„Ich lasse mir nicht den Mund verbieten“

Unterhaching: CSU-Fraktion verliert zwei Mitglieder auf einmal

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Julia Mittermeier (l.) und Johanna Wiessner wollen eine eigene Fraktion im Unterhachinger Gemeinderat bilden.

Die Unterhachinger Gemeinderätin Julia Mittermeier hat in der vergangenen Gemeinderatssitzung ihren Austritt aus der CSU bekannt gegeben. In Zukunft wird sie für die Freien Wähler zusammen mit Johanna Wiessner eine eigene Fraktion bilden.

Julia Mittermeier ist aus der CSU ausgetreten und hat auch die Fraktion im Unterhachinger Gemeinderat verlassen. Zusammen mit Johanna Wiessner (Freie Wähler) wird sie nun eine eigene Fraktion bilden. Damit verliert die CSU gleich zwei Mitglieder, denn Wiessner war bisher Fraktionsmitglied der CSU. Damit verkleinert sich die CSU-Fraktion immer mehr. Erst wechselte Florian Riedel zur FDP, Günther Stäblein zog weg und Tanja Günther legte aus familiären Gründen ihr Mandat nieder.

Die vielen Austritte dürften nicht spurlos an der Fraktion vorbei gehen. Mit bisher elf Mitgliedern hatte sie noch eine fast ausgeglichene Position zur SPD-Fraktion (11 Mitglieder plus Bürgermeister). Mit dem Verlust von Mittermeier und Wiessner ist sie dieser mit nur noch neun Mitglieder deutlich unterlegen, was ihr bei Abstimmungen die Mehrheit kosten könnte.

Die 41-jährige Julia Mittermeier hat sich die Entscheidung, aus der CSU auszutreten, nicht leicht gemacht. Fast sechs Jahre saß sie für die CSU im Unterhachinger Gemeinderat. „Hätte man mir vor eineinhalb Jahren gesagt, dass ich einmal die Partei wechseln würde, hätte ich das wahrscheinlich nicht für möglich gehalten“, sagt sie. Aber manchmal müssen sich Wege dann doch trennen. Der Grund: „Ich kann mich einfach nicht mehr mit der CSU in Unterhaching identifizieren.

Ich denke, dass ich ziemlich authentisch bin und für meine Überzeugungen kämpfe, dabei kann man mir auch nicht den Mund verbieten.“ Konkret ginge es ihr darum, Politik für den einzelnen Bürger zu machen. Wichtig sei ihr dabei vor allem, sich für Menschen einzusetzen, die sich nicht trauen, selbst ihre Stimme zu erheben. Das habe sich dann auch in ihrem Abstimmungsverhalten gezeigt, das desöfteren nicht mit dem Rest der Fraktion übereinstimmte.

Kürzlich zeigte sich das auch bei dem Thema Lärmschutzwand. Obwohl alle Parteimitglieder der CSU für die Prüfung der Lärmschutzwand entlang der A995 waren, stimmte Mittermeier dagegen. „Ich bin der Meinung, wir brauchen ein Gesamtkonzept. Es gibt ja in Unterhaching nicht nur eine Autobahn, die Lärm verursacht, wir haben ja noch die A8.“ Dieses kontroverse Abstimmungsverhalten hätten ihr allerdings einige Parteimitglieder übel genommen. Einige legten ihr sogar den Austritt nahe.

Aber Lärmschutz war nicht das einzigen Thema. Generell seien die Meinungen unter den Parteikollegen in der Vergangenheit oft auseinander gegangen. Ob das auch daran liegt, dass Mittermeier als einzige Frau unter den Kollegen in eine Männerdomäne eingegriffen habe, vermag sie nicht eindeutig zu bestätigen. Dennoch gibt sie zu: „Ich weiß nicht, ob es einem Mann auch so gegangen wäre wie mir, allerdings bin ich jemand, der sich schon sehr gut behaupten kann.“ Fakt sei jedenfalls, dass die Denkweisen oft unterschiedlich gewesen sind. „Auf mich kamen oft alleinerziehende Frauen zu und baten mich um Hilfe, wenn es zum Beispiel um Kindergartenplätze ging.“ 

Mittermeier war selbst alleinerziehende Mutter. Ihre Tochter ist mittlerweile 18 Jahre alt und hat gerade das Abitur gemacht. Somit könne sie sich gut in die Frauen hineinversetzen. „Meine ehemaligen Kollegen aus der CSU leben einfach ein anderes Leben. Das ist gar nicht böse gemeint. Aber von denen war eben nie jemand alleine mit einem Kind.“ Daher hätten die Kollegen so oft eine andere Meinung gehabt, dass Mittermeier schlussendlich das Gefühl bekam, nicht mehr in der richtigen Partei zu sein. Im vergangenen November lehnte Mittermeier deswegen die Bürgermeisterkandidatur ab sowie ihren Listenplatz bei der Nominierung der Kandidaten im Juli. „Ich muss einfach meinen Weg vertreten können“, sagt sie. Diesen Weg will sie nun mit ihrer neuen Kollegin Johanna Wiessner für die Freien Wähler gehen. 

Für die Zukunft hofft sie auf Verständnis für ihre Entscheidung. Aber wie das nun mal nach einer Trennung ist, wird das wohl ein bisschen dauern. „Ich hoffe, es wächst irgendwann Gras über die Sache und wir können zusammen für Unterhaching gute Entscheidungen treffen, denn das wollen wir ja eigentlich alle“, zeigt sie sich versöhnlich gegenüber ihren ehemaligen Kollegen. Mittermeier war bisher Schul- und Sportreferentin sowie Gleichstellungsbeauftragte und saß im Bau-, Umwelt-, Kultur- und Sozialausschuss. Für die Freien Wähler will sie bei den Kommunalwahlen in 2020 antreten.

Lydia Wünsch

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