Grüne Welle macht auch vor Kommunalwahlen nicht Halt

Unterhachinger Grüne sind stärkste Kraft im Gemeinderat

+
Tritt in Neubiberg in der Stichwahl an: Kilian Körner.

Unterhaching – „Hammer! Grüne stärkste Kraft in Unterhaching für den Gemeinderat!!!“ – so verkündete es die Fraktion stolz am Montagmorgen auf ihrer Facebook-Seite. „Wir sind total euphorisch“, erklärt Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin Claudia Köhler freudig. Von zuletzt drei auf neun Gemeinderatsposten verdreifachten die Grünen ihre Sitze im Gremium. Damit ist die Partei mit einem Sitz Vorsprung vor der CSU stärkste Kraft, die SPD von Bürgermeister Wolfgang Panzer – bei den Kommunalwahlen 2014 noch mit der CSU sitzgleich vorne – verliert vier Sitze und landet nur noch auf Platz drei.

Die Unterhachinger Ergebnisse folgen dem deutschlandweiten Aufwärtstrend der Grünen und den rückläufigen Wählerstimmen für die Sozialdemokraten. Sind die Zahlen also nur Auswirkungen der bundesweiten Entwicklung oder doch in lokalen Themen begründet? Der Ausgang der Europawahl im vergangenen Jahr ließ zumindest bereits erahnen, wo auch im Landkreis München die Richtung hingeht. Die Grünen legten von 14 Prozent (2014) auf knapp 24 Prozent zu, die SPD verlor knapp 13 Prozent und wurde damit nur noch drittstärkste Kraft. 

Doch beim Gemeinderat geht es schließlich um die Geschehnisse im Ort und nicht Bundes- oder Europapolitik, um bürgernahe Themen: Kindergartenplätze, bezahlbare Wohnungen, Vereinsleben. Eigentlich klassische SPD-Felder. Aber der Klima-Zeitgeist hat auch vor den Bürgern im Landkreis nicht Halt gemacht. Sie wollen im Kleinen etwas bewegen, fahrradfreundliche Infrastruktur, Grünflächen erhalten, Plastik reduzieren. 

All die Themen, für die die Grünen seit ihrer Gründung kämpfen, sind nun auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und die Partei ist ebenfalls in die Mitte gewandert, raus aus der Ökoecke hin zu Realpolitik. Das zeigt auch der Blick auf die Kandidaten. Unterhachings Anwärter für das Bürgermeisteramt Armin Konetschny, der am 29. März gegen den amtierenden Wolfgang Panzer in die Stichwahl zieht, ist Projektleiter, Neubibergs Kandidat Kilian Körner – ebenfalls in der Stichwahl – arbeitet in der Finanzbranche. Konetschny erklärt sich den Erfolg seiner Fraktion mit gelebten Klimaschutz: „Gerade in Sachen Mobilität, nachhaltiger Wirtschaft und Schutz unserer Lebensgrundlagen sind die Grünen schon immer diejenigen mit konkreten Lösungen. 

Unser ausgezeichnetes Ergebnis kommt aber auch daher, dass unsere Kandidierenden dies auch selbst so leben.“ Köhler rechnete zwar dem bundesweiten Trend einen gewissen Anteil zu, aber: „für den haben wir auch jahrelang hart gearbeitet.“ Der deutliche Erfolg in Unterhaching sei ihrer Meinung nach dem großen Engagement des Ortsverbands zuzuschreiben. 

„Wir sind in Unterhaching sehr aktiv. In den letzten Jahren haben wir viele neue Mitglieder dazugewonnen. Dadurch haben wir in einem großen, kompetenten Team einen so großen Wahlkampf wie noch nie gemacht“, erklärt Köhler. Auch wenn in den anderen Gemeinden im Hachinger Tal der Zuwachs für die Grünen nicht so deutlich wie in Unterhaching ausgefallen ist, zeigt sich doch überall die gleiche Tendenz. 

In Oberhaching kann die Fraktion von zwei auf fünf Sitze mehr als verdoppeln, in Taufkirchen legt sie von vier auf sechs Sitze zu und in Sauerlach gewinnt sie immerhin einen Gemeinderat dazu. Gleichzeitig verliert die SPD in Oberhaching zwei Sitze und ist nun bei drei, in Taufkirchen gibt es künftig vier statt sechs Sozialdemokraten im Gremium und in Sauerlach können sie ihre zwei Sitze halten. Damit liegt die einstige Volkspartei in allen Gemeinden hinter den Grünen. Die CSU bleibt bei den Wählerstimmen dagegen relativ stabil. Das liegt einerseits daran, dass im Landkreis noch immer die klassische CSU-Wählerschaft beheimatet ist. Zum anderen haben die Christsozialen aber auch den Zeitgeist rechtzeitig erkannt und spätestens seit dem Volksbegehren Artensterben einen grünen Kurs eingeschlagen. 

Dass sich die beiden Parteien bei vielen Themen annähern, ist beispielsweise auch im Unterhachinger Gemeinderat jüngst immer wieder spürbar gewesen, etwa beim Thema Lärmschutz. Bisher haben die Grünen in den Gemeinden im Hachinger Tal aus der Opposition heraus agiert – und aus der lassen sich Forderungen bekanntlich leichter stellen. In Unterhaching kann die Fraktion als stärkste Kraft im Gemeinderat nun in den kommenden sechs Jahren beweisen, was sie im Ort bewegen kann.

Iris Janda

Weitere Nachrichten aus der Region finden Sie in unserer Übersicht.

Besuchen Sie HALLO auch auf Facebook

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Unterhachinger Tanzschule fordert in der Corona-Krise zum Tanz auf
Unterhachinger Tanzschule fordert in der Corona-Krise zum Tanz auf
Kirchliche Angebote für Liturgie von zu Hause
Kirchliche Angebote für Liturgie von zu Hause

Kommentare