Mehr als nur ein Produkt aus Blättern

Taufkirchner Firma „Leaf Republic“ stellt Geschirr aus Laub her

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Carolin Fiechter ist Mitbegründerin des Start-ups "Leaf Republic".
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Unter anderem Schalen und Teller stellt die Firma "Leaf Republic" aus Blättern her.
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Mit einer selbstgebauten Maschine werden diese in die richtige Form gepresst und anschließend ausgestanzt.
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Rund 20.000 Blätterplatten stapeln sich im Lager in Taufkirchen und warten darauf weiter verarbeitet zu werden.

Geschirr und Schalen, die nur aus Laub besteht — unmöglich? Keineswegs. Die Taufkirchner Firma „Leaf Republic“ ersetzt Kunststoff durch Rohmaterialen. Eingesetzt werden sie im Gastronomie- und Take-Away-Food-Bereich, im Catering sowie in Foodtrucks. Geschäftsführerin Carolin Fiechter erzählt, wie es zu der Idee kam und was für die Zukunft geplant ist.

Eine große Grillparty mit Freunden an der Isar. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung — es wird gelacht, getrunken und natürlich gegessen. Da Fleisch, fettige Würstchen und Salat schlecht mit der Hand zu essen sind, wurde Einweggeschirr gekauft — aus Plastik.

Genau in dieser Situation befanden sich die beiden Geschäftsführer der „Leaf Republic“, Carolin Fiechter und Pedram Zolgadri vor gut drei Jahren. In Anbetracht des vielen Mülls durch Plastikgeschirr, der bei der Grillfeier entstanden war, dachten sie sich: „Es muss doch auch eine natürliche Alternative geben“, erinnert sich Fiechter. Natürlich gebe es bereits biologische Verpackungsmaterialien, aber „wer will schon aus hässlichen braunen Tüten essen“, sagt Fiechter, die BWL in München studiert hat und vor der „Leaf Republic“ als Bankkauffrau arbeitete. Ihre Produkte sollten ansprechend und hochwertig aussehen, „Spaß machen und nachhaltig sein“.

Zolgadri sei auf die Idee mit den Blättern gekommen. „Er reiste um die ganze Welt, um geeignetes Laub zu finden“, sagt die 36-Jährige. Das sei gar nicht so einfach gewesen, würden die Blätter doch hohe Ansprüche erfüllen: „Sie müssen auch nach dem Trocknen grün bleiben und dürfen nicht bröckeln. Mit den Blättern des Siali-Baumes, der wild in Asien und Südamerika wächst, seien die beiden schlussendlich fündig geworden. „Natürlich würden wir auch gerne mit europäischen Blättern arbeiten, haben aber bisher keine geeigneten gefunden.“ 2013 war es dann schließlich soweit: Fiechter und Zolgadri gründeten die „Leaf Republic GmbH“, die sie als „Sammelbrutstätte für kreative Menschen“ bezeichnen. Und kreativ sein sollte man bei der „Leaf Republic“ wirklich: Alles ist selbst gemacht. Die Maschinen sind Marke Eigenbau, die individuellen Skizzen für die Produkte fertigen die Mitarbeiter selbst an und alles wird direkt in Taufkirchen produziert. „In Deutschland zu produzieren ist für uns Ehrensache und gehört zur Firmenphilosophie.“ Lediglich die Blätterplatten bekommen sie von ihren Tochterunternehmen aus Asien und Südamerika geliefert. 56 Festangestellte arbeiten dort sowie 2000 Freiberufler. In Taufkirchen sind es acht festangestellte Mitarbeiter, dazu sechs Flüchtlinge und zwei Praktikanten.

Rund 20.000 solcher Blätterplatten stapeln sich im Lager in Taufkirchen und warten darauf, weiter verarbeitet zu werden. Der Geruch nach Grünem Tee liegt dort in der Luft. „Immer zwischen zwei Blätterplatten kommt eine Papierschicht“, erklärt Fiechter. Natürlich stellt die Firma auch das Papier aus Laubresten her, zusammengesteckt werden sie mit getrockneten Grashalmen und Palmenblättern, Kleber und Chemie sind tabu! Alles Natur, alles vollkommen kompostierbar.

Die zusammengesteckten Platten kommen dann in die Presse und werden anschließend durch eine selbst gebaute Maschine ausgestanzt. „Fest im Angebot haben wir derzeit drei Tellergrößen, drei längliche Schalen sowie eine Salat- und Dippschale.“ Natürlich fertigt die „Leaf Republic“ auch individuelle, auf den jeweiligen Kunden angepasste, Designs an. „Letztens haben wir eine spezielle Pommesschale für einen Kunden angefertigt“, sagt die Chefin. „Der Renner!“

Derzeit liefert die „Leaf Republic“ nur innerhalb Europas, aber natürlich ist es Ziel, „irgendwann die ganze Welt mit unseren Produkten versorgen zu können“. Anfragen aus Asien und Südamerika habe man bereits, kein Wunder: „Unsere Produkte sind einzigartig und einmalig auf dem Markt.“

Derzeit seien die meisten Kunden aus dem Gastronomiebereich und setzten das Laubgeschirr im Cateringbereich und in Foodtrucks, also mobilen Imbissbuden, ein. Auch Take-Away-Food, sprich Essen zum Mitnehmen, würde häufig auf dem Laubgeschirr serviert. Doch auch Leute, die sich privat dafür interessieren, können sich freuen: „In Kürze wird es unsere Produkte auch bei Amazon geben“, verkündet Fiechter. Beim Versandhandel angekommen seien die Produkte bereits. „Wir warten nur noch darauf, dass Amazon sie freischaltet.

„Leaf Republic“ ist mehr als ein Produkt aus Blättern. Es ist eine Lebenseinstellung. So versucht die Firma auch, Alternativen zu Kunststoffdeckeln zu entwickeln, die teils noch unverzichtbar sind, um gewisse Lebensmittel zu verkaufen. „Die Kunden wollen ihren Salat einfach sehen, bevor sie ihn kaufen“, sagt die Chefin. Die Lösung habe man schon gefunden, aber noch nicht die Investoren dafür.

Tanja Buchka

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