Kaputtes wird repariert – Nachhaltigkeit und Gemeinschaft in einem

Taufkirchen: Im Repair-Café setzen Ehrenamtliche Kaputtes wieder instand

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Egal ob kaputter Fernseher oder ein Kleidungsstück mit Loch: Im Repair-Café im Bürgertreff Taufkirchen wird repariert statt weggeworfen.

Im Repair-Café in der Eschenpassage können ­Bürger defekte Gegenstände hinbringen, die Ehrenamtliche kostenlos reparieren. Aber bei der Aktion steht nicht nur das Reparieren im Vordergrund.

Taufkirchen – Reparieren statt Wegwerfen – dieser Gedanke der Nachhaltigkeit setzt sich hierzulande immer mehr in den Köpfen fest. Derzeit ist ein Wandel in unserer konsumgeprägten Gesellschaft zu beobachten. Doch nicht jeder ist handwerklich begabt oder kennt sich mit Elektronik aus. 

Eine Reparatur beim Fachmann können sich viele nicht leisten oder übersteigt meist den Wert des Gegenstands. Abhilfe bei diesem Problem schaffen Repair Cafés wie es sie mehrfach in München und im Umland gibt. Und seit 2016 auch in Taufkirchen.

Die Initiative dazu ging von Silvia Engelhardt aus, Leiterin der Volkshochschule (Vhs) Taufkirchen: „Ich kannte das Konzept bereits aus Haar, ich habe das Repair Café an der dortigen Vhs initiiert. Als ich nach Taufkirchen kam, hab ich die Idee im Bürgertreff vorgestellt.“ 

Engelhardt gefällt, dass das Café verschiedene Aspekte vereint: „Die Idee bindet ehrenamtliches Engagement und hat gleichzeitig den Umweltaspekt inne. Man muss nicht alles gleich wegwerfen, sondern kann nachbarschaftliche Hilfe in Anspruch nehmen.“

Ungefähr viermal im Jahr wird das Repair Café im Bürgertreff in der Eschenpassage veranstaltet. Bürger können kaputte und funktionsuntüchtige Gegenstände dorthin bringen, die ehrenamtliche Helfer kostenlos reparieren. Das bedeutet aber nicht, dass der hilfesuchende Bürger in der Zwischenzeit andere Dinge erledigen kann.

„Hilfe zur Selbsthilfe, dieser Gedanke stand von Anfang an im Vordergrund“, erklärt Alexandra Weikert. Sie ist im zweiten Vorstand der Vhs und seit Gründung des Repair Cafés als Helferin mit dabei. Die Leute sollen dabei bleiben und zusehen, wie ihr Gegenstand repariert wird.

Dabei kriegen sie Tipps, wie sie nächstes Mal selbst das Problem lösen können oder welche Verhaltensweisen vermieden werden sollten, damit der Defekt erst gar nicht wieder auftritt. Oft seien nur Kleinigkeiten zu tun, weiß Weikert: „Zum Beispiel bei einer älteren Frau, deren Ehemann gestorben ist, und die selbst nicht weiß, wie man eine Batterie wechselt. Das kann man ihr dann leicht zeigen.“

Weikert selbst ist nicht für die Reparaturen zuständig, sondern kümmert sich um die Anmeldung. Wer vorbei kommt, muss ein Formular ausfüllen und einen Haftungsausschluss unterschreiben. Schließlich sind keine Fachleute am Werk. „Wir bemühen uns selbstverständlich, dass die Sachen richtig repariert werden. 

Aber wir können natürlich keine Garantie geben, dass es nicht nach kurzer Zeit wieder kaputt geht oder wir es wieder zusammengebaut bekommen“, verdeutlicht Weikert und stellt klar: „Die Ehrenamtlichen investieren ihre Freizeit und dann müssten sie am Ende noch für eine kaputte Kaffee­maschine aufkommen. Das geht halt nicht.“ Beschwerden habe es in der ganzen Zeit aber noch nie gegeben.

Jeder kann vorbei kommen, egal ob aus Taufkirchen oder Umgebung. Allerdings darf nur jeweils ein Gegenstand aufgegeben werden. „Ich finde, weil es kostenlos ist, sollte auch jeder zum Zug kommen können“, erklärt Weikert. Manche würden schon mehr mitbringen und müssten sich dann entscheiden. „Da heißt es dann: ,Der Toaster ist mir jetzt wichtiger als der Föhn‘“, sagt die Ehrenamtliche lachend.

Neben den Helfern an der Anmeldung und bei der Kaffee- und Kuchenausgabe sind natürlich die Kräfte bei der Reparatur essenziell. Einer davon ist Manfred Bumann, der schon von Beginn an mit dabei ist. Der 67-Jährige Elektrotechniker, der auch beim ehrenamtlichen Technikservice des Deutschen Museums mitarbeitet, bekommt vor allem elektronische Gegenstände wie Fernseher, Flachbildschirme oder Computer zur Reparatur.

Auch für Näharbeiten gibt es fleißige Helfer. Immer wieder sind aber auch ungewöhnliche Dinge dabei – so erst vor kurzem ein Echolot. „Das hat ein Angler vorbei gebracht. Es sieht ein bisschen aus wie eine Taschenlampe und kann die Tiefe des Wassers messen“, erzählt der Taufkirchner. 

Obwohl eher selten, auch hier konnte Bumann helfen: „Innen war nur ein Draht abgerissen. Den habe ich kontaktiert und dann hat es wieder funktioniert.“

Immer klappt es selbstverständlich nicht, den Defekt erfolgreich zu beheben. Oft sei es schon eine Herausforderung, den Gegenstand zu öffnen, da bei neueren Produkten Klapp- oder Klebeverschlüsse anstatt Schrauben verwendet werden. „Bei etwas über 50 Prozent sind wir erfolgreich. 

Aber es kostet die Leute ja nichts. Ein Versuch lohnt sich also immer“, weiß Bumann. Sein Helfer-Kollege Hubert Neumeier sieht das genauso. Oft scheitert es, wenn nicht unmittelbar mit den vorhandenen Mitteln geholfen werden kann: „Wenn man Ersatzteile braucht, dann ist bei uns gleich Schluss“, erklärt der Ingenieur.

Diese können in der Regel in der kurzen Zeit nicht besorgt werden oder es gibt sie – gerade bei alten Gegenständen – schlichtweg nicht mehr. Neumeier hat schon das ein oder andere „antike Stück“ vorgelegt bekommen. „Alte Plattenspieler, Röhrenradios, ... Das ist teilweise noch vor meiner Generation“, erzählt er lachend. 

Sich damit auseinanderzusetzen, mache den Reiz aus. Genauso gibt die Freude der Bürger den freiwilligen Helfern viel zurück. „Sie freuen sich nicht nur, weil ein liebgewonnener Gegenstand repariert wird, sondern auch, weil sich überhaupt jemand damit beschäftigt“, verdeutlicht Neumeier.

Nicht nur die Geräte, auch die meisten Besucher des Repair-Cafés sind älter. „Ich finde es schade, dass nicht mehr jüngere Leute kommen“, äußert Neumeier bedauernd. „Dann können sie auch mal sehen, dass wir in unserer Gesellschaft zu viel wegschmeißen und konsumieren. An der Umweltbewegung sieht man doch eigentlich, dass sich auch die Jugend für das Thema interessiert.“ Ein Grund sei laut Neumeier, dass viele Jugendliche immer noch lieber eine neueres Produkt haben möchten, wenn das alte kaputt geht.

Dabei lohnt sich ein Besuch in Repair-Café sogar doppelt. Denn – wie der Name schon sagt – geht es nicht nur um den Aspekt „Repair“, sondern auch um das Café. „Manche kommen sogar nur zu uns, um sich zu treffen“, erzählt Weikert. 

Es kommen dort Bürger aus allen Ortsteilen zusammen. Damit hat die Initiative auch einen verbindenden, ortsbildenden Charakter – ganz im Sinne von „Wir für Taufkirchen“, der „Sozialen Stadt Taufkirchen“ und der Jerusalem Kirche, die in Kooperation mit der Vhs und dem Bürgertreff das Café organisieren.

Da alles auf ehrenamtlicher Basis passiert, sind Spenden für Kaffee und Kuchen willkommen. „Wir freuen uns, egal ob jemand 2 oder 20 Euro dalässt“, meint Weikert. Und selbstverständlich werden auch immer wieder Helfer gebraucht.

„Wir haben in der Regel mehr Besucher mit Geräten, als wir in der Zeit schaffen können“, erklärt Neumeier. Wer etwas handwerkliches Geschick hat und Spaß am Schrauben, sei im Repair-Café genau richtig.

Iris Janda

Das nächste Repair-Café findet am Samstag, 18. Januar, von 14 bis 17 Uhr im Bürgertreff in der Eschenpassage an der Eschenstraße 46 statt. Weitere Informationen gibt es unter 61 45 14 0, info@vhs-taufkirchen.de oder www.vhs-taufkirchen.de.


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