Neue Sammelstelle – Neuer Müll-Drive-In?

Der Unterhachinger Gemeinderat diskutiert eine neue Wertstoffsammelstelle

In Unterhaching findet an prominenter Stelle bald ein Wertstoffsammelhäuschen seinen Platz. Das Häuschen soll so viel wie ein Apartment kosten: 190.000 Euro
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In Unterhaching findet an prominenter Stelle bald ein Wertstoffsammelhäuschen seinen Platz. Das Häuschen soll so viel wie ein Apartment kosten: 190.000 Euro

Unterhaching – Um die Frage, ob eine neue Wertstoffsammelstelle errichtet wird, die die Gemeinde stolze 190.000 Euro kosten soll, drehte sich noch vor den Sommerferien die Diskussion im Unterhachinger Gemeinderat. Die Antwort lautet schlussendlich: Ja. Im Wert eines Apartments soll nun für die Unterhachinger die Wertstoffsammelstelle mit begrüntem Dach errichtet werden.

Schon vor drei Jahren beschloss der Gemeinderat, am Oberweg in Unterhaching einen Kindergarten und eine Kinderkrippe zu gründen. Dabei sei laut Bebauungsplan auf dem angrenzenden Grundstück eine Wertstoffsammelstelle von Nöten. Weil die Wertstoffsammelstelle an sechs Tagen in der Woche befüllt beziehungsweise entleert wird, ist der Gemeinde eine ausreichende Robustheit wichtig. Außerdem soll das Häuschen anwohnerfreundlich sein. 

„Wenn es dunkel ist, haben die Leute Angst und werfen ihren Müll eher davor ab, als ihn ordnungsgemäß einzuwerfen“, so die Gemeindeverwaltung. „Natürlich sollen die Bürger sich dort nicht ewig aufhalten und Partys schmeißen, aber sie sollen sich genug Zeit nehmen wollen, um den Müll sorgsam zu entsorgen. Die Gemeinde habe eine regelrechte „Population des Saubären“ erlebt und „dem wollen wir entgegenwirken“. Knapp 30 Quadratmeter soll das Häuschen der öffentlichen Wertstoffsammelstelle umfassen, worin auch der Müllraum der Kindertagesstätte mit rund 15 Quadratmetern untergebracht werden soll. 

Auch der ökologische Gesichtspunkt und das Thema Nachhaltigkeit spielen eine Rolle. „Was bringt ein Haus aus Holz, wenn dafür ein Urwald abgeholzt wird. Und was bringt ein Angstraum, der vollgemüllt wird, weil der Müll nicht ordnungsgemäß entsorgt wird?“ Mit dieser Frage wurde die Debatte im Gremium eröffnet. Schon im vorangegangenen Bauausschuss war die Wertstoffsammelstelle Thema. Korbinian Rausch, Fraktionsvorsitzender der CSU, war dankbar für die Darlegung der Gemeinde und auch die Einsicht in die Kostenzusammensetzung des Häuschens. 

„Schade, dass wir diese Informationen nicht schon im Bauausschuss hatten. Unsere Frage drehte sich darum, wie wir dem Steuerzahler erklären sollen, dass wir ein Müllhäuschen zum gleichen Quadratmeterpreis wie eine Einzimmerwohnung in Unterhaching bauen. Jetzt habe ich dafür und wie sich die Kosten zusammensetzen aber Verständnis.“ Die Grünen hingegen sehen das anders. Armin Konetschny sprach seine Bedenken aus: „Wir reden hier von einem Müllhäuschen. Da schlackern einem die Knie, bei dem Preis.“ Außerdem befürchte er einen Müll-Drive-In. 

Ihm wäre es lieber, die Menschen würden das Häuschen fußläufig erreichen. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) stimmte ihm zwar zu, dass es sinnvoll wäre, das Haus möglichst nah an der Wohnbebauung zu errichten, „aber niemand will das letztlich vor seiner eigenen Haustür haben, weil die Flaschen, die eingeworfen werden, natürlich einen gewissen Geräuschpegel generieren.“ 

Peter Wörstenbrink (SPD) hielt Konetschnys Einwand für „teilweise falsch. Ich selbst bringe die Wertstoffe immer mit dem Fahrrad weg und mache das meistens am Samstag, weil sich viel ansammelt. Einzeln und fußläufig die Stoffe zu entsorgen entspricht nicht der überwiegenden Realität.“ Die Freien Wähler und die FDP stimmten dem Häuschen zu. 

Nach einer Abstimmung mit 18 zu zehn soll das Haus der Wertstoffsammelstelle noch diesen Sommer gebaut werden. Fertiggestellt soll das Häuschen dann voraussichtlich im Herbst des nächsten Jahres. 

Melanie Schröpfer

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