Verkehrsanalyse bringt Aufschluss für Taufkirchen

Der Verkehr, der durch das Nadelöhr muss

Die Münchener Straße, Ecke Köglweg in Taufkirchen ist sehr befahren.
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Der Verkehr in Taufkirchen ist an der Münchener Straße mitunter sehr ausgeprägt.

Die Gemeinde Taufkirchen weiß um den vielen Verkehr. Wie viele Autos wann und wo die Straßen passieren, hat nun ein Verkehrsgutachten aufgeschlüsselt. So kann an mancher Stelle reagiert werden.

Taufkirchen - Wer kennt es nicht: Montagmorgen, der Wecker klingelt aus unerklärlichen Gründen viel zu spät, die Zeit drängt, die Arbeit ruft. Ab ins Auto, dann klappt es vielleicht doch noch pünktlich. Dann die Bremse. Stop and Go. Taufkirchner Autofahrern dürfte diese Szenerie bekannt sein. Da ist viel los auf den Straßen und damit besteht auch ein hohes Frustpotenzial.

Um herauszufinden, wo in Taufkirchen der meiste Verkehr aufkommt und im Umkehrschluss Lösungen zu finden, beauftragte die Gemeinde den Verkehrsexperten Robert Ulzhöfer, diese Informationen einzuholen und ein Verkehrskonzept zu erstellen. Vergangenes Jahr im Herbst begannen umfangreiche Zählungen. Dabei wurden einzelne Gemeindegebiete in Zellen eingeteilt und zu einzelnen Teilgebieten zusammengefasst. Somit wurden über 30 Bezirke definiert. Dem Gemeinderat trug der Experte dann seine Erkenntnisse vor.

Zu Anfang konnte gleich gesagt werden, dass der Verkehr besonders an der Münchener Straße, Ecke Köglweg belastet ist. 9500 Autos konnten innerhalb von 14 Stunden durchgezählt werden. Auf 24 Stunden gerechnet sind die 10.000 überschritten. Ulzhöfer berichtete, dass sehr viel Verkehr an der Ahornallee und am Lindenring kurz vor der Waldstraße fließt.

Auch hier wieder fast 10.000 Fahrzeuge. „Das ist für eine Sammelstraße schon sehr, sehr viel. Gerade in einer Gemeinde Ihrer Größenordnung.“ Innerhalb der Gemeinde würden sich 6000 Fahrzeuge von Taufkirchnern auf der Münchener Straße in die Stadt München rein bewegen.

82 Prozent des Verkehrs in Taufkirchen ist Durchgangsverkehr. Fahrzeuge, die über den Hohenbrunner Weg kommen, fahren zu 42 Prozent durch. In puncto Durchgangsverkehr spielen auch die Gemeinden Oberhaching und Unterhaching eine große Rolle für Taufkirchen. München eher weniger, weil der Anschluss der S-Bahn gegeben ist.

Von Taufkirchen aus seien Neubiberg und Ottobrunn laut der Verkehrsanalyse für die Autofahrer ein wichtiges Ziel. Warum aber ist der Verkehr in Taufkirchen so dicht? Jeder vierte Berufstätige hat eine Zeitkarte für den ÖPNV, bei den Ruheständlern hat auch jeder sechste einen Fahrschein. Trotzdem fahren insgesamt 50 Prozent aus Taufkirchen mit dem Auto raus, selbst wenn das Ziel nur in eine Nachbargemeinde führt.

Denn das Problem ist, dass es zu wenig Verbindung im Regionalverkehr gibt, der Takt zu dünn ist und zu früh aussetzt oder am Wochenende gar nicht zur Verfügung steht. Auch warte der Bus oft nicht auf die S-Bahn. So beginne der Verkehr in Taufkirchen ab fünf Uhr morgens. Um kurz vor acht erreicht er dann seinen Gipfel. Die Analyse ergab, dass fast 55 Prozent der Befragten eine Änderung wollten.

Problembehaftet sei, dass die Kreuzungen unübersichtlich seien, Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht eingehalten würden, Fahrbahnen kaputt seien. Auch beim ruhenden Verkehr hat Taufkirchen seine Probleme. Dafür befragten die Gutachter die Bürger: Zu wenig Parkplätze, der Fußgänger- und Radverkehr sei schlecht ausgebaut und zu gefährlich in den Augen vieler Radlfahrer. Eines der Zitate der Taufkirchner lautet „In der Spielstraße ‚Im Mitterfeld‘ wird viel zu schnell gefahren. Ich habe Angst, meine Kinder alleine auf die Straße zu lassen“.

Daher steht nach der umfangreichen Verkehrsanalyse nun im nächsten Schritt ein Verkehrskonzept an. Vorschläge wären mehr Einbahnstraßen, Verkehrsspiegel und Verkehrskontrollen. Zudem soll, aufbauend auf der Analyse, eine Prognose für das Jahr 2035 erstellt werden, die darstellen soll, wie die Gemeinde aussehen würde, wenn sich nichts verändern würde.

„Die Prognose soll bewusst auch abschreckend wirken“, so Ulzhöfer. Dann sollen Szenarien entwickelt werden, wie „Was wäre wenn, wir annehmen, dass sich die Radinfrastruktur verbessern wird, was wäre, wenn der Bus alle zehn Minuten fahren würde, was wäre, wenn Taufkirchen wächst und was würde das wiederum für den Verkehr bedeuten?“, so der Verkehrsexperte.

Melanie Schröpfer

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