„Das würde den Park total verschandeln“

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Zaun an Hundemeile im Landschaftspark

Die Hundemeile im Landschaftspark.
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Die Neubibergerin Claudia Thielen möchte mit einer Bürgerinitiative verhindern, dass ein Zaun zur Abgrenzung an der Hundemeile im Landschaftspark errichtet wird.

Ein 1,6 Kilometer langer Zaun entlang der Hundemeile im Landschaftspark? Seit August gibt es diesen Beschluss aus dem Unterhachinger Gemeinderat. Eine Bürgerinitiative will das verhindern. Und sie könnte Erfolg haben.

„Das ist das Aus für die Hundemeile“, macht Dr. Claudia Thielen deutlich. Sie meint damit den Beschluss des Unterhachinger Ferienausschusses vom 12. August, entlang der Hundemeile in der Wiese einen Bereich von zehn Metern Breite mit einem Zaun abzutrennen (HALLO berichtete). Bis zu diesem Bereich dürften die Vierbeiner frei laufen. „Das ist dann keine artgerechte Haltung mehr“, weiß die Veterinärmedizinerin Thielen.

Auslöser des Beschlusses war ein Antrag der CSU-Fraktion, die damit eigentlich den Landschaftspark für Hundebesitzer attraktiver machen wollte. Doch auf ihre Forderung, einen 30 bis 40 Meter tiefen Bereich abzutrennen konnte mit der Unteren Naturschutzbehörde nur ein Kompromiss ausgehandelten werden – eben jene 10 Meter vom Zaun des Bundeswehrgeländes gemessen. Diese sollen mit einem Zaun abgetrennt werden, der zehn Zentimeter Durchschlupfmöglichkeit darunter bietet.

Grund für die strengen Vorgaben der Behörde ist der Status der Wiesen, die aufgrund von Bodenbrütern wie der Feldlerche als geschütztes Biotop gelten. Schon jetzt ist es Hunden wegen dieser Bestimmung lediglich erlaubt, bis zu fünf Meter in die Wiese zu laufen. „Der Argumentation der Behörde kann ich nicht folgen“, macht Thielen deutlich. „Auf der Wiese, von der wir reden, brüten keine Bodenbrüter“, stellt sie klar. Deutlich als Schutzgebiete durch verschiedene Schilder ausgewiesen seien die Wiesen auf der südlichen Seite der Landebahn.

„Und wenn wegen der Nutzung keine brüten, ist das ganz sicher nicht allein die Schuld der Hunde“, macht sie außerdem deutlich. Die Wiese werde auch intensivst von Gleitschirmfliegern, Spaziergängern oder auch Jugendlichen genutzt, die sich dort zusammensetzen.

Doch obwohl die Hinweisschilder fehlen, ist auch die Wiesenflächen entlang der Hundemeile geschützt, wie Unterhachings Rathaussprecher Simon Hötzl verdeutlicht: „Unsere Bodenbrüter halten sich nicht immer an unsere Beschilderungen. Deshalb muss man das Gebiet weiter fassen.“ Die Gemeinde sei vom Gesetzgeber dazu angehalten, die Population der Feldlerche zu schützen. Welche Maßnahmen sie dazu ergreift, sei der Gemeinde überlassen, aber geschehe in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde. Die Hundemeile sei vor vielen Jahren bereits eine Kompromisslösung gewesen.

Die Gemeinde wisse, dass auch andere Nutzergruppen auf den Wiesen sind, allerdings würden auch diese vom Wachdienst zur Rücksichtnahme auf die Bodenbrüter hingewiesen. „Solange es keine Nutzer­gruppe übertreibt und gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz herrscht, funktioniert das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur“, erklärt Hötzl. Dennoch sei in den vergangenen Jahren ein dramatischer Rückgang der Feldlerchen-Population zu beobachten. „Im Sinne des Naturschutzes müssen wir ein besonderes Augenmerk darauf richten, dass die Zahlen wieder nach oben gehen“, so der Rathaussprecher weiter.

Die Neubibergerin Thielen erfuhr erst vor wenigen Wochen von der Ausschuss-Entscheidung und war von dem Beschluss entsetzt. „Diese zehn Meter würde kein Gemeinderat beschließen, wenn er sich fachkundigen Rat eingeholt hätte“, sagt sie. Durch die Einzäunung gebe es bei Begegnung mit anderen Hunden zu wenig Auslauf, was zu Aggression bei den Tieren führen könne. „Es gibt einige Hundebesitzer, die sagen, dann würden sie da nicht mehr hin gehen“, erzählt Thielen. „Ich würde es, denke ich, auch nicht mehr tun.“

Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, hat sie vor gut drei Wochen die Bürger­initiative „Artgerechte Hundemeile“ gegründet. Die Forderung: Die Hundemeile soll in ihrer jetzigen Form – ohne einen Zaun zur südlichen Abgrenzung – erhalten bleiben. Außerdem soll die Freilaufmöglichkeit auf die Hälfte des angrenzenden Wiesenbereichs erweitert werden. Thielen sammelt derzeit mit Helfern Unterschriften an der Hundemeile und wirbt auf Facebook für die Initiative. Und das mit Erfolg: „Die Leute springen da wirklich drauf an. Wir haben überwältigende Reaktionen. In den ersten zwei Wochen haben wir schon über 500 Unterschriften gesammelt“, erzählt sie begeistert.

Nicht nur für die Hundebesitzer würde der Park durch das Vorhaben an Attraktivität verlieren. „Das würde den Park total verschandeln, wenn mitten auf der Wiese ein Zaun steht. Das passt überhaupt nicht in das Konzept des Landschaftsparks“, macht Thielen deutlich. Außerdem verursache ein solcher Zaun auch hohe Investitions- und Wartungskosten. Letztlich könnte er sogar kontraproduktiv sein, mutmaßt Thielen: „Ich sehe schon, wie sich die kleinen Hunde unten drunter durchwurschteln. Dann wird‘s eigentlich noch schlimmer, weil der Mensch dem Hund nicht hinterher rennen kann.“

Die Neubibergerin hoffe, dass die Planungen für den Zaun noch nicht so weit fortgeschritten sind und sie mit ihrer Aktion etwas bewirken kann. Wenn die Unterschriftenaktion abgeschlossen ist, möchte sie diese bei einem Termin mit der Gemeinde überreichen und ins Gespräch kommen. Neben Unterhaching habe sie sich bereits mit den Bürgermeistern aus Neubiberg und Ottobrunn in Verbindung gesetzt und wolle auch diesen die Unterschriftenliste übergeben. „Schließlich sind Unterschreiber aus jeder Gemeinde dabei“, so Thielen.

Ganz unabhängig von der Bürgerinitiative werde sich der Unterhachinger Gemeinderat im Januar dem Thema Hundemeile widmen, erzählt Rathaussprecher Hötzl. Denn für die Bürgerversammlung, die Ende Oktober aufgrund der Pandemie-Lage kurzfristig abgesagt werden musste, gab es einen fast gleichlautenden Antrag von Unterhachinger Bürgern. „Wir haben zwar den Beschluss aus dem Ferienausschuss, aber der ist nicht unumstößlich.

Der Gemeinderat soll im Januar das Für- und Wider des Kompromissbeschlusses aus dem Sommer nochmal abwiegen“, so Hötzl. Sie seien sich bewusst, dass die verschiedenen Nutzungsinteressen im Landschaftspark ein ganz diffiziles Thema sind. „Deshalb ist es ein ganz wichtiges Signal, dass sich der Gemeinderat den Beschluss nochmal ansieht.“

Iris Janda

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