„Ein Pflaster auf das, was im System nicht funktioniert“

Der Hachinger Tisch teilt Lebensmittel aus

Die Ehrenamtlichen des Hachinger Tisches geben jeden Freitag ab 11 Uhr Lebensmittel an Bedürftige aus. Zwischen einer und anderthalb Tonnen Lebensmittel werden dort wöchentlich ausgegeben.
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Die Ehrenamtlichen des Hachinger Tisches geben jeden Freitag ab 11 Uhr Lebensmittel an Bedürftige aus. Zwischen einer und anderthalb Tonnen Lebensmittel werden dort wöchentlich ausgegeben.

Taufkirchen – Vor 14 Jahren kamen erste Überlegungen auf, wie Bedürftigen geholfen werden kann. Daraus entstand dann der Hachinger Tisch, der nun schon seit dem 21. September 2007 unter der Trägerschaft der Caritas besteht. Es werden dort Lebensmittel für Bedürf­tige verteilt.

Über eine Tonne Lebensmittel sammeln rund 120 ehrenamtliche Helfer Woche für Woche bei Groß- und Einzelhändlern ein, die an Bedürftige ausgeteilt werden. Damit entlastet der Hachinger Tisch die Bedürftigen finanziell und wirkt gleichzeitig der Lebensmittelverschwendung entgegen. „Am wertvollsten ist für mich die Dankbarkeit der Empfänger“, sagt Edeltraud Kaufmann. Sie ist im Leitungsteam und kümmert sich in ihrer Freizeit darum, neue Lebensmittelspender zu generieren. „Wenn ich mitbekomme, dass ein neues Geschäft öffnet, gehe ich direkt vorbei und erzähle von dem Hachinger Tisch“, sagt Kaufmann mit strahlenden Augen. 

Donnerstags werden die Lebensmittelspenden eingeladen, am Freitag ausgeladen, sortiert und verräumt, bevor sie schließlich ab 11 Uhr ausgegeben werden. Während der Arbeit müssen strenge Regeln eingehalten werden. Zum einen gilt das für die Arbeitssicherheit der Ehrenamtler, die viel heben müssen, zum anderen betrifft es die Hygienevorkehrungen: Die Kühlkette der gespendeten Lebensmittel darf nicht unterbrochen werden und die Ehrenamtler müssen an einer Hygienebelehrung teilnehmen. 

Die gespendeten Lebensmittel bewegen sich ab und an um das Mindesthaltbarkeitsdatum herum, was hin und wieder für Verwirrungen bei den Empfängern sorgt. Was manche nicht wissen: Mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum garantiert der Hersteller lediglich, dass sich das ungeöffnete Produkt bis zu diesem Datum nicht in Geruch und Geschmack verändert. Tatsächlich hält sich beispielsweise ein ungeöffneter Joghurt im Kühlschrank bis zu 2 Monate über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus. 

Grundsätzlich müsse jeder Empfänger selbst nach Öffnung der Produkte überprüfen, ob das Lebensmittel noch genießbar ist, was bei der Ausweisübergabe von den Klienten auch unterschrieben werde. Kommt es vor Ort dennoch zu Irritationen, nehmen sich die Helfer gerne Zeit und lösen die Verunsicherung beim Empfänger auf. Sowohl für die Ehrenamtlichen als auch für die Klienten stellt der Hachinger Tisch zusätzlich einen festen Anker im Leben dar. 

Man kennt sich. Der Austausch untereinander, der soziale Kontakt und die gute Sache, all das macht den Hachinger Tisch zu mehr als eine Lebensmittelausgabe: Zu einem Ort, an dem nicht weggesehen wird. Ursula Büchner hilft gerne, wo sie kann. Sie ist seit der ersten Stunde beim Hachinger Tisch dabei. Die Gründung des Tisches ging jedoch von der Caritas aus, die dann auf die Kommunen, Pfarreien und Nachbarschaftshilfen zugegangen sind. Büchner erinnert sich: „Anfangs – vor vierzehn Jahren – ist niemand davon ausgegangen, dass sich der Hachinger Tisch durchsetzt.“ 

Sie ist stolz, Gegenteiliges bewiesen zu haben. „Und durch Corona braucht man uns in Zukunft vielleicht sogar noch viel mehr“, so Büchner. Es kann jeden treffen. Ob im Alter, wenn die Rente gerade so ausreichend ist, um das Nötigste zu decken, auch Alleinerziehende oder große Familien sind betroffen. Claudia Mammach, Fachdienstleiterin der Caritas, erklärt, dass grundsätzlich jeder bei der Lebensmittel­ausgabe willkommen ist, der sich im Leistungsbezug befindet. „Jeder Mensch wird von uns beraten. Wir wollen, dass es den Leuten besser geht“, sagt Mammach. Ein Ausweis für die Berechtigung der Lebensmittelausgabe erhalten die Antragssteller nach einer Berechtigungsprüfung.

 Gleichzeitig werden von der Caritas weitere Unterstützungsmöglichkeiten angeboten. So werden Klienten beispielsweise an Schulden- oder Erziehungsberater vermittelt. Insgesamt betreut die Caritas den gesamten Münchner Landkreis. Die Ausgaben sind in acht Gemeinden, versorgt werden dabei Menschen aus 15 Gemeinden. Die Hauptaufgabe besteht in jeder Beratung darin, die Existenzsicherung der einzelnen Klienten zu gewährleisten. 

Dabei liegt der Fokus vor allem darauf, die Wohnung nicht zu verlieren. Das Problem sei, so Claudia Mammach, dass beispielsweise die neue Waschmaschine per Ratenzahlung gekauft werde und oft das Geld an anderer Stelle fehle, wie eben bei den Lebensmitteln. Hier ist der Hachinger Tisch die rettende Insel. Sind genügend freie Plätze und Lebensmittel vorhanden, können sich die Berechtigten mit ihrem Ausweis Lebensmittel abholen, wofür sie einen obligatorischen Euro bezahlen. 

Familien bezahlen zwei Euro. „Wir geben das weiter, was wir geschenkt bekommen“, sagt Claudia Mammach „es ist eine Unterstützung, aber wir können nicht dafür sorgen, dass die Bedürftigen komplett ausgestattet sind.“ Claudia Mammach sagt: „Am liebsten wäre es uns, wenn es uns gar nicht geben würde.“ Nach einem Moment des Innehaltens ergänzt sie den Satz: „Es wäre gut, wenn die Leute uns nicht brauchen würden. 

Wir kleben ja nur ein Pflaster auf das, was im System nicht funktioniert.“ Und dennoch: Der Rückhalt ist groß. Die Unterstützung ist vor allem durch die Kommunen, Bürgermeister und Pfarreien gegeben. Das Projekt des Hachinger Tisches finanziert sich durch Spenden, denn Benzin und Putzmittel – besonders unter den aktuellen Hygienevorschriften – müssen bezahlt werden. 

Für viele Bürger der Gemeinden Oberhaching, Unterhaching und Taufkirchen gehört der Hachinger Tisch fest zum Alltag dazu. Wer das Projekt unterstützen möchte oder weitere Informationen über den Hachinger Tisch sammeln will, findet diese auf der Internetseite https://www.caritas-nah-am-naechsten.de/allgemeine-soziale-beratungsstelle-taufkirchen/cont/40157 

Melanie Schröpfer

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