Beruhigen und ermahnen

Arbeitsalltag in der Eschen-Apotheke Taufkirchen in Krisen-Zeiten

„Liebe zeigen – Abstand halten“: Unter diesem Motto ist das Team der Eschen-Apotheke in Taufkirchen auch weiterhin für die Kunden im Einsatz.
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„Liebe zeigen – Abstand halten“: Unter diesem Motto ist das Team der Eschen-Apotheke in Taufkirchen auch weiterhin für die Kunden im Einsatz.

Neben Personal in Klinken, Pflegeheimen und Arztpraxen stehen auch Apotheker täglich mit Erkrankten in Kontakt, um die Versorgung zu gewährleisten. Dabei ist vor allem auch Fingerspitzengefühl gefragt.

Taufkirchen – Unzählige Bilder von leeren Toilettenpapier- und Nudelregalen sind in den vergangenen Wochen durch die Medien und das Internet gegeistert. Schuld waren Hamsterkäufe vieler Bürger, die Angst hatten, wegen der Corona-Krise nicht mehr au sreichend versorgt zu werden. Ein Verhalten, das auch in den Apotheken zu spüren war. Und dort ist es wesentlich fataler. Es ist schlimmer, wenn ein lebenswichtiges Medikament ausgeht. 

„Leider waren anfangs sehr viele Hamsterkäufe mit dabei“, erzählt Cornelia Löwig, Leiterin der Eschen-Apotheke in Taufkirchen. Zum Beispiel hat es einen riesigen Ansturm auf das Schmerzmittel Paracetamol gegeben, weil in den sozialen Netzwerken behauptet wurde, Ibuprofen könne bei Corona schädlich sein. Auch Fieberthermometer oder andere verschreibungsfreie Medikamente wurden vermehrt gekauft. 

Aber auch bei rezeptpflichtigen Arzneien haben sich viele Patienten Vorräte angelegt. Und dort gab es bereits vor Corona bei einigen Präparaten Lieferengpässe. „Durch das Hamstern verschärft sich da die Lage natürlich“, erklärt die Apothekerin. Außerdem könnten vermutlich auch einige Hersteller nicht in den Mengen wie bislang produzieren, weil sich Lieferungen aus dem Ausland verzögern.

Gleiches Medikament – anderer Hersteller

Dennoch: Weiterhin muss niemand Angst haben, seine Medizin nicht mehr zu erhalten. „Wir haben es bis jetzt immer geschafft, jeden Patienten zu beliefern. Vielleicht von einem anderen Hersteller als gewöhnlich, aber das Medikament und die Wirkung bleiben die gleiche“, meint Löwig. 

Es zählt, dann viel umzuorganisieren und mit anderen Apotheken zusammenzuarbeiten. Eine große Erleichterung sei außerdem, dass die Krankenkassen derzeit ihre Rabattverträge, die sie mit bestimmten Herstellern geschlossen haben, aussetzen. Dadurch sind die Apotheker nicht mehr dazu verpflichtet, nur das Medikament eines bestimmten Herstellers dem Patienten zu geben, sondern dürfen, wenn es nicht vorrätig ist, das einer anderen Marke verkaufen. „Das macht jetzt vieles leichter“, meint Löwig. 

Ganz abgesehen von den entstehenden Lieferengpässen bedauert die Pharmazeutin, dass anfangs so viele Kunden auf einmal kamen. „Das war schade, weil wir uns nicht so viel Zeit wie sonst für die Beratung nehmen konnten.“ Dabei ist gerade in der aktuellen Situation die Beratung der Patienten ein wichtiger Bestandteil des Arbeitsalltags. „Ein großer Teil unserer Arbeit ist jetzt auch psychologische Unterstützung. Wir sortieren die Fakten, informieren und versuchen zu beruhigen“, erzählt die Apothekerin. Andere müssten aber auch zu mehr Vorsicht ermahnt werden, etwa Ältere, die vorbei kommen, ohne sich zu schützen.

„Die eine Hälfte der Patienten beruhigen wir, die andere ermahnen wir, mehr auf sich und ihre Mitmenschen zu achten.“ Als Apotheker versuchen sie ohnehin immer beruhigende Worte zu finden. „Das machen wir jetzt natürlich noch mehr als sonst.“

Mehr als 20 Fahrten pro Tag

Nicht nur die Beratung, vor allem die Sicherheit ist derzeit besonders wichtig. Mit Plexiglasscheiben am Verkaufs­tresen, Desinfektionsmittel, Abstandsregeln und einer begrenzten Anzahl von Kunden im Geschäft wird das Infektionsrisiko – für Kunden wie Mitarbeiter – so niedrig wie möglich gehalten.

Aber gerade bei Älteren und Risikopatienten plädiert Löwig dafür, dass diese nur einmal oder erst gar nicht in die Apotheke kommen. „Wir haben unseren Botendienst sehr ausgeweitet und versuchen alles, damit Risikopatienten erst gar nicht außer Haus müssen“, erzählt die Apotheken-Leiterin. Vor Corona hatten sie ungefähr zwei Botenfahrten täglich, „nun sind es 15 bis 20 am Tag, manchmal auch mehr“. Es besteht eine enge Kooperation mit den Ärzten, Rezepte werden gefaxt oder in der Praxis abgeholt.

Das sei eine der guten Seiten der Krise: „Es ist sehr schön, wie gut wir alle zusammenarbeiten, mit Ärzten, andere Apotheken, Rettungskräften und auch Behörden“, erzählt Löwig. Auch habe sie das Gefühl, dass die Arbeit und das Engagement der Apotheken vor Ort wieder mehr wertgeschätzt wird. „Beim Online-Versandhandel kann man sich vielleicht schnell was schicken lassen, aber eine gute Beratung und persönlichen Einsatz gibt es nur vor Ort.“

Iris Janda

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