Dem grünem Fleckchen geht es an den Kragen

Taufkirchen: Bau von 29 Reihenhäusern sorgt für Unmut

Günter Keilhammer und Jutta Oppermann vor ihrem Haus in Taufkirchen
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Auf dem Nachbargrundstück von Günter Keilhammer und seiner Frau Jutta Oppermann sollen 29 Reihenhäuser entstehen.
  • vonIris Janda
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In Taufkirchen am Wald sollen auf einem bisher kaum bebauten Grundstück 29 Reihenhäuser entstehen. Die Anwohner wehren sich gegen die Bebauungspläne.

Dichte Bäume und verwachsene Sträucher erschweren die Sicht auf das Grundstück zwischen Rotdornweg und Birkenstraße in Taufkirchen. Doch dahinter verbirgt sich eine wahre Rarität. Lediglich ein großes Einfamilienhaus und eine Hütte stehen derzeit auf der 6800 Quadratmeter großen Fläche, die aus zwei Grundstücken besteht. Solch grüne Oasen werden immer seltener im Münchner Speckgürtel. Denn der Siedlungsdruck, die Pflicht zur Nachverdichtung und hohe Immobilienpreise sorgen dafür, dass solche unbebauten Flächen schwinden.

Dieses Schicksal ereilt nun auch besagtes Grundstück in Taufkirchen. Der Ablauf ist klassisch für so viele Bauvorhaben, die in den vergangenen Jahren im Landkreis realisiert wurden. Der Besitzer ist vor ein paar Jahren verstorben, die Erben haben an einen Bauträger verkauft und dieser möchte mit möglichst hohem Gewinn bebauen. Was nun aber geplant ist, war für die umliegenden Anwohner ein großer Schock. Der Bebauungsplanentwurf sieht 29 Reihenhäuser vor, die eine Höhe von bis zu 12,60 Meter ausmachen können.

„Das hat allen Nachbarn den Boden unter den Füßen weggezogen!“, erzählt Günter Keilhammer. Er wohnt mit seiner Frau Jutta Oppermann an der Kurve des Rotdornwegs südwestlich an das Grundstück anschließend. Damit ist das Ehepaar unmittelbar von den Baumaßnahmen betroffen. Aber es vertritt gegenüber Bürgermeister und Gemeinderäten nicht nur sein eigenes Interesse, sondern das ihrer Nachbarn. Der Großteil der Bewohner der umliegenden Einfamilien- und Doppelhäuser lebten schon seit Mitte der 1970er dort und seien um die 80 Jahre alt, erklärt Keilhammer. „Die meisten sind froh, dass wir uns da politisch einsetzen.“

Seit einer Sitzung des Gemeinderates Ende April, bei der die Bebauung erstmals auf die Tagesordnung kam, engagieren sich die Eheleute dafür, dass nicht über die Interessen der Anwohner hinweg entschieden wird. Und einiges konnte bereits erreicht werden. So kam es zu einer Ortsbegehung mit den Fraktionssprechern David Grothe (Grüne) und Matteo Dolce (SPD). „Dabei haben wir festgestellt, dass in Bezug auf die Ausrichtung der Häuser und den Baumschutz auf jeden Fall etwas getan werden muss“, fasst Grothe seine Eindrücke aus der Ortsbegehung zusammen.

Daraufhin stellten die beiden Fraktionen gemeinsam mit Freien Wählern einen Antrag, in dem unter anderem eine Reduzierung des Bauumfangs, der Erhalt eines Großteils des Baumbestandes und eine verträgliche Lösung beim Thema Verkehr gefordert wurden. Auch von seiner Seite habe es auf die ersten Bürgerbeschwerden hin Kompromissbereitschaft gegeben, erklärt Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos).

Kompromiss geht nicht weit genug

Dementsprechend konnte sich in der Juli-Sitzung des Bauausschusses auf die Reduzierung des Bauumfanges um zehn Prozent geeinigt werden. Denn ursprünglich waren 32 Reihenhäuser mit einer Grundflächenzahl (GRZ) von 0,36 geplant. Nun liegt diese bei maximal 0,26. Ein weiterer wichtiger Beschluss war die Ausrichtung der südlichen Baureihe in Ost-West-Richtung. Dadurch können große Teile des südlichen Baumbestandes erhalten werden. „Aus meiner Sicht war das durchaus ein Erfolg“, wertet Grothe das Ergebnis der Sitzung. „Ich finde es gut, dass wir uns überhaupt so intensiv bei einem Verfahren überparteilich abgestimmt haben. Das ist in Taufkirchen relativ selten“, so Grothe weiter.

Doch den Anwohnern geht der Kompromiss nicht weit genug. Sie wehren sich gegen die Intensität der Bebauung und fordern 26 statt der 29 Reihenhäuser. Dies sei auch ursprünglich mit Grünen und SPD verhandelt worden, hätte es aber nicht in den Beschlussvorschlag geschafft, erklärt Anwohner Keilhammer. Das stimme zwar, räumt Grothe ein. Allerdings hätte in der überparteilichen Kompromissfindung mit SPD und Freien Wählern nur eine Mehrheit für 29 Häuser gefunden werden können.

Darüber hinaus sehen die Anwohner die angedachte Gebäudehöhe kritisch. Bei einer festgelegten Wandhöhe von sieben Metern und einer Dachneigung von 35 Grad ergebe sich eine Fisthöhe von bis zu 12,60 Metern. „Das hat wirklich dem Fass den Boden ausgeschlagen“, sagt Keilhammer. Denn das höchste Gebäude im Geviert messe derzeit nur 9,50 Meter. Sie fordern, dass diese Höhe im Rahmen der Umlandbebauung angepasst werde. „Wir befürchten, dass den Ausschussmitgliedern diese Größenordnung gar nicht so bewusst war und das ihnen auch so nicht explizit mitgeteilt werden sollte“, gibt Jutta Oppermann zu bedenken. Schließlich hätten in der Beschlussvorlage nur Wandhöhe und Dachneigung, nicht aber die Fisthöhe gestanden.

Rathauschef Sander wehrt sich gegen den Vorwurf, die Verwaltung hätte die Gebäudehöhe verschleiern wollen: „Man legt im Entwurf entweder die Fisthöhe oder Wandhöhe und Dachneigungen fest. Dann ist der Rest ein Rechenexempel.“

Er könne die Situation der Anwohner sehr gut nachvollziehen, denn er selbst habe sich schon einmal in der gleichen Lage befunden. „Ich kann jeden verstehen, der alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpft, um das zu verhindern.“ Doch die Gemeinde sei nicht nur gegenüber den Anliegen der Anwohner verpflichtet. Sie soll eher in der Ortsmitte als am Rand nachverdichten. Dass mehr in die Höhe gebaut wird, entspreche den Landeszielvorgaben vom flächensparenden Bauen. „Bauausschuss und Gemeinderat sind dem Gemeinwohl verpflichtet“, erklärt Sander. Auch an Reihenhäusern bestehe Bedarf bei Taufkirchnern, die sonst aus ihrer Heimatgemeinde wegziehen müssten.

„Die Anwohner werden alles in ihrer Macht stehende tun, um eine Bebauung auf diesem Grundstück zu vermeiden“, fasst der Bürgermeister zusammen. Er mutmaßt, dass sie eine weitere Reduzierung des Bauumfangs fordern, sollte auf die Anzahl von 26 eingegangen werden. Der Bauausschuss werde sich im Januar oder Februar mit den Eingaben befassen und diese in seine Entscheidungsfindung einfließen lassen. Von den Anwohnern seien mindestens 30 Einwendungen an die Gemeinde gegangen, erzählt Sander. Keilhammer selbst hat 50 Unterschriften gesammelt und eingereicht. Im März oder April könnte dann ein neuer Planentwurf vorliegen.

„Wir hoffen, dass der Gemeinderat bei der Höhe und auch beim Erhalt des Baumbestands tätig wird“, erklärt Keilhammer. Schließlich sollen noch immer die Bäume im südwestlichen Teil gefällt werden und die nötigen Ersatzpflanzungen auf anderen Grundstücken erfolgen. Auch Grünen-Rat Grothe erhofft sich ein Nachbessern in Bezug auf Baumschutz und den Abstand zur Grundstücksgrenze. „Das ist immer noch sehr nah“, so Grothe. Allerdings erkenne er das bisherige Entgegenkommen der Gemeinde und des Gremiums an. „Grundsätzlich ist die Gemeinde schon an allen Seiten entgegen gekommen. Da stellt sich die Frage, ob sich da nochmal eine Mehrheit findet.“

Iris Janda

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