Bäume sorgen für hitzige Luft

Tumultartige Zustände bei Gemeinderatssitzung in Unterhaching

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Die Unterhachinger Verwaltung wehrt sich gegen den Vorwurf, sie wolle an der A995 eine Christbaumplantage errichten.

Im Unterhachinger ­Gemeinderat stand jüngst die Aufforstung an der A995 auf der Tagesordnung. Dass einige Bürger meinten, auch ein Mitspracherecht zu haben, machte die ­Debatte nicht leichter.

Es waren nicht etwa die 31 Grad im großen Sitzungssaal, die in der jüngsten Gemeinderatssitzung für aufgeheizte Stimmung sorgten. Vielmehr ging es wegen der zahlreichen Besucher, die der öffentlichen Sitzung beiwohnten, heiß her. Zuvor hatte Wolfgang Busch, der in unmittelbarer Nähe zur A995 wohnt, in einer E-Mail Bürger dazu aufgerufen, zur Sitzung zu kommen.

In der Nachricht drohte er unter anderem auch damit, das Verwaltungsgericht einzuschalten, sollte es zur Aufforstung kommen. Seinem Aufruf waren so viele Bürger nachgegangen, dass noch zusätzlich Stühle in den Saal gebracht werden mussten. So waren die Zuhörer nicht nur mengenmäßig den Ratsmitgliedern überlegen, sondern auch akustisch. Als Amtsleiter Simon Hötzl zum Tagesordnungspunkt 9 kam – der Aufforstung an der A995 – konnte er nur schwer das geplante Vorgehen der Gemeinde vortragen.

Erboste und empörte Zwischenrufe machten es nicht leicht, ihn zu verstehen. Bitten seinerseits, ihn zumindest ausreden zu lassen, wurde nur kurzzeitig gefolgt. „Vorab wurde viel Unsägliches geschrieben“, betonte Hötzl. Von einer Christbaumplantage könne keine Rede sein. Allerdings sei eine gewisse Abholzung nötig, um für den Unterbau den Jungpflanzen ausreichend Platz einzuräumen.

Es ist geplant, den aktuellen Laubholzbestand mit Nadelholzbäumen streifenweise zu verdichten. Dafür müssten Auflichtungszonen geschlagen werden. Bis zur spürbaren Lärmminderung müsse mit 25 bis 30 Jahren gerechnet werden. Der Verjüngungsstreifen soll 30 Meter breit und circa 1400 Meter lang sein. Damit müssten etwa 4,2 Hektar Fläche umgebaut werden. Da der Bayerische Staatsforsten Grundeigentümer ist, müsse die Gemeinde diesem den wirtschaftlichen Schaden ersetzen. Dieser Fakt sorgte nicht nur auf den Zuschauerrängen für Empörung. „Es ist absurd, dass die Gemeinde an den staatlichen Staatsforsten zahlen soll“, äußerte sich die Grünen-Fraktionsvorsitzende Claudia Köhler. Sie sehe den Staat in der Pflicht, sich um den Lärmschutz zu kümmern und nicht jetzt noch Geld einzufordern. Dieses Argument brachte sie bereits in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses ein. Nach Beifallbekundungen der Bürger wollte sie weiter wissen, wie es hinsichtlich des Artenschutzes mit der Fauna in dem betroffenen Gebiet aussehe. Panzer erklärte, dass die Verwaltung in diese Details bei der Planung noch nicht eingestiegen sei. Er betonte, wie bereits Hötzl zuvor, dass es bei dem aktuellen Beschluss nur darum gehe, diesen Weg weiter zu bestreiten. Durch den Beschluss werde Panzer lediglich dazu ermächtigt, vertragliche Vereinbarungen mit den Staatsforsten zu treffen, die den Gremien erneut vorgelegt werden.

Panzer, den die ständigen Zwischenrufe sichtlich verstimmten, war sich der Einwände bewusst: „Es mag nicht der beste Lärmschutz und nicht die ökologischste Maßnahme sein.“ Dennoch müsse die Gemeinde beim Thema Lärmschutz weiterkommen.

Als Franz Felzmann (CSU) zum Redebeitrag ansetzte, war er sich der Zustimmung der Zuhörerschaft sicher. „Die Bürger sind alle von den Plänen begeistert“, merkte er sarkastisch an. Er warf Panzer vor, eine Aufforstung zu betreiben, um den Bau einer Lärmschutzwand, für die es möglicherweise in der Zukunft eine Mehrheit geben könne, unmöglich zu machen. Außerdem brachte er ein weiteres Argument gegen die geplante Bepflanzung an, das er bereits im Bau- und Umweltausschuss vorgetragen hatte. So würden Studien zeigen, dass die hiesige Waldbrandgefahr immer weiter ansteige.

Gerade Nadelbäume, die nach den Plänen aufgeforstet werden sollen, sind besonders gefährdet. „Bei 100 Millionen Etat sollte eine Lärmschutzwand auf zwei Jahre verteilt doch drin sein“, machte Felzmann deutlich. Daraufhin brach langanhaltender Applaus aus, der bei Panzer das Fass zum Überlaufen brachte. Er stand auf und erklärte zur Menge gerichtet, dass der Gemeinderat unter solchen Umständen nicht arbeiten könne. Kurzzeitig sah es sogar danach aus, dass der Bürgermeister die Sitzung abbrechen wollte. Als der Geräusch­pegel sich wieder senkte, machte Panzer erneut deutlich, dass der Gutachter festgestellt hat, dass eine Lärmschutzwand kaum etwas bringen würde.

Daraufhin übernahm Peter Hupfauer (FDP) das Wort und legte die bereits bekannten Argumente seiner Fraktion dar. „Wir müssen einen großen Schritt zurückgehen“, erklärte er. Die Information, dass eine Wand kostengünstiger sei als von der Verwaltung angegeben, habe es schon immer gegeben. Daher müsse eine Machbarkeitsstudie zur Wand in Auftrag gegeben werden. Außerdem könne doch der Kostenvorschlag, den Catia Hilgart ermitteln lassen hat, einfach einmal geprüft werden. Bis das geklärt sei, müsse für ihn das Thema Aufforstung hinten anstehen. Auch hier folgte lauter Beifall. Hupfauer selbst ermahnte allerdings die Bürger, sich zurückzuhalten und das neutrale Gremium in seiner Arbeit nicht zu behindern.

„Die Emotionen sind sehr hoch und wir sollten das schon ernst nehmen“, meldete sich CSU-ler Christian Dollinger zu Wort. Um die Gemüter etwas zu beruhigen, schlug er vor, den damaligen Gutachter erneut vorsprechen zu lassen. „Ich selbst kann mich kaum noch erinnern, was dieser damals meinte“, merkte er an. Diesen Vorschlag lobte Panzer. Er wolle versuchen, das terminlich für eine der Sitzungen einzurichten.

Bei der anschließenden Abstimmung erhielt der Beschluss zum Weiterverfolgen der Aufforstung trotz Bürgerprotesten mit 13 zu 9 Stimmen die Zustimmung. Die Mehrheit der CSU-Fraktion, Köhler und Hupf­auer sprachen sich dagegen aus.

Nach entsetzten Reaktionen aus dem Publikum verließ der Großteil der Bürger den Saal und es ging weiter auf der Tagesordnung. Dass die Bezuschussung der 150-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr so viel weniger Interesse hervorrief, bedauerten zwar Verwaltung und Gemeinderat – zumindest war aber ohne die wütende Bürgerschaft das Klima im Raum wieder gemäßigter.

Iris Janda

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