35 Jahre über dem Verfallsdatum

Unterhaching: Sanierungsarbeiten an der Wilmannsstraße sollen im Juni beginnen

Eine Walze planiert Asphalt.
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Die Arbeiten zur Erneuerung der Wilmannsstraße in Unterhaching sollen im Juni beginnen.
  • vonIris Janda
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Die Wilmannsstraße soll noch in diesem Jahr erneuert werden. Teile der Grünen-Fraktion stimmten im Januar allerdings gegen den Verwaltungsvorschlag zur Sanierung, weil sie sich vorab eine Befragung der Anwohner gewünscht hätten. Das holte die Verwaltung nun nach. 

Die Wilmannsstraße in Unterhaching soll voraussichtlich von Juni bis September erneuert werden. Darauf einigte sich der Gemeinderat in seiner Januar-Sitzung. Gegenstimmen gab es von vier Grünen-Räten, die sich vorab eine Anwohnerbeteiligung gewünscht hätten. Das Gremium entschied sich für die erste Ausbauvariante mit beidseitig abgesenkten Schrammborden. Variante zwei, ein verkehrsberuhigter Bereich mit einer abgesenkten Rinne in Straßenmitte, fand keine Mehrheit.

Die Erneuerung der Ende der 1950er Jahre entstandenen Wilmannsstraße galt bereits 2015 als „dringend erforderlich“. Damals war sie 55 Jahre alt, bei einer regulären Lebensdauer von 25 Jahren. Sechs Jahre später soll es nun so weit sein. Schuld an der Verzögerung ist die damals noch gültige Straßenausbaubeitragssatzung (STRABS) nach der die Anwohner für einen Großteil der Erneuerungskosten hätten aufkommen müssen. Doch die Abschaffung der Satzung wurde beschlossen, bevor im Gemeinderat eine endgültige Entscheidung zur Erneuerung gefällt wurde.

Nun muss die Gemeinde für die Kosten der Erneuerung aufkommen. Aber nicht nur bei der Bezahlung gibt es eine Änderung, auch die Ausbauvarianten haben sich zu 2015 verändert. Genau das prangerte Grünen-Rat Stefan König in der Januar-Sitzung des Gemeinderates an. Denn 2015 gab es zusätzlich zu den beiden nun präsentierten Varianten eine dritte mit Gehweg an der Nordseite. Darüber hinaus galt damals die jetzt von Verwaltung, Bau-, Haupt- und Finanzausschuss favorisierte Variante eins als am wenigsten geeignet.

Parkplätze sollen erhalten bleiben

Ein Gehweg hätte nur an einer Straßenseite realisiert werden können, erklärte Verwaltungsmitarbeiter Stefan Lauszat. Das größte Problem daran: alle Parkplätze wären weggefallen. „Als wir vor fünf Jahren bei den Anwohnern nachgefragt haben, war der allgemeine Tenor ,Ihr könnt alles machen, aber nicht Parkplätze wegnehmen‘“, verdeutlichte Lauszat. Bei einem verkehrsberuhigten Bereich müssten Parkplätze klar ausgewiesen werden. Nun könnten sie die Stellplätze auf 16 Stück maximieren.

Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) konnte erklären, warum die nun favori­sierte Variante 2015 als ungünstigste galt. „Damals hatten wir abrechnungstechnische Probleme“, so Panzer. Weil die Ausbautechnik nicht dem gültigen technischen Standard entsprach, hätten sie nur bei 100 prozentiger Zustimmung aller Anwohner abrechnen können. „Man darf da zwei Sachen nicht durcheinander schmeißen“, betonte der Rathauschef.

„Von uns will niemand einen Fußweg auf einer Seite, wenn die Anwohner das nicht wollen“, lenkte Claudia Köhler von den Grünen ein. Dennoch sei der Fraktion eine frühzeitige Bürgerbeteiligung bei der Erneuerung von Anliegerstraßen wichtig, erklärte Fraktionskollege König. Ein simpler Brief ein bis zwei Wochen vorher hätte gereicht. „Es ist uns wichtig, den Bürgern keine Basta-Politik vorzuführen“, betonte König. Stattdessen sollten durch Transparenz und Bürgerbeteiligung die Entscheidungsvorgänge legitimiert und deren Akzeptanz erhöht werden.

Auch die CSU-Fraktion sprach sich dafür aus, vor der Ausschreibung die Anwohner zu beteiligen. Dennoch stimmte sie in der Sitzung für die vorgeschlagene Variante eins. „Wir diskutieren ja nun schon seit mehreren Jahren darüber“, erklärte Franz Felzmann die Zustimmung seiner Fraktion. Kritisch sah er die deutlich höheren Kosten im Vergleich zum Ausbau der Andresenstraße.

Planer Schweikert konnte das erklären: Zum einen seien die Baukosten seitdem deutlich gestiegen. Zum anderen war man bei der Andresenstraße bemüht, die wegen der STRABS über die Anlieger abgerechnet werden sollte, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. „Um eine gewisse Kostensicherheit zu haben, planen wir pessimistisch“, so Schweikert weiter. Für die Ausbauvariante eins sind Ausgaben in Höhe von 680.000 Euro eingeplant. Die Erneuerung soll innerhalb von drei Monaten von Juni bis September erfolgen.

Umsetzung der Anwohneranliegen

Peter Hupfauer (FDP) wunderte sind über die Diskussion. Ihm sei niemand aus der Wilmannsstraße bekannt, der sich an dem Ausbau störe. „Hat außer den Grünen im Gemeinderat noch hier jemand ein Problem mit den Varianten?“, wollte er wissen. Anscheinend nicht – zumindest stimmte das Gremium bis auf vier Grünen-Räte für den Ausbau mit Schrammborden. Die Fraktionen von Grünen und CSU stellten allerdings am Ende der Sitzung einen Antrag, dass künftig Anlieger vor der Ausschreibung von Straßenausbauten beteiligt werden.

Die Verwaltung hat die Anlieger daraufhin Ende Januar, also unmittelbar nach dem Sanierungsbeschluss des Gemeinderates, angeschrieben und um Rückmeldung bis Mitte Februar gebeten. Die Anwohner der 32 Anwesen begrüßen grundsätzlich die Sanierung der Straße. Dennoch gab es verschiedenste Anliegen, die die Verwaltung berücksichtigen möchte. Die Mehrheit der Anlieger lehne demnach ein versetztes Parken ab, ein paar wenige begrüßen es jedoch, weil der Verkehr dadurch insgesamt verlangsamt werde. Rechtlich sei versetztes wie einseitiges Parken möglich. Im Mai soll dem Gremium dazu eine ausgearbeitete Beschlussvorlage vorgelegt werden.

Die Anwohner merkten außerdem an, dass die Verengungen und die Grünflächen an den Einmündungsbereichen die Durchfahrt für große Fahrzeuge erschweren würden. Dort könne laut Verwaltung keine Abhilfe geschaffen werden, da die Grünflächen im Bebauungsplan festgelegt sind. „Eine Befreiung zum Bebauungsplan kann nicht erteilt werden, da hier die Grundzüge der Planung berührt sind“, erklärte Bürgermeister Wolfgang Panzer. Davon abgesehen seien die Durchfahrtsbreiten aus verkehrlicher Sicht ausreichend und dienten der Verlangsamung des Verkehrs.

Ein weiteres Anliegen – Radfahren in beide Richtungen – sei aus fachlicher Sicht möglich und werde in einer Sitzung des Bau-, Umwelt- und Ortsentwicklungsausschusses behandelt werden. Auch soll die Ausleuchtung von Wertstoffsammelstelle und Fußgängerüberweg verbessert werden.

Iris Janda

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