Großes Engagement für kleine Vierbeiner

Taufkirchner erhält Umweltehrung des Landkreises

Peter Csernich aus Taufkirchen vor einem Holzhaus für Reptilien an einem Waldstück Taufkirchen-Potzham.
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Der Taufkirchner Peter Csernich hat ein Haus für Waldeidechsen errichtet. Dafür wurde er mit der Umweltehrung des Landkreises ausgezeichnet.
  • vonIris Janda
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Ein Reptilienhaus für Waldeidechsen — für diese Idee wurde der Taufkirchner Peter Csernich vom Landratsamt München mit dem Umweltpreis ausgezeichnet. Ganzjährig kümmert sich der Rentner um ein Waldstück im Landschaftsschutzgebiet.

Es ist kalt an diesem Morgen im Taufkirchner Ortsteil Potzham. Ein paar wenige Sonnenstrahlen durchbrechen das dicke Grau des Himmels. Auch wenn es trocken bleibt an diesem Februartag, es ist sicherlich nicht die beste Jahreszeit für einen Besuch im Wald. Peter Csernich sieht das anders. „Ich liebe es da draußen! Da wird mir warm, da schwitz‘ ich“, erklärt er lachend. Wenn der 72-jährige Taufkirchner von der Arbeit im Wald erzählt, dann leuchten seine Augen.

Das ganze Jahr über kümmert sich Csernich um ein kleines Waldstück am Ende des Mühlwegs, das in Privatbesitz ist. Es ist umgeben von Feuchtwiesen, der Hachinger Bach – an dieser Stelle besonders breit – grenzt östlich daran. Der Bereich, auf dem auch Bodenbrüter nisten, steht unter Naturschutz. In Absprache mit der Besitzerin schaut Csernich regelmäßig in dem Waldstück vorbei und überprüft, ob große Äste heruntergefallen oder Bäume umgestürzt sind. Wenn der Verwalter sein Okay gibt, „dann heißt es Aufarbeiten“. Der Rentner darf dann das Holz abtragen, zerschneiden und für seinen Holzofen verwenden.

Der Anlass des Besuchs ist diesmal aber ein anderer. Am Waldrand steht ein kleines, liebevoll errichtetes Holzhäuschen. Die Scheite hat der Taufkirchner extra zurecht schneiden und das Dach anfertigen lassen. Von den Bewohnern des „Anwesens“ fehlt allerdings jede Spur – denn die sind gerade im Winterschlaf. Csernich hat das Häuschen im Sommer für die Waldeidechsen errichtet, die er in dem Bereich immer wieder gesichtet hat. Nun wurde der engagierte Bürger dafür mit dem Umweltpreis des Landkreises München ausgezeichnet.

Die Waldeidechse ist kein Exot in unseren Gefilden. Sie gilt als die am weitesten nach Norden vordringende Reptilienart. Durch die Zerstörung von Magerbiotopen wie Heiden und Waldrändern, die Beseitigung von Totholz und die Aufforstung von lichten Flächen sind die Reptilien gefährdet. Laut Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung gelten sie hierzulande als besonders geschützt.

Die tagaktiven Tiere leben in Mooren, Heiden und Steinbrüchen genauso wie an Waldflächen und -rändern. Sie brauchen Licht, um sich zu wärmen, aber zum Schutz vor Feinden gleichzeitig auch Rückzugsmöglichkeiten. Und: „Die wollen ihre Ruhe haben“, betont Csernich. Mit Hauskatzen gebe es in dem Waldstück keine Schwierigkeiten, aber die Hundebesitzer, die immer wieder verbotenerweise auf dem Privatgrundstück Gassi gehen, verärgern ihn. Auch weil sie ihren Müll achtlos zurücklassen.

Csernich kennt das Stückchen Wald wie seine Westentasche. „Der Baum fällt wahrscheinlich beim nächsten Sturm um“ und „da sieht man am Stamm, dass der kaputt ist“, erklärt er während des Gangs durchs Gehölz. „Wald“ – das klingt für die meisten nach dichtstehenden, tiefwurzelnden Bäumen und vermoosten Böden. In diesem Fall wird das Stück Wald lediglich rundherum von Bäumen gesäumt, ungefähr zwei Drittel der Fläche sind dichtbewachsenes Gebüsch. Darunter ist das japanische Springkraut – auch Drüsiges Springkraut genannt – das der 72-Jährige immer wieder zurückschneidet, weil es heimische Pflanzen verdrängt.

Zunehmende Trockenheit zerstört die Wälder

Dass es dort so licht ist, spielt zwar der Waldeidechse in die Karten. Es ist aber eine alarmierende Entwicklung, die in ganz Deutschland zu beo­bachten ist. „Der ganze Wald hinten ist kaputt gegangen. Das meiste war der Borkenkäfer“, weiß Csernich. „Das ist eine Katastrophe.“ Eine kleines Wäldchen Richtung Weiher sei den Schädlingen komplett zum Opfer gefallen und musste neu bepflanzt werden. Es sei ein schleichender Prozess über die vergangenen zehn Jahre gewesen.

Das „Waldsterben“ wurde hierzulande bereits in den frühen 1980er-Jahren in die öffentliche Diskussion getragen. Während vor 40 Jahren noch Luftverschmutzung und saurer Regen als direkte Ursachen gesehen wurden, macht seit dem Beginn der 2000er Jahre der Klimawandel und die damit einhergehende, anhaltende Trockenheit dem Forst zu schaffen. Allein der Blick auf die vergangenen drei Jahre ist alarmierend: Sie alle waren im Frühjahr und Sommer niederschlagsarm und zu heiß. Bäume können ihre Wasserreserven nicht auffüllen, die sie widerstandsfähig gegen Insekten und Witterung machen.

Die Folgen sind der massenhafte Befall durch den Borkenkäfer und zahlreiche umgefallene Bäume durch Stürme. Besonders Nadelbaumarten wie Tannen und Fichten, die vielerorts zur Holzgewinnung in Monokulturen angebaut wurden, sind für den Borkenkäfer anfällig. Deshalb plant die Landesregierung eine „Waldumbauoffensive“ hin zu mehr artenreichen und gemischten Wäldern, wie die bayerische Forstministerin Michaela Kaniber im November 2020 anlässlich des jährlichen Waldberichts erklärte.

Gutes tun für den Umweltschutz

Ob er auch in Taufkirchen eine solche Veränderung bemerkt? Csernich wiegelt ab. Er sei kein Fachmann, kann nur sagen, was er sieht. Und das seien weniger Fichten und mehr Laubbäume. All sein Wissen über den Wald und dessen Bewohner hat sich Csernich, der 30 Jahre bei der IABG als Kältemechaniker gearbeitet hat, selbst angeeignet. Durch Beobachten, Gespräche mit Nachbarn und den Wald­besitzern aus der Umgebung.

So entstand auch die Idee für das Reptilienhaus, ein Vorbild gab es dafür nicht. „Das hab ich mir überlegt“, sagt der 72-Jährige lachend. „Ich hab mir gedacht, ich tu was Gutes.“ Er habe beobachtet, dass sich die Waldeidechsen gerne in Holzstapeln verstecken. Als diese weg mussten, beschloss er, das Häuschen zu bauen. „Mit Dach, damit es trocken bleibt!“ Das Haus ist noch nicht ganz fertig, jetzt müssten unbedingt noch große Natursteine davor. „Viele, große Steine!“ Csernich hofft, dass dann in diesem Frühjahr erstmals Bewohner dort einziehen.

Das Arbeiten im Wald hält den gebürtigen Taufkirchner fit. „Wenn du in den Wald rein gehst, hast du eine ganz andere Luftfeuchtigkeit. Du fängst innerhalb von kürzester Zeit beim Arbeiten das Schwitzen an. Das ist ideal“, sagt er. Das habe die Arbeit mit seiner zweiten großen Leidenschaft – dem Judo – gemein: „Ich bin kein Jogger, sondern ich brauche kurze, kräftige Bewegungen wie beim Judo.“

Seine Freude über die Auszeichnung ist groß, „vor allem weil du damit nicht rechnest“. Denn Csernich ist niemand, der groß Aufheben um sein Engagement macht. Sein großer Dank gilt daher Erika Theimer vom Umweltamt der Gemeinde, die ihn für den Preis vorgeschlagen hat. „Wenn es solche Menschen nicht gibt, wird die Arbeit auch nicht wahrgenommen. Es muss immer jemand da sein, der so etwas ins Rollen bringt.“

Iris Janda

Umweltehrung 2020

Mit der Umweltehrung des Landkreises München werden Personen bedacht, die im Umweltbereich ehrenamtlich besondere Aktionen und Initiativen unterstützt oder durchgeführt haben. Insgesamt 18 Menschen mit elf herausragenden Projekten wurden 2020 geehrt. Zum ersten Mal in 16 Jahren konnten diese für ihr Engagement nicht persönlich vom Landrat ausgezeichnet werden. Neben Ehrennadel des Landkreises München, der Ehrenurkunde und einem Präsentkorb erhielten sie deshalb außerdem einen kleinen Imagefilm zu ihrem Projekt.

Aus Taufkirchen und Unterhaching wurden in diesem Jahr unter anderem noch Hans Meixner, Manfred Bumann und Kurt Antosch für das „Repair Café Taufkirchen“ mit der Umweltehrung ausgezeichnet. Mehrmals im Jahr reparieren im Bürgertreff verschiedene Fachkräfte kostenlos kaputte Gegenstände (HALLO berichtete). Reparieren anstatt neu kaufen und Hilfe zur Selbsthilfe stehen dabei im Vordergrund des Projekts.

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