Vom Homeschooling zum Homefilming

Theaterensemble am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching macht aus Stück einen Film

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Die Collage zeigt Ausschnitte aus dem Kurzfilm „Peters Herz“ des Theaterkurses am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching.

Improvisation ist derzeit an vielen Stellen gefragt. Auch der Theaterkurs am Lise-Meitner-Gymnasium musste umdisponieren: Anstatt eines Bühnenstücks drehten die Schüler in Eigenregie einen Kurzfilm.

Unterhaching – „14 Uhr Videokonferenz mit dem Theaterkurs“ – so hieß es die letzten Wochen für Profilkurs Theater und Film des Lise-Meitner-Gymnasiums in Unterhaching. Denn die Unterhachinger Schüler mussten wegen der Corona-Maßnahmen ihre Proben für das Stück „Peters Herz“ abrupt einstellen. Und das drei Wochen vor der Premiere.

Doch davon wollten sich die Schüler nicht aufhalten lassen. Die monatelange Proben- und Textarbeit durfte nicht umsonst gewesen sein. Was also tun? „Ideen mussten her, und zwar schnell. Aber die hatten wir! Homeschooling wurde kurzerhand zum Homefilming“, erzählt die 17-jährige Antonia Jenuwein. Aus dem Stück entstand eine Reportage, in der das Märchen zum Kriminalfall wird. Die Reporter sprechen vor Ort mit den Beteiligten und Zeugen, moderiert wird aus dem Home­office. „Innerhalb von drei Wochen entstand ein Kurzfilm, produziert in Eigenregie, jeder für sich und doch zusammen!“, meint Antonia weiter.

Der Inhalt des Films greift Motive aus Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“ auf: Ein armer Junge verkauft sein Herz, um damit Geld und Ansehen zu erlangen. Mit dem Exemplar aus Stein, das er dann in seiner Brust trägt, wird er aber alles andere als glücklich. Familie, Freunde und Frau wenden sich von ihm ab, und auch sein Vermögen kann er als unerfahrener Geschäftsmann nicht lange halten. Gelingt es ihm, den teuflischen Deal rückgängig zu machen?

Das Thema ist damals wie heute aktuell, wie Schülerin Sarina Keiling verdeutlicht: „Ich finde am Stück besonders, dass es sowohl zur Zeit seiner Entstehung als auch heutzutage eine große soziale Bedeutung hat und dass man etwas aus der Geschichte mitnehmen und lernen kann“.

Vor und während der Osterferien schufen dreizehn Schüler der Oberstufe den Film. Die Jugendlichen drehten Einzelvideos, die dann zu einem Film zugeschnitten wurden. Mithilfe von WhatsApp-Nachrichten, Telefonaten, E-Mails, Mebis und fast täglichen Videokonferenzen wurde das Drehbuch geschrieben und Kontakt gehalten.

Die Oberstufler freuen sich, dass ihre Proben durch das Filmprojekt nicht umsonst waren und profitieren von der neuen Erfahrung. „Unser neues Format unterscheidet sich stark von dem, was ich bisher immer gemacht habe, nämlich auf der Bühne zu stehen und gelernten Text zu interpretieren. Für den Film musste ich viel mehr improvisieren“, meint etwa Joshua O‘Donnell. Und Dominik Büchl, zuständig für die Technik, erzählt: „Ich bin es ja gewohnt, hinter den Kulissen zu arbeiten und für die Theaterstücke fast genau so viel Zeit vorm Computer wie auf der Bühne beziehungsweise hinter dem Mischpult zu verbringen – trotzdem war es für mich etwas ganz Neues, einen Film zu produzieren.“ Auch Theaterleiterin Ursula Honisch ist froh, dass nicht all das Proben umsonst war: „Ich bin glücklich, dass wir das Projekt so zu Ende bringen konnten. Das war eine super Erfahrung für alle.“ Wenn es wieder möglich ist, werde der Kurzfilm in der Schule präsentiert, erzählt die Pädagogin. Schüler, Eltern und Interessierte sind dann eingeladen, sich das Ergebnis des Projekts anzusehen.

Durch ihr Engagement haben die Schüler gezeigt, was auch in Krisenzeiten möglich ist, wie die 18-jährige Negeen Sultan zusammenfasst: „Stück für Stück wurde aus verschiedenen kreativen Ideen ein einzigartiger Kurzfilm, der mir bewiesen hat, dass man auch unter schweren Bedingungen das Beste aus einer Situation machen kann.“

ija

Mehr über Unterhaching und den Landkreis München gibt es in der Übersicht.

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