Mail geschrieben und ihr erklärt, dass der Antrag übertrieben ist. Darauf kam nie eine Antwort.“

In der Fraktionssitzung vor der Gemeinderatssitzung sei dann über ihre Köpfe hinweg entschieden worden, es habe geheißen: „Wir bringen den Antrag ein, wenn ihr nicht mitgehen wollt, lasst ihr es einfach bleiben.“ Dieser Ton habe sie besonders gestört. Auch die vielen Anträge, die von den Grünen eingereicht werden, könne sie nicht nachvollziehen. „Das ist ja auch eine Beschäftigungstherapie für die Verwaltung. Bei dem Antrag zum Klimanotstand haben sie wochenlang auf Antwort hingearbeitet. Das sind Kapazitäten, die dann für andere, wichtige Aufgaben vor Ort wegfallen“, verdeutlicht Helming.

Und gerade das ist den beiden Gemeinderätinnen das größte Anliegen: „Für uns ist es wichtig vor Ort zu handeln. Wir werden von den Bürgern gewählt, um hier ihre Interessen zu vertreten“, meint Helming und fügt hinzu: „Wir haben aber eine Ortsvorsitzende, die im Landtag ist, das ist das Problem.“ Helming saß 24 Jahre lang für die Partei im Gemeinderat, Schubert kam sechs Jahre später hinzu. Für beide hängt der veränderte Kurs der Partei mit der Position der Fraktionsvorsitzenden Claudia Köhler zusammen: „Seit sie im Landtag ist, hat sie einfach Überwasser“, meint Helming. Besonders enttäuscht habe sie der Umgang der Parteiführung mit ihnen. Sie seien zum Gespräch gebeten worden.

„Da ging es gleich los mit: ,Wir wollen über euren Abschied reden.‘ Da musste ich mich erstmal fangen“, erzählt Helming. Gerade jetzt, wo die Grünen Reputation haben, wollten sie eigentlich weitermachen. „Schließlich habe wir so viele Jahre auf einsamen Posten gearbeitet und jetzt sollen wir verschwinden?“, sagt Helming und Schubert fügt hinzu: „Wir haben ja auch viele Jahre am Aufstieg der Grünen mitgearbeitet.“ Als es dann hieß, es müsse zur Kampfabstimmung bei der Aufstellungsversammlung kommen, konnten sie unter den Umständen nicht weitermachen. „Wir haben eine Nacht drüber geschlafen. Dann war uns klar, dass wir in so einer Fraktion nicht mehr weiterarbeiten können“, erzählt Helming.

In einer Stellungnahme forderte Köhler von beiden, ihre Gemeinderatsmandate an die Grünen Nachrücker abzugeben. „Wir werden nicht aufhören“, erklärt Helming bestimmt. Und Schubert meint: „Es ist auch komisch, dass wir in der Mitteilung aufgefordert werden, die Plätze abzugeben, aber selbst die Nachricht nie erhalten haben.“ Außerdem seien Unwahrheiten darin aufgezählt. Köhler bemängelt die fehlende Unterstützung bei zentralen Themen des Ortsverbands, unter anderem den Masterplan für die Kinderbetreuung und beim ökologischen Bauen. 

„Das ist einfach nicht wahr. Natürlich haben wir uns für die Kinderbetreuungsplätze eingesetzt. Und für das ökologische Bauen haben wir gestimmt“, betonen sie. Darüber, dass Helming auch ihr Amt als Dritte Bürgermeisterin weitergeben soll, kann sie nur den Kopf schütteln: „Da wurde sich nicht richtig informiert. Das Amt wird unabhängig von der Partei vergeben. Man wird vom Gemeinderat gewählt. Ich könnte es überhaupt nicht weitergeben.“

Ob sich die beiden einer anderen Partei anschließen wollen, möchten sie noch nicht preisgeben. „Also zur CSU oder FDP würde ich nie gehen“, erklärt Helming. Sie könnten auch zu zweit eine eigene Fraktion gründen, vorerst bleiben sie als Parteilose im Gemeinderat und in den Ausschüssen. Vielleicht lassen sie sich auch von Julia Mittermeiers Parteiwahl inspirieren und gehen zu den Freien Wählern. Zumindest Mittermeiers Schritt, aus der CSU auszutreten, habe eine entscheidende Rolle bei ihrem Entschluss gespielt. „Es hat uns sehr imponiert, dass sie als Jüngste alleine ausgetreten ist.“

Iris Janda

Lesen Sie weitere Nachrichten aus der Region in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Unterhachinger Grünen wird ideologisches Handeln vorgeworfen
Unterhachinger Grünen wird ideologisches Handeln vorgeworfen
Unterhachinger Umzugsspedition spendet übrig gebliebene Lagersachen ans Rote Kreuz
Unterhachinger Umzugsspedition spendet übrig gebliebene Lagersachen ans Rote Kreuz
Erweiterung der Tennis-Base in Oberhaching fast fertig
Erweiterung der Tennis-Base in Oberhaching fast fertig

Kommentare