Ungewohnter Rückblick der Gemeinde auf ihre Maßnahmen zur Müllvermeidung

Taufkirchen: Gemeinde zieht Müllbilanz

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Damit die Müllberge nicht noch weiter wachsen, hat Taufkirchen verschiedenen Maßnahmen ergriffen. Nun zog das Umwelt­amt ein Fazit.

Taufkirchen blickte auf das Jahr zurück. Im Vordergrund standen die Maßnahmen zur Müllvermeidung in der Gemeinde.

Taufkirchen – Die Adventszeit ist die Zeit von Christkindlmärkten und Weihnachtsvorbereitungen – und auch die der Jahresrückblicke. Das Zurückblicken gibt es nicht nur in großen Shows, sondern auch im Kleinen. So nun in Taufkirchen, wo die Verwaltung ihre Maßnahmen zur Müllvermeidung resümierte. Der Bau- und Umweltamtausschuss beschloss im November 2018 auf einen Antrag der SPD hin drei Maßnahmenpunkte. Die Gemeinde sollte Unternehmen bitten, Plastiktüten nicht mehr oder nur gegen Bezahlung auszugeben. Außerdem wurde festgelegt, dass bei Veranstaltungen nur noch Mehrwegsysteme verwendet werden und die Verwaltung durch Öffentlichkeitsarbeit für die Vermeidung von Verpackungsmüll wirbt.

 Ein Jahr später gibt es nun verschiedene Erfolge zu vermelden. So werden etwa Mehrwegbecher aus Bambus bei Veranstaltungen verwendet, die Gemeinde nahm mit dem Klimadinner an der landkreisweiten Klimawoche teil und es wird zum Beispiel an der Mittelschule und durch die Umweltkalender „Müll trennen“ und „Müll vermeiden“ über richtige Mülltrennung informiert. Nicht alles lief allerdings so erfolgreich. So musste das Klimafrühstück der Nachbarschaftshilfe wegen mangelnder Nachfrage abgesagt werden. Manche Punkte im Bericht des Umweltamtes klingen sehr vage.

Bei dem Angebot an den Schulkiosken gab es einen „Versuch der Einwirkung“ und bei der Beschaffung im Rathaus einen „Versuch der Einflussnahme“. Grünen-Fraktionssprecher und Bürgermeisterkandidat David Grothe äußert zu der Umsetzung im Rathaus Kritik: „Ich bin der Meinung, dass bei den Beschaffungen im Rathaus der Bürgermeister ganz klar die Leitlinie vorgeben könnte. Ich habe aber den Eindruck, dass er da bei manchen Themen bremst.“ Generell begrüßen die Grünen die Umsetzung des Antrags. „Aber beim Thema Beschaffung kann sich der Bürgermeister auch an die eigene Nase fassen“, erklärt Grothe und weiter: „Ich habe das Gefühl, da wird momentan noch gar nichts getan. Zumindest gibt es keine Beschaffungsrichtlinien.

Von der Umsetzung sind wir da, glaube ich, noch ziemlich weit entfernt.“ Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos) sieht das anders: „Ich weiß nicht, was die Grünen damit meinen. Die Verwaltung beschafft gar nicht viel. Wo es geht, wird auf nachhaltige Alternativen zurückgegriffen. Aber manchmal ist Kunststoff nicht vermeidbar.“ Bei der EDV-Technik, die teilweise schon zehn bis zwölf Jahre alt ist, gibt es nächstes Jahr eine umfassende Umstellung. „Nächstes Jahr wird es in der ganzen Verwaltung neue Rechner geben. Kleinere Geräte, die deutlich weniger Strom verbrauchen. Das ist schon fest im Haushalt eingeplant“, erklärt Sander.

Für das nächste Jahr plant die Gemeinde zudem gemeinsame Veranstaltungen mit der Vhs zu Klima- und Müllthemen, etwa die Besichtigung einer Gelber-Sack-Sortieranlage. Auch soll die ReCup-Förderung, also das Verwenden von Pfandbechern, vorangetrieben werden. Relevante Firmen wurden dazu bereits per Bürgermeisterbrief kontaktiert. Mehr als die Geschäfte darauf anzusprechen, könne die Verwaltung nicht tun, mein Sander. „Wir haben nicht das Personal, um den Leuten hinterherzulaufen. Aber wer für Umweltschutz einen Sinn hat, macht es auch von selbst.“ Vielleicht könnte auf dem Mülljahresrückblick im Dezember 2020 sogar ein „Unverpackt“-Laden stehen – das wünscht sich zumindest der Rathauschef. „Ich fände einen „Unverpackt“-Laden toll und denke, das würde hier gut funktionieren. Aber auch, wenn die Isar-Ökokiste ein Geschäft in der Ortsmitte hätte, wäre das schon super.“

Iris Janda

Kommentar

Bequemlichkeit steht im Weg - Müllvermeidung geht jeden Einzelnen etwas an

Sich bei der Müllvermeidung an die eigene Nase fassen – das sollte für jeden gelten. Die Zahlen zum Verpackungsmüll in Deutschland sind schockierend – regelmäßig belegen wir den traurigen ersten Platz in Europa. Eigentlich verwunderlich beim Blick in andere EU-Länder, die kein Einweg­pfand kennen und deutlich weniger auf Recyc­ling achten. Das Problem: Das Mutterland des Recyclings hat sich viele Jahre auf dem System ausgeruht. Doch über die Hälfte dessen, was in der gelben Tonne landet, wird verbrannt, rund ein Viertel kommt ins Ausland.

Viel wichtiger als Recycling sind Müllvermeidung und Wiederverwertung. Das drängt zwar langsam in das Bewusstsein der Deutschen. Bis das Normalität und nicht Ausnahme wird, ist es noch ein weiter Weg. Die eigene Bequemlichkeit steht einer konsequenten Müllvermeidung im Wege. Ein Kaffee aus der Kapsel ist schneller gemacht als aus der Filtermaschine, anstatt selbst etwas vorzubereiten wird fix der To-Go-Salat gekauft. Selbstverständlich ist auch die Industrie gefragt, ihre Verpackungsweise umzustellen und auf Mehrwegsysteme zu setzen. Genauso muss die Politik noch strengere Gesetzte verabschieden.

Aber allen voran ist es an jedem Einzelnen, das eigene Konsumverhalten zu überdenken und zu hinterfragen. Die Zero-Waste-Bewegung macht vor, wie ein Leben ohne Müll funktionieren kann. Auch wenn das extrem erscheinen mag, so ist es doch besser in dieses, als – wie viele Deutsche – ins andere Extrem zu gehen.

Iris Janda

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